Personal fehlt: Das Restaurant „Curry and Style“ in Stadtamhof schließt

Von Philip Hell · 3. Dezember 2022 um 18:56

Das Restaurant „Curry and Style“ im Regensburger Stadtteil Stadtamhof öffnet am 23. Dezember zum letzten Mal. Und das, obwohl es täglich ausreserviert ist.

Es ist paradox: Das „Curry and Style“ ist jeden Tag proppenvoll und dennoch muss dasRestaurant im Bruckmandl in Stadtamhofzu Weihnachten dichtmachen – weil Personal an allen Ecken und Enden fehlt.

„Es läuft wirklich sehr gut“, sagt Geschäftsführer Michael Pinkl. Er führt das Restaurant seit 2018 mit Michaela und Benjamin Seitz. „Aber wenn du keine Leute hast, kannst du kein Restaurant führen.“ Die Situation sei schwierig, sehr schwierig, um genau zu sein. „Wir haben uns dazu entschieden, es zu beenden, bevor wir es den Bach runterlaufen lassen, weil wir es nicht mehr schaffen.“

Erfahrene Leute fehlen

Der Personalrückgang habe sich schon vor Corona bemerkbar gemacht. Durch die Pandemie habe sich die Situation allerdings abermals verschärft. „Während der Lockdowns ist es noch extremer geworden. Viele Leute haben sich umorientiert und gesehen, dass es vielleicht auch anders geht und man dann nicht diese Arbeitszeiten hat.“ Nach den Abgängen sei auch kein Personal mehr nachgekommen.

Derzeit sind rund 20 Mitarbeiter im „Curry and Style“ beschäftigt. „Das sind allerdings Leute, die zum Teil nur einmal in der Woche oder alle zwei Wochen arbeiten. So schaffen wir es einfach nicht. Du brauchst einfach jemanden, auf den du dich verlassen kannst oder dem du mal eine Aufgabe überlassen kannst.“ Die Aushilfen seien einfach zu unerfahren. „Nur mit Schülern und Studenten kannst du kein Restaurant führen.“

Vager Gedanke ans Aufhören kam im Sommer

Dabei erwarten die Gäste einen gewissen Standard, sagt Pinkl. „Wir wollen uns das, was wir erarbeitet haben, nicht kaputt machen.“ Das Gros der organisatorischen Arbeit sei an den Geschäftsführern hängen geblieben. „Das mussten wir alles vor der Arbeit machen – oder in der Nacht.“ Das habe an ihm gezehrt, sagt Pinkl. „Du darfst nie krank sein, du musst immer parat stehen. Das ist eine körperliche und psychische Belastung. Auf Dauer schaffst du das nicht.“ Im Sommer ging es einfach nicht mehr. Erstmals dachten die Geschäftsführer ans Aufhören. Ein vager Gedanke, der sich immer weiter manifestierte, da keine Besserung in Sicht war. „Wir dachten immer: Vielleicht tut sich noch was, vielleicht kommt noch jemand. Wir haben überall inseriert.“ Doch es passierte nichts: Mitte Oktober stand fest, dass das „Curry and Style“ Geschichte ist.

Und das nach vier sehr guten Jahren, wie Pinkl sagt. Dabei war für den erfahrenen Gastro-Mann nicht absehbar, dass das Konzept bei den Regensburgern ankommt. „Sowas gab es hier ja noch nie. Es war ein bisschen heikel, ob sich die Leute darauf einlassen, aber es hat sich bewährt.“

Folgen mehr Schließungen?

Umso größer ist bei den Stammkunden nun die Enttäuschung über das Aus. „Viele können es gar nicht fassen, weil wir so gut frequentiert sind. Aber du kannst als Gast halt einfach nicht hinter die Kulissen schauen.“ Der Personalmangel beschäftige fast alle Gasthäusern in Regensburg, sagt Pinkl, der seit Jahren in der Gastronomie arbeitet. Er befürchtet, dass weitere Betriebe dichtmachen müssen: „Ich glaube, dass einige nachziehen werden, auch wegen der Inflation und der gestiegenen Nebenkosten. Wenn du niemanden hast, der dir das erarbeitet, kannst du die Kosten auch nicht mehr tragen.“

Diesen Eindruck bestätigt auch Anton Sperger, Dehoga-Kreisvorsitzender und Chef des Spitalgarten in Stadtamhof: „Die Situation spitzt sich zu. Viele, die früher durchgängig offen hatten, halten sich mit ein, zwei Ruhetagen über Wasser.“ Das „Curry and Style“ sei nun der erste Fall, der ihm zu Ohren gekommen sei, in dem ein Restaurant ganz dicht machen muss. Weitere seien nicht ausgeschlossen, sagt Sperger.

„Super Team“

Die Geschäftsführer haben indes noch keinen Plan für die Zeit nach dem „Curry and Style“. „Wir sind nicht so der Fan davon, von einem zum anderen zu springen. Man muss eine Sache erst mal sauber beenden und dann schauen, wie man weiter macht.“

Das schönste an der Zeit im „Curry and Style“ sei das „super Team“ gewesen. Man habe gemeinsam etwas Schönes aufgebaut. „Wenn man ein Restaurant betreibt, dann muss man das mit Herzblut machen. Das Ende müssen wir jetzt erst mal sacken lassen.“