Regensburger Kasernenviertel birgt sozialen Sprengstoff - „Öffnet das Ankerzentrum!“

Von Christian Eckl · 3. Januar 2023 um 08:30

Kein anderer Stadtteil Regensburgs erlebt in den kommenden Jahren einen solchen Wandel und hat diesen schon vollzogen wie das Kasernenviertel. Jetzt formuliert ein prominenter Viertel-Bewohner eine ungewöhnliche Forderung.

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Wo einst Soldaten untergebracht waren, sollen hunderte Wohnungen entstehen. Mit dem Sportpark Ost und einem neuen Hallenbad investiert die Stadt zudem in die Infrastruktur. Doch wer Veränderung will, der muss wissen, wo er steht. Eine Analyse der Zahlen aus dem Sozialindex zeigt: Das Kasernenviertel steht vor riesigen Herausforderungen.

Fast jeder dritte Bewohner des Kasernenviertels ist Ausländer: 28,5 Prozent der Bevölkerung in dem Stadtteil sind es, die keinen deutschen Pass haben. Die Quote in der Stadt beträgt 15,5 Prozent. Das ist kein Wunder: Hier ist das Ankerzentrum untergebracht. Rupert Karl ist Stadtteil-Kümmerer. „Ich lebe schon seit 1958 hier“, sagt Karl. Doch er weiß auch: „Wenn meine Eltern auferstehen würden, sie würden den Stadtteil nicht wieder erkennen.“ Für Karl wäre es ganz wichtig, die Integration zu fördern. „Das Problem ist, dass das Ankerzentrum für Bürger verschlossen ist. Hier finden also faktisch keine Begegnungen statt.“

Ungewisse Zukunft

Die Menschen, die dort untergebracht sind, wüssten nicht, was mit ihnen geschieht: „Dürfen sie bleiben? Müssen sie gehen?“ Auch das mache die Situation nicht einfacher. Gleichzeitig sieht Karl auch Lichtstreifen am Horizont. „Das neue Begegnungszentrum in der Guerickestraße ist ein solcher Ort, dort könnten beispielsweise Ältere und Migranten zusammen kommen“, findet Karl.

Auch viele weitere Indikatoren verweisen darauf, dass es der Stadtteil nicht eben leicht hat – so wie viele Bewohner. Liegt die Quote an Hartz-IV-Haushalten im gesamten Stadtgebiet bei 4,91 Prozent, lebt im Kasernenviertel jeder zehnte von Stütze.

Der Stadtteil wandelt sich

Dort, wo es viele Probleme gibt, profitieren oft auch die politischen Ränder. Bei der letzten Bundestagswahl wählten dann auch 13,7 Prozent die AfD, im Stadtgebiet waren es 10,3 Prozent. Die Wahlbeteiligung lag mit 67,5 Prozent deutlich unterm Stadtgebiet (da waren es zehn Prozent mehr).

Auch die Entwicklung der Bevölkerung unterscheidet sich im Kasernenviertel deutlich von der Gesamtstadt. Die Fruchtbarkeitsziffer liegt hier sehr hoch, und zwar bei 58 . In der Stadt liegt diese nur bei 42,4. Die Quote beschreibt die Geburten pro 1000 Frauen im gebärfähigen Alter. Die Bevölkerung wächst aber nicht stärker als in anderen Stadtteilen, sondern vielmehr nur in bestimmten Straßenzügen: Ist die Bevölkerung zwischen 2016 und 2020 in der gesamten Stadt um knapp zehn Prozent gewachsen, nahm sie im Kasernenviertel um 10,45 Prozent zu. Aber: Es gibt Straßenzüge dort, in denen die Bevölkerung sogar abnahm, in anderen nahm sie um bis zu 14 Prozent zu. Auch das ist ein Indikator dafür, dass sich der Stadtteil wandelt.

Deutlich geringer ist demgegenüber die Wohnfläche jedes Einwohners dort: Liegt die Quadratmeterzahl in der gesamten Stadt bei 41,3, bewohnen im Kasernenviertel die Einwohner im Schnitt lediglich knapp 33 Quadratmeter.

Die Auswertung der Daten für die Regensburger Altstadt finden Sie hier:Link.

Für Stadtteil-Kümmerer Rupert Karl gibt es aber auch viele Chancen für eine Verbesserung der Wohn- und Lebensqualität in den kommenden Jahren. „Die Neubebauung wird mit viel Grünflächen angelegt“, weiß Karl.

Hoffnung auf Supermarkt

„Natürlich, es gibt viel zu tun und ich merke, dass meine Kollegen in den anderen Stadtteilen weniger zu tun haben als ich.“ Aber die Investitionen beispielsweise in den Sportpark Ost werden sich seiner Meinung nach auszahlen. „Das geht schon da los, dass es hier eigentlich keinen Versorger gibt.“ Das soll sich ändern.