Metallbauer Schlegl will Betrieb in Schwandorf schon erweitern
Nicht einmal ein halbes Jahr ist der Umzug her, und schon gibt es Pläne für eine Expansion. Im Juli siedelte die Metallbaufirma Schlegl aus Schwarzenfeld nach Schwandorf um. Seither werden hier täglich bis zu 100 Achsen oder Fahrgestelle für Anhänger produziert.
Doch die 2400 Quadratmeter große Werkshalle an der Bellstraße ist schon wieder zu klein. Auf Regalen stapeln sich die Komponenten, die zu Baugruppen verarbeitet werden. Firmenchef Franz-Josef Schlegl (70) will deshalb auch noch ein etwa 1500 Quadratmeter großes Nachbargrundstück im Westen erwerben – unter anderem für die vielen Bauteile, die der Betrieb auf Lager hat. „Und auch die Auftragslage ist gut“, wie Schlegl hervorhebt. Die Stadt weiß schon Bescheid, jetzt fehlt nur noch der Notartermin.
Firmenchef Schlegl überzeugt: Mit dem Umzug alles richtig gemacht
Dabei ist der Umzug noch nicht einmal komplett abgeschlossen. Mitte Dezember ist die Heizung in dem Fabrikgebäude noch nicht in Betrieb genommen, und die Mitarbeiter im Büro wärmen sich an elektrischen Heizöfen. Auch bei der Zufahrt fehlt noch der letzte Schliff. Firmenchef Schlegl und Mitinhaberin Andrea Kraus, die den Betrieb einmal übernehmen soll, stört das aber nicht.
„Wir haben mit dem Umzug nach Schwandorf alles richtig gemacht“, sagt der 70-Jährige. Er verweist auf die vergleichsweise günstige Energieversorgung durch Fernwärme und die „sehr gute Verkehrsanbindung“. Und, anders als beim angebotenen Gelände in Schwarzenfeld, ist das Grundstück im Schwandorfer Süden ebenerdig, was die Baukosten deutlich gedrückt hat.
Bei einem Rundgang überzeugte sich auch Oberbürgermeister Andreas Feller (CSU) von dem Betrieb. Angefangen hat Maschinenbaumeister Franz-Josef Schlegl mit nur einem Mitarbeiter – zunächst als Produzent von Anhängern. Den ersten Hänger baute Schlegl für das Schwandorfer THW. „Den gibt es immer noch“, wie OB Feller anmerkte. Doch 1990 schwenkte das Unternehmen um und spezialisierte sich auf die Herstellung von Achsen, Radbremsen und Fahrgestellen.
Schnell und flexibel dank geringer Firmengröße
„In diesem Segment sind wir einer von drei Herstellern – und zwar mit Abstand der kleinste“, sagt Mitinhaberin Kraus. Doch die geringe Größe sei auch von Vorteil: „Das macht uns schnell. Wie sind flexibel und können sofort reagieren.“ Geliefert wird von Schwandorf aus in alle Welt. Die Kunden sitzen nicht nur in Europa, etwa den Niederlanden, sondern auch in Israel, Südafrika oder Thailand. Die Türkei kam als bedeutender Markt hinzu und sorgt inzwischen für große Lieferumfänge: Statt ein paar Baugruppen liefert die Firma Schlegl an den dortigen Händler inzwischen zwei Sattelschlepper voll.
Umgekehrt sitzen auch die Zulieferer nicht in Schwandorf, sondern verteilen sich auf den Globus: Taiwan und China, Indien und Pakistan, beispielsweise. Die Spannungen zwischen China und Taiwan machen das Geschäft zunehmend riskant, aber noch wird Ware aus Taiwan geordert.
Die Firma Schlegl schreibt weiter an ihrer Erfolgsgeschichte. Angefangen hat man als Zwei-Mann-Betrieb. Inzwischen stehen in Schwandorf laut Schlegl 24 Beschäftigte an den Maschinen oder arbeiten als Schweißer. „30 Leute könnten wir ohne weiteres beschäftigen“, sagt der Firmenchef.
Fachkräfte sind nicht leicht zu bekommen – auch Schlegl sucht
Doch Fachkräfte sind auch für den Metallbaubetrieb nicht leicht zu bekommen. Gesucht werden nach wie vor Schweißer und Feinwerksmechaniker, wie die Schlosser heute heißen. Bei allem Erfolg hat Franz-Josef Schlegl die Bodenhaftung nicht verloren. Wachstum um jeden Preis ist seine Sache nicht. Das Unternehmen hatte einmal einen Großauftrag in Reichweite.
„Wir sollten 90000 Achsen im Jahr produzieren“, erzählt Andrea Kraus. Nach reiflicher Überlegung schlug man die Offerte ab. „Das hätte alle anderen Kundenbeziehungen kaputtgemacht. Wir wären abhängig geworden“, sagt die Mitinhaberin. Nun gilt die Devise, dass der größte Kunde beim Auftragsvolumen nicht mehr als zehn Prozent des Umsatzes erreichen darf.