2000 Patienten froh: Kirill Schlothauer übernimmt Praxis in Schwandorf
Etwa ein Jahr haben Harald Klier und Kirill Schlothauer die Übernahme der Schwandorfer Hausarztpraxis in der Breite Straße15, direkt über der Altstadt-Apotheke, vorbereitet. Nun wurde der Schritt vollzogen. Seit Oktober behandelt der 42-jährige Allgemeinmediziner die Patienten von Klier weiter.
Die Patienten sind mit ihm schon ein bisschen vertraut: Der gebürtige Russe hat bereits bei dem Schwandorfer Hausarzt eine Zeit mitgearbeitet – und konnte so die Patienten sowie Praxisabläufe kennenlernen.
Im November vorigen Jahres ist Kirill Schlothauer auf den Hausarzt zugegangen. Während er ihm dann einige Monate in der Praxis assistierte, war bald klar, dass er sein Nachfolger wird. Die Zusammenarbeit sei sehr angenehm und komplikationslos gewesen, meint er. Darüber hinaus sprach für die Praxis deren Lage in der Schwandorfer Innenstadt, die gute Verkehrsanbindung mit Bushaltestelle in der Nähe und Parkplätzen vor dem Haus.
Übergabe-Termin erst im Laufe des Prozesses festgelegt
Im Laufe der probeweisen Mitarbeit verständigten sich beide dann auf einen konkreten Termin für die Übergabe: Ende September wollte sich Klier in den Ruhestand verabschieden, ab Oktober sollte Kirill Schlothauer die Praxis selbstständig weiterführen.Harald Klier praktizierte zusammen mit seiner Frau Karin, die darüber hinaus lange stellvertretende Vorsitzende des Ärztlichen Kreisverbandes Schwandorf war. Sie legte nun ebenfalls das Stethoskop zur Seite.
Kirill Schlothauer ist in der bisherigen Doppelpraxis allein tätig. Aber der 42-Jährige, der mit seiner Familie in Maxhütte-Haidhof zuhause ist, sucht eine Kollegin, die ihn in Zukunft unterstützt. Es sollte eine Ärztin sein, sagt er, da viele Patienten, die zuvor von Karin Klier betreut wurden, gern wieder von einer Ärztin behandelt werden wollen.
Facharztprüfung im Oktober 2021 abgelegt
Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) teilte ihm mit, dass er nur einen Facharzt anstellen kann. Kirill Schlothauer hätte alternativ auch eine Kollegin ausgebildet – doch die Befugnis dazu hat er erst ab Mitte 2024, da er selbst noch frischgebackener Facharzt ist. Die entsprechende Prüfung legte er im Oktober 2021 erfolgreich ab.
Den meisten Patienten wird es wahrscheinlich egal sein, dass in der Doppelpraxis momentan nur ein Arzt tätig ist. Sie werden eher froh sein, dass es überhaupt einen Nachfolger gibt. Denn das ist keine Selbstverständlichkeit. Zuletzt schlossen mehrere Praxen in Schwandorf genau aus diesem Grund – so die vonHautarzt Rudolf Frankerlund derLungenärztin Heike Kemeter. Darüber hinaus gabendie beiden Hausärzte Roland Vogler und Carola Preglervor einigen Monaten ihre Kassenzulassung zurück und behandeln nur noch Privatpatienten. Und weitere Hausärzte kündigten an, sich in den nächsten Jahren zur Ruhe setzen zu wollen.
Mehrere Praxen angeschaut
Kirill Schlothauer war vor der jetzigen Übernahme in mehreren Praxen vorstellig geworden, so in Regensburg, Bruck und bei einem anderen Schwandorfer Ärzteteam. Doch jedes Mal gab es Gründe, die dagegen sprachen. Mal waren es die erforderlichen Investitionen, mal die Atmosphäre, ein anderes Mal die Lage. Er hat sich dabei von Fachleuten beraten lassen.
In der Praxis von Harald und Karin Klier passte alles. Hier führt er die Praxis erst einmal ohne größere Investitionen weiter. Die Ausstattung sei relativ modern, nur ein paar neue Liegen für die Behandlungszimmer gibt es. Auch alle bisherigen Mitarbeiter übernahm er – was die reibungslose Weiterführung der Praxis sicher erleichterte.
Schon in seiner Heimat, dem Uralgebiet, übte der heute 42-Jährige den Beruf des Mediziners aus, er war als Chirurg und später als Anästhesist und Notarzt angestellt. Aus privaten Gründen kam er 2011 nach Deutschland, ließ seine medizinische Ausbildung anerkennen und arbeitete dann drei Jahre im Krankenhaus St. Josef sowie zwei Jahre in einer Hausarztpraxis in Regensburg und schließlich zweieinhalb Jahre in der Asklepios-Klinik in Burglengenfeld.
2000 Patienten pro Quartal – 1250 waren schon im ersten Monat da
Gleichzeitig hegte er immer den Wunsch, seine eigene Praxis zu leiten – und zwar im hausärztlichen Bereich, weil da der Kontakt zu den Patienten persönlicher sei und er auch umfassender arbeiten kann, erklärt Kirill Schlothauer. Dieser Wunsch erfüllt sich nun in der Schwandorfer Praxis in der Breite Straße 15.
Fast 2000 Patienten wurden hier bisher im Quartal behandelt. Wie beliebt die Praxis ist, konnte Schwandorfs neuer Hausarzt im ersten Monat feststellen – rund 1250 Patienten sind bei ihm im Oktober schon vorstellig geworden.