Benedikts deutsche Erben im Vatikan: Wird Erzbischof Gänswein Kardinal?

Von Christian Eckl · 4. Januar 2023 um 18:13

Nach dem Tod des emeritierten Papst Benedikt XVI. sind mehrere Deutsche im Vatikan in den Vordergrund der medialen Aufmerksamkeit gerückt.

In der Audienzhalle ist von Kirchenkrise nichts zu spüren. In der ersten Reihe gibt es zwischen Bischöfen und Kardinälen Stühlerücken. Sortiert wird nach Rang. Gruppen aus Bayern sind da, aber wenige – Polen, Portugal, USA, Israel sind vertreten. Weltkirche eben. Als Papst Franziskus kommt, gehen alle Handys hoch. Der Papst geht am Stock, den Rollstuhl hat er verlassen.

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Er wird es sein, der den verstorbenen Benedikt am Donnerstag begraben wird. Die Messe aber wird er nicht halten – die Knie schmerzen. Gleich zu Beginn bezeichnet Franziskus seinen verstorbenen Vorgänger als „Meister des Katechismus“, also der Glaubenslehre.

Fürstin Gloria glaubt: Gänswein wird Kardinal

Nicht dabei ist der Mann, der eigentlich Präfekt des Päpstlichen Hauses ist und Franziskus häufig zur Seite sitzt: Erzbischof Georg Gänswein. Nicht nur in Rom fragt man sich: Was wird mit Benedikts Sekretär? Für ihn dürfte es bald neue Aufgaben geben. Stanisław Dziwisz, einst Sekretär von Johannes Paul II., wurde sofort nach Benedikts Wahl zum Erzbischof von Krakau ernannt. Gänswein galt lange als möglicher Nachfolger für den angeschlagenen Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki. Eine, die sich gut auskennt im Vatikan, ist die Regensburger Adelige Gloria von Thurn und Taxis. Die Fürstin ist sich sicher: „Gänswein wird Kurienkardinal“, so die Regensburgerin. „Er kommt ganz sicher nicht nach Deutschland.“

Kardinal Müller ein gefragter Mann

Auch ein anderer Deutscher im Vatikan ist derzeit ein gefragter Mann: Kardinal Gerhard Ludwig Müller. Er eilt von Interview zu Interview. Der Mediengruppe Bayern teilte Müller mit: „Alle wussten, dass Papst Benedikt dem Hinübergang in das Haus des himmlischen Vaters nahe war. Wie Millionen Katholiken betete auch ich für ihn um eine gute Sterbestunde“, so der Kardinal, den Joseph Ratzinger erst zum Bischof von Regensburg, dann zum Kurienkardinal und Präfekten der Glaubenskongregation machte. 2017 setzte ihn Papst Franziskus ab.

Müller, der aus deutscher Perspektive isoliert wirkt, gilt im Vatikan als einflussreicher Strippenzieher. „Der Silvestertag 2022 war für mich der 75. irdische Geburtstag und für ihn mit seinen 95 Lebensjahren der himmlische Geburtstag für ein Leben ohne Ende“, so Müller weiter. In Richtung Deutschland hat der Kardinal dann auch eine klare Botschaft im Gepäck: „Joseph Ratzinger war als Mensch ein schlichter und einfacher Zeitgenosse, als Denker eine der größten Begabungen, auf welche die Deutschen stolz sein sollten, und als Theologe, Bischof und Papst eine Persönlichkeit vom Format eines Kirchenlehrers.“

Regensburger als Botschafter am Heiligen Stuhl

Ins Zentrum des Interesses rückt ein weiterer Mann aus Ostbayern: Bernhard Kotsch, gebürtiger Regensburger, ist Botschafter am Heiligen Stuhl. Der langjährige Protokollchef unter Kanzlerin Angela Merkel wurde von ihr auf den prestigereichen Posten berufen. Jetzt, da bekannt wurde, dass die gesamte Staatsspitze aus Berlin an dem Requiem teilnimmt, hat Kotsch alle Hände voll zu tun. Am Donnerstag werden Bundespräsident Steinmeier, Kanzler Scholz, Bundestagspräsidentin Bas, Bundesratspräsident Tschentscher sowie Verfassungsgerichtspräsident Harbarth anreisen. Im Moment koordiniert die Botschaft am Heiligen Stuhl zusammen mit der Päpstlichen Präfektur auch den Ablauf, weil die Gebirgsschützen einmarschieren werden am Petersplatz. Benedikt war seit 1987 Ehrenmitglied. Die Musikkapelle Germering wird Blasmusik spielen. Organisator Hans Wembacher sagt: „Was wir spielen, ist noch Gegenstand der Verhandlungen zwischen der Präfektur und der Botschaft.“

Der Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke sagte vor seiner Abreise, Benedikt habe die Seele eines einfachen Mönchs gehabt. Seine Bescheidenheit habe ihm immer imponiert. Als vor vielen Jahren der frühere Regensburger Bischof Rudolf Graber sein 60. Priesterjubiläum feierte, war Hanke Gästepater. „Die Staatsgäste kamen in der Karosse. Dann kam ein kleiner Golf mit Kennzeichen des Vatikans und der damalige Glaubenspräfekt stieg aus“, schmunzelt Hanke. Er glaubt, dass von Joseph Ratzinger weltweit seine Theologie lange nachwirken wird. „Aber nicht in Deutschland“, sagte der Eichstätter Bischof nachdenklich. „Da weht ein anderer Wind.“

Bischöfe aus Regensburg und Passau in Rom

„Er hat wahrscheinlich den größten Verlust von uns allen hinnehmen müssen“, sagte der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer zur Mediengruppe Bayern. Im Moment sei Gänswein (66) am organisieren, wo die Delegationen aus Benedikts Heimat unterkommen. „Er ist ja noch jung, kann durchaus auch noch mal etwas Neues anfangen“, so Voderholzers Meinung.

Der Passauer Bischof Stefan Oster und Voderholzer verabschiedeten sich am Mittwoch am Leichnam des Papstes. Einer, der von Franziskus in eine wichtige Position gehievt wurde, kommt erst am Donnerstag mit Ministerpräsident Markus Söder: Reinhard Kardinal Marx. In Rom rätselt man derweil, was aus dem deutschen Erbe Benedikts in der Kurie wird.