Falkensteins Bürgermeisterin Heike Fries: „Es geht aufwärts“
Ein Gesundheitszentrum mit mehreren Ärzten, Apotheke und Physiotherapie-Praxis entsteht genauso wie ein neuer, großer Edeka-Markt, auch im ehemaligen Schröttinger-Bräu soll bald wieder Leben einkehren, zwei neue Baugebiete sind erschlossen – es tut sich einiges in der Marktgemeinde Falkenstein. Viel Arbeit für die Bürgermeisterin, aber: „Vor allem neue Projekte zu planen und gemeinsam zu entwickeln macht richtig Spaß – diese mit Erfolg abzuschließen noch viel mehr“, betont Heike Fries.
Sie wurden vor 2017 zur Bürgermeisterin gewählt, haben die Wahlen aber wieder mit dem Gemeinderat zusammengelegt und wurden 2020 mit einer freien Liste im Amt bestätigt. Wie läuft es momentan?
Heike Fries:Mittlerweile läuft es sehr gut, wir haben viele Projekte am Laufen oder bereits abgeschlossen, die Falkenstein voranbringen sollen und werden. Die ersten beiden Jahre waren nicht einfach für mich, ich musste mich anfangs ziemlich durchkämpfen, vieles dazu lernen. Wir haben viel Potenzial, wir sind eine wunderschöne Marktgemeinde mit Burg, Freibad und Felsenpark, was es noch besser zu nutzen gilt. Hier sind wir mittlerweile schon gut dabei, denn Ideen haben wir genug. Auch die Corona-Krise machte das Arbeiten alles andere als leicht, allerdings hat man da auch einen sehr großen Zusammenhalt in der Gemeinde gespürt.
Wie ist Ihr Arbeitsablauf?
Fries: Jeder Tag ist anders, richtig planen kann man nie, weil neben den festen Terminen, immer noch viele ungeplante Aufgaben dazu kommen. Auch wenn man als Bürgermeisterin oft ein dickes Fell braucht und manche Entscheidungen von den Bürgern oft nicht akzeptiert werden, überwiegt das Positive. Mein Dank gilt den beiden stellvertretenden Bürgermeistern und dem Marktrat für den großartigen Zusammenhalt und den gleichen Zielen vor Augen.
Hochachtung vor Ehrenamt
Haben die Vereine im Ort die Pandemie gut überstanden?
Fries:Zum Teil. Viele Bürger engagieren sich mit Herzblut für das Ehrenamt, für ihren Verein. Das sollte von staatlicher Seite noch viel stärker honoriert werden, denn leider ist bei einigen Vereinen schon ein Mitgliederschwund feststellbar. Vor allem einen Vorsitzenden zu finden, ist mittlerweile nicht mehr so einfach. Ich habe Hochachtung vor allen, die ehrenamtlich tätig sind, viele Stunden ihrer Freizeit für die Allgemeinheit opfern und unterstütze so gut es geht. Vor allem unsere sechs Ortsfeuerwehren suchen dringend weitere aktive Mitglieder.
Eines der großen Projekte derzeit in Falkenstein ist das Gesundheitszentrum, das auf dem Bavaria-Gelände entsteht.
Fries:Ein tolles Projekt, sozusagen ein Sechser im Lotto für die Marktgemeinde, dank den Investoren Röger/Traurig und Müller. Im Erdgeschoss wird die Gemeinschaftspraxis Dres. Rainer Traurig, Simon Heitzer und Veronika Naimer einziehen. Eine Apotheke sowie ein Caféhaus finden Platz, im ersten Obergeschoss eine Physiopraxis und die Zahnarztpraxis von Dr. Daniel Reisinger. Im zweiten Obergeschoss betreutes Wohnen und Wohnungen. Die medizinische Versorgung für die nächsten Jahrzehnte ist gesichert.
Auch bei einem weiteren Großprojekt, dem ehemaligen Schröttinger-Bräu in der Ortsmitte, geht es voran?
Fries:Der Schröttinger-Bräu ist das Herzstück des Ortes, es soll dort bald wieder Leben einkehren. Noch in diesem Jahr wird der Verkauf an die Projektgesellschaft Schröttinger Bräu Falkenstein GmbH & Co. KG über die Bühne gehen. Der Verkaufspreis ist beim Notariat hinterlegt, es gibt noch eine Textpassage im Kaufvertrag, die wir bezüglich der Städtebauförderung mit der Regierung zu klären haben. Natürlich muss man beim einem derart großen Projekt (der Schröttinger-Bräu steht komplett unter Denkmalschutz) alle Punkte gemeinsam mit allen beteiligten Behörden abstimmen und bis ins kleinste Detail planen. Neben einem Wirtshaus mit Biergarten werden Wohnungen und Gewerbeflächen entstehen. Einer meiner größten Wünsche ist, dass wir 2026 zur 950-Jahr-Feier (950 Jahre Marktgemeinde Falkenstein) den neu sanierten Schröttinger-Bräu einweihen können.
Gebaut wird auch an anderen Stellen im Ort.
Fries:Ja, der neue, große Edeka-Markt wird noch in diesem Jahr fertig, das ist sehr wichtig für die Nahversorgung im Ort. Uns war wichtig, dass er so nahe wie möglich am Ortskern bleibt. Außerdem entsteht im Hauptort ein neues Baugebiet mit 22 Parzellen, quasi als Lückenschluss. In Arrach haben wir noch einmal 24 Parzellen ausgewiesen. Die Nachfrage nach Bauland, Wohnungen und Häusern ist hoch. Was wir auch dringend benötigen, ist ein weiteres Gewerbegebiet, aber die Kommune hat keine geeigneten Flächen zur Verfügung und derzeit will kein Grundbesitzer verkaufen. Große Aufgaben stehen bevor: Wir arbeiten gerade an einem Strom- und Fernwärmenetz für den Ortskern und haben eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben, genauso für ein neues Straßenbeleuchtungs-Konzept. Auch werden Bauleitplanungen für Freiflächen-Photovoltaikanlagen eingeleitet.
„Noch besser nutzen“
Auch touristisch soll das Potenzial des Ortes noch mehr genutzt werden.
Fries: Das stimmt, nicht nur für die Urlaubsgäste sondern auch für die Bürger der Marktgemeinde sind wir uns unserer Verantwortung voll bewusst, unsere Sehenswürdigkeiten so gut es geht zu erhalten und zu nutzen. Freibad, Burg, Skilift, Felsenpark, Wander- und Radwege, viele Veranstaltungen und mehr – dies sind alles freiwillige Leistungen, die jede Menge Geld kosten und große Defizite aufweisen. Leider gibt es hierzu nicht viel Unterstützung von staatlicher Seite. Trotz allem wirtschaftlich, sinnvoll und zukunftsorientiert zu planen und zu investieren, und vor allem attraktiv und interessant bleiben ist die Devise. So wollen wir etwa die Burg, für die wir nun glücklicherweise einen neuen Burgwirt haben, noch mehr nutzen und viele weitere zusätzliche Veranstaltungen dort stattfinden lassen. Auch einen Mittelalter- und Christkindlmarkt soll es 2023 Jahr geben. Ins Freibad müssen wir jährlich einiges investieren, vor allem die Technik verschlingt einige Kosten. Aber auch beim Freibad gilt es, ein Anziehungspunkt für Jung und Alt zu bleiben und mit kleinen Schmankerln zu trumpfen wie Nachtschwimmen, flexiblen Öffnungszeiten und Kinderbereich. Ein Kinderbewegungsparcours wurde eingeweiht, der Parkweg wird saniert und in dem Zuge wird ein wunderschöner Platz beim Park-Eingang für Familien entstehen. Viele weitere Projekte sind gerade in Arbeit.
Wie sieht es bei der Kinderbetreuung aus?
Fries:Der Kindergarten platzt aus allen Nähten, wir haben deshalb bereits zwei Gruppen in der Grund- und Mittelschule untergebracht und einen neuen Garten angelegt. Wir suchen gerade nach Lösungen für eine weitere Krippen- und zwei weitere Kindergartengruppen. Auch über einen Waldkindergarten denken wir nach. Mir ist es wichtig, eine vernünftige Lösung für die Zukunft zu finden.
Bei der Breitbandversorgung war Falkenstein unter den ersten Gemeinden im Landkreis.
Fries: Ja, in Rettenbach und Falkenstein wurde mit dem Ausbau durch die Digitale Infrastruktur, dem Eigenbetrieb des Landkreises Cham, begonnen. Die „ weißen Flecken“ sind mittlerweile erschlossen. Jetzt ist es wichtig, dass es schnell weiter geht und die ganze Gemeinde zügig komplett mit Glasfaser erschlossen wird.
Zur Person
Familiäres:Heike Fries ist 46 Jahre alt, verheiratet und Mutter von drei Kindern.
Beruflicher Werdegang:Fries ist in Falkenstein aufgewachsen und hat dort auch als Kauffrau im Einzelhandel im elterlichen Betrieb gearbeitet.
Hobbys:Wenn Zeit bleibt, treibt die Bürgermeisterin Sport und geht gerne auf Konzerte.