„Puzzles“: Disko-Chef überraschend verstorben

Von Hubert Heinzl, Martin Kellermeier · 16. September 2022 um 12:20

Die Schwandorfer kannten ihn seit Jahren als Leiter des städtischen Recyclinghofs, und nicht wenige haben ihn in den vergangenen Monaten als rührigen Inhaber der Diskothek „Puzzles“ am Marktplatz erlebt. Am Montag ist Volker Riese völlig unerwartet im Alter von 58 Jahren verstorben.

Neben seiner Frau Heike und Tochter Lea hinterlässt er auch einen großen Traum. Witwe Heike Riese fühlt sich auch in dieser schweren Zeit mit ihrem Volker eng verbunden. „Wir werden im Herzen immer bei ihm sein und an ihn denken“, sagt sie am Telefon. Ihr Mann habe immer alle unterstützt, die Hilfe brauchten. Er sei geselliger Mensch gewesen, der gerne mit Freunden zusammengesessen ist. Und wenn er sich etwas in den Kopf gesetzt habe, dann habe er das „mit voller Überzeugung durchgezogen“. Neben seinem Lieblingsverein Borussia Dortmund habe Volker Riese zuletzt vor allemdas Puzzles am Marktplatzam Herzen gelegen. „Die Diskothek war sein Lebenstraum, sie war alles für ihn“, so Heike Riese.

Zeit für Abschied und Trauer

Wie es mit dem Club im Herzen der Stadt nun weitergeht, ist noch völlig unklar. Familie Riese will sich bewusst erst einmal Zeit für das Abschiednehmen und die Trauer geben. So steht es auch auf einem kleinen Plakat, das an die Eingangstür zum Puzzles geklebt wurde. „Aufgrund eines familiären Todesfalles ist die Discothek Puzzles bis auf Weiteres geschlossen. Wie und ob es weitergeht, wissen wir momentan nicht“, heißt es am Aushang. Man wolle über Facebook die Fans des Puzzles „auf dem Laufenden halten“.

Die Diskothek am Schwandorfer Marktplatz und Volker Riese – es war wohl „Liebe auf den ersten Blick“, wie der spätere Inhaber einmal der Mittelbayerischen sagte. Vor zehn Jahren war er das erste Mal als Gast nach einem Tanzkurs hier, vor wenigen Jahren erwarb er dann den Club, um das ehemalige „Moon Dancing“ zum Leben zu erwecken. Dessen Image war längst angestaubt, ein Laden irgendwo zwischen Disco-Fox und nächtlichen Oldie-Runden an der Bar.

Riese investierte viel Zeit und Geld

Riese versuchte zunächst mit kleineren Änderungen an die Vergangenheit anzuknüpfen. Aus dem „Moon“ wurde so das „Moon Dancing Reloaded 2.0“, Konzept und Einrichtung blieben nahezu gleich. Dann kam Corona. Riese nutzte die Zeit des Stillstands, um einen kompletten Neuanfang zu planen: Das Puzzles war geboren. Es folgte jede Menge Arbeit. Die Räume wurden komplett entkernt, kein Stein blieb auf dem anderen. „Wir haben noch genau zwei Schrauben aus der Ursprungszeit. Und den Spiegel hinter dem Getränkeregal“, berichtete ein sichtlich stolzer Volker Riese bei einer kleinen Vorab-Tour durch den neuen Club kurz vor der Eröffnung Anfang April. Der Inhaber investierte viel Zeit für sein Projekt – aber auch jede Menge Geld. Nicht nur Decke, Fußboden, sanitäre Einrichtungen und die Möblierung waren neu. Auch eine topmoderne Lichtanlage mit etwa 40.000 Lichtpunkten bekam die Diskothek.

Volker Riese, wie seine Frau Heike aus Brandenburg, war mit seiner Familie in Schwandorf längst heimisch geworden. In Gesprächen hob er immer wieder hervor, dass man für die Stadt etwas tun müsse. Auch diesen Gedanken verband er mit seinem Projekt. Dazu passt der Name der Disko. „Puzzle is a place where everyone feels at home“, heißt es einmal in der US-Fernsehserie „How I met your mother“. Eine Heimat, die wollte Riese auch seinen Gästen bieten.

Viel Lob von den Gästen

Bei der Eröffnung hatten die Gäste viel Lob parat. „Die Stimmung ist mega. Es ist saugeil hier", sagten sie einem Reporter unserer Zeitung. Auch der Inhaber war an diesem Abend zufrieden, selbst wenn es an der einen oder anderen Stelle noch hakte. Es folgten Wochen mit stetem Auf und Ab. Riese stellte sich mutig einem eher flauen Sommergeschäft. Und pünktlich zur Herbstsaison veranstaltete er Anfang Septembereinen Benefizabend für den Verein „Stille Helfer mit Herz“. Auch eine Aktion mit der Lebenshilfe hatte er geplant. Doch dazu ist es nicht mehr gekommen.