Sex, Feminismus und Wölfe: Josef Hader im Regensburger Audimax

Von Philip Hell · 16. Oktober 2022 um 17:32

Er gilt als der größte Kabarettist Österreichs: Am vergangenen Freitagabend spielte Josef Hader im Regensburger Audimax. Lesen Sie hier die Kritik zum Auftritt.

Josef Hader musste weg. Weg aus dem sagenhaft unfreundlichen Wien, raus aufs Land, in das Weinviertel, die „Toskana Österreichs – genau so überschätzt“, wie Hader sagt. Immer wieder kommt der Kabarettist in seinem Programm „Hader on Ice“, mit dem er am Freitagabend im Regensburger Audimax gastierte, auf seinen Umzug zu sprechen.

Ob Hader sein geliebtes Wien wirklich verlassen hat? Eigentlich eh wurscht. Dieser Umzug dient dem größten Kabarettisten Österreichs als Ausgangspunkt einer Schilderung seines Zustands. Und der ist – man ist es von der Kunstfigur Hader so gewohnt – kritisch. Zu viel Alkohol, zu wenig Antrieb. Selbst das Weinviertel ist ihm zu viel. Er mimt den des Lebens überdrüssigen, abgehalfterten Komiker, träumt von einer Auszeit in der Karibik und erzählt dem Publikum freiheraus, dass er nun einen Diener aus Nigeria hat, der ihm das Klo putzt. Überhaupt: Moderne Sklaverei? Kein Problem. Im Kapitalismus zählen Dinge eh mehr als Menschen.

Hader spart an diesem Abend wenig aus. Feminismus, Klimakrise, Sex und hemmungslose Saufgelage mit einem gut zwei Meter großen imaginären Wolf namens Rudl. Eigentlich schade, dass „Hader on Ice“ das erste Programm des Österreichers seit 17 Jahren ist. Hader hätte in all seinem Verdruss über diesen unnötigen Umstand namens Leben mit Sicherheit einiges zum Wahnsinn in der Welt zu sagen gehabt.

Aber eh wurscht, Hader ist zurück und das ist gut so. Er ist und bleibt das vom Publikum verehrte Arschloch. Seine Paraderolle. Lässig sitzt er da, dunkles Hemd, dunkler Anzug und hält dem bildungsbürgerlichen Kabarettpublikum den Spiegel vor. Eine Weltrevolution müsse schon sein, das steht für Hader fest. Es könne ja nicht sein, dass die Armen immer ärmer und die Reichen immer reicher werden. Aber daran etwas ändern? Bitte nicht, dann wäre er nicht mehr reich. Und überhaupt: Damit es irgendwann zur Revolution kommt, dürfen sich diese Umstände nicht ändern.

Hader liebt die Provokation. Immer wieder zielt er mit einer Wasserpistole auf das Publikum. Immer wieder macht er es nass. Dazu besäuft er sich – zumindest zum Schein – mit klimaneutralem Rum.

Mit „Hader on Ice“ ist dem Österreicher ein ausgesprochen gutes Programm gelungen, das auch das Publikum im voll besetzten Audimax begeisterte. Über weite Teile des Programms gelingt es Hader, einen ansprechenden Rhythmus zwischen Pointen-Salven und ausschweifenden Erzählungen zu finden. Dabei driftet er, typisch Hader, immer wieder in Sphären völlig jenseits der Realität ab.

Nur zum Ende hin findet Hader nicht Recht den passenden Schluss. Mit gut zwei Stunden ist das Programm darüber hinaus auch relativ lang. Aber eh wurscht. Bei seinem Kabarett-Comeback darf sich unser österreichisches Lieblings-Arschloch ruhig austoben.