Aus 17 mach sieben: Pfarreien im Dekanat Schwandorf werden zusammengelegt

Von Friedrich Gluth · 30. November 2022 um 05:00

„Wie gestalten wir eine Kirche der Zukunft?“, lautet die große Frage, die über den Planungen des Bistums Regensburg steht. Diese Frage ist mit einem ebenso großen Paukenschlag verbunden. Denn nach den Überlegungen des Bistums sollen im Zuge der Strukturreformen die derzeit 17 Pfarreien und Pfarreiengemeinschaften im Dekanat Schwandorf auf sieben reduziert werden.

Über die aktuellen Planungen der Diözese informierte Schwandorfs Dekan Michael Hirmer (47) die anwesenden Seelsorger in der jüngsten Dekanatskonferenz. Wo liegen die Ursachen für diese Maßnahmen, die einen erheblichen Einschnitt in die gewohnten Strukturen darstellen? Ein Blick auf Zahlen und Fakten mache die Erfordernis der Reformen deutlich, so Hirmer. Vereinfacht gesagt: Es gibt immer weniger Kirchgänger, aber auch immer weniger Priester und pastorale Mitarbeiter.

Die jetzigen Einteilungen der Pfarreien stammen laut Hirmer aus der Mitte des 20. Jahrhunderts, also aus einer Zeit, als die Kirchen noch voll waren und geistliche Mitarbeiter in ausreichender Zahl zur Verfügung standen. Nun gelte es, sich an die seelsorgerische Realität anzupassen. „Wir wollen uns neue Möglichkeiten schaffen, um gemeinsam intensiver Christen zu sein und Kirche neu erlebbar zu machen“, ermutigte Dekan Hirmer die Gläubigen, die anstehenden Reformen mutig anzupacken. In seinen Augen besteht durch den Reformprozess die Möglichkeit, die Kirche in eine gute Zukunft zu führen und näher an die Menschen zu rücken.

Seelsorge im Dekanat Schwandorf wird zur Teamarbeit

Ein wesentlicher Punkt bei der Neustrukturierung sei, dass Seelsorge künftig mehr Teamarbeit sein werde. Die Pfarreien würden laut Hirmer künftig von einem Team betreut, dem Priester, Diakone und pastorale Mitarbeiter ebenso angehörten wie Laien aus den Pfarrgemeinden. Deren Einbindung in die pastorale Arbeit soll intensiviert und ausgebaut werden. „Unsere Seelsorge wird bunter“, zeigte sich der Dekan überzeugt.

Derzeit besteht das Dekanat Schwandorf aus 17 Pfarreien und Pfarreiengemeinschaften. Über die Hälfte davon wird sich nach der Reform in einem größeren Gebilde wiederfinden. So sollen beispielsweise künftig die Pfarreien St. Josef und St. Vitus in Burglengenfeld zusammen mit Dietldorf eine Einheit bilden. Ebenso soll es im Schwandorfer Stadtgebiet große Veränderungen geben. Es ist die Rede davon, dass man hier künftig nur noch zwei Pfarreiengemeinschaften finden soll: eine im Süden und eine im Norden. Und auch in Nittenau und Bruck wird man wohl künftig noch intensiver zusammenarbeiten müssen. Doch noch handelt es sich nur um erste Pläne, die freilich nach Rückmeldungen angepasst werden können.

Der zeitliche Rahmen für die Umsetzung ist schon abgesteckt. Anfang Februar 2023 treffen sich die Seelsorger des Dekanats und beraten über die Vorschläge des Bistums. Dabei sollen lautPfarrer Michael Hirmerunter anderem folgende Fragestellungen diskutiert werden: Passt der Zuschnitt der geplanten Pfarreiengemeinschaften? Wo kann und soll künftig ein Pfarrer wohnen? Wo ein Pfarrvikar? Und welchen Namen soll eine Pfarreiengemeinschaft eigentlich tragen?

Wie geht es mit den kirchlichen Gebäuden weiter?

Auch das Thema, welche Gebäude – Pfarrhäuser, Pfarrheime und auch Kirchen – künftig noch benötigt werden oder womöglich einer anderen Nutzung zugeführt werden können, soll dabei zur Sprache kommen. Am 28. Februar des kommenden Jahres treffen sich dann die Pfarrgemeinderäte aller Pfarrgemeinden, um ihre Vorschläge und Fragen vorzubringen.

Die Beratungen zwischen Bistum und Pfarrgemeinden sollen bis Ende des neuen Jahres abgeschlossen sein, damit ab 2024 Schritt für Schritt die pastoralen Strukturplanungen umgesetzt werden können. Komplett soll der angestoßene Umstrukturierungsprozess bis 2034 abgeschlossen sein. Bezüglich der Anzahl der Gottesdienste, die nach der Durchführung der Strukturreformen in den Pfarreiengemeinschaften gefeiert werden, erklärte Dekan Hirmer, dass auch hier eine Anpassung an die pastorale Realität erforderlich sein werde. Bereits jetzt stehe fest, dass die Bistumsleitung offen sei für neue Formen von Gottesdiensten. Dies bedeute konkret, dass zukünftig Gottesdienste nicht zwangsläufig durch einen Priester gestaltet und gehalten werden müssten, sondern auch engagierte Laien an die Stelle der Seelsorger treten könnten.

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Die Reformmaßnahmen betreffen nicht nur die Gläubigen, sondern auch das Personal der einzelnen Pfarreien. Zu diesem Punkt erklärte Hirmer, dass es weder zur Kündigung von Arbeitsverhältnissen noch zu Zwangsversetzungen von Seelsorgern kommen werde. Nicht beabsichtigt sei ferner, dass durch die neuen Pfarrei-Strukturen kirchliches Leben abgeschnitten oder reduziert werde. Konkret bedeute dies, dass beispielsweise Chöre nicht etwa „zwangsvereinigt“ werden, sondern in ihrer Selbstständigkeit erhalten bleiben.

Dekan Hirmer will Begeisterung für „den neuen Weg“ wecken

Dekan Hirmer zeigte sich bezüglich der neuen Strukturen voller Zuversicht, Freude und Hoffnung. „Unsere Bistumsleitung hat gute Vorschläge präsentiert und lädt uns Christen vor Ort zur Mitarbeit ein. Ich werde versuchen, bei allen Beteiligten Begeisterung für den neuen Weg zu wecken und die pastoralen Reformen als Chance für unsere Kirche zu verstehen“, sagte er.

Doch wie kommen die Pläne bei den Geistlichen vor Ort an? Markus Meier, der Pfarrer der Pfarreiengemeinschaft Klardorf-Wiefelsdorf, vertritt die Ansicht, dass der Reformprozess den Umständen geschuldet und notwendig sei. Die Maßnahme stelle einen Weg dar, die Kirche zukunftsfähig zu gestalten. Es sei schade, dass die aktuelle Entwicklung – sowohl hinsichtlich der Gläubigenzahlen als auch der pastoralen Mitarbeiter – diese Schritte erforderlich mache. Als er den Umstrukturierungsplan seinen Pfarrgemeinderäten vorgestellt habe, sei er auf keine große Begeisterung gestoßen. Hier müsse noch viel Arbeit geleistet werden, um die Gläubigen auf diesem Weg mitzunehmen.

Großer Personalmangel fordert Lösungen für die Zukunft

Die Frage, ob er den vorliegenden Neustrukturierungsplan gut findet, beantwortete Christian Kalis, der neue Schwandorfer Stadtpfarrer, dahingehend, dass aus Gründen des fehlenden Personals die Notwendigkeit für diesen Schritt gegeben sei. Da sich zudem die Zahl der Katholiken ständig verringere, stelle die Neustrukturierung eine Realitätsanpassung dar. Als positiv sehe er es an, dass mit den neuen Strukturen Kapazitäten für seelsorgerische Aufgaben frei würden.

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Pfarrer Franz Baumgartner von der Pfarrei St. Vitus Burglengenfeld sieht in dem Reformprozess eine Chance, Laien verstärkt in die kirchliche Arbeit einzubinden und so einen Ausgleich für das fehlende pastorale Personal zu schaffen. „Es ist notwendig, sich der Realität zu stellen“, sagte Pfarrer Helmut Brügel von der Pfarrei St. Josef Burglengenfeld auf Anfrage. Und genau diese Realität mache es erforderlich, den Umstrukturierungsprozess auf den Weg zu bringen.

Gespräche mit weiteren Seelsorgern zeigten, dass die Frage „Wollen wir überhaupt eine Neustrukturierung?“ durchaus im Raum steht. Einzelne Geistliche des Dekanats befürchteten sogar, dass die geplante Neuordnung von vielen Gläubigen in der Region als Anlass genommen werden könnte, sich von der Kirche abzuwenden.