Schock für Angehörige: Regensburger Altenheim schließt

Von Christian Eckl · 31. August 2022 um 09:55

Der Betreiber eines zentral gelegenen Altenheims hat den schockierten Angehörigen am Dienstagabend mitgeteilt, dass das Heim in acht Wochen schließt. Alternativen in Regensburg gibt es nicht.

Schock im fünften Stock des Altersheims von Kursana: Für die Angehörigen von über 50 Bewohnern des Betreuten Wohnens im Kursana-Wohnheim kam die Nachricht völlig überraschend. Ein Vertreter des Konzerns Kursana teilte den völlig verdutzten Angehörigen mit, dass das Heim im Castra-Regina-Center geschlossen wird. Angereist war der Kursana-Geschäftsführer aus Berlin, Götz Leschonsky.

Heimbetreiber liefert keine Alternativen

„Eine Alternative in Regensburg gibt es angeblich nicht“, erzählt eine Angehörige, deren hochbetagte Mutter im betreuten Wohnen lebt. „Sie wollte ihren Lebensabend in Regensburg verbringen, für mich als Regensburgerin ist das natürlich auch praktisch, weil ich sie dort sehr oft besuchen kann.“

Den Angehörigen wurde eine Frist von acht Wochen mitgeteilt. Als Gründe für die Aufgabe des Standortes wurde von der Berliner Kursana-Leitung mitgeteilt, dass das Gebäude umgebaut werden müsste. In der Tat ist das 1989 eröffnete Altenheim nicht mehr auf der Höhe der Zeit: Die Rezeption beispielsweise befindet sich im ersten Stock des Gebäudes. Es sei nicht gelungen, sich mit dem neuen Besitzer des Gebäudes in der Nähe des Regensburger Hauptbahnhofs zu einigen. Deshalb gebe man den Standort komplett auf, teilte man den schockierten Angehörigen mit. Laut Angehörigen wurden den Bewohnern des Betreuten Wohnens Alternativ-Wohnungen in Strasskirchen im Landkreis Straubing-Bogen, in Regenstauf, in Bad Gögging und in Münchsmünster angeboten.

„Senioren einfach vor die Tür gesetzt“

Auch ein zweiter Angehöriger ist schockiert: „Angesichts dessen, dass viele ältere Menschen mehr oder weniger vor die Tür gesetzt werden und ihr Zuhause verlieren, ist allein diese Tatsache erschreckend und unmenschlich“, sagte sie zur MZ im Hinblick auf die kurze Frist von zwei Monaten. „Ich und auch andere Betroffene sind der Meinung, dass Bewohner und Angehörige schon längst informiert werden hätten müssen, dass das Heim unter Umständen schließen muss. Das hätte natürlich zur Folge gehabt, dass einige Bewohner beziehungsweise Angehörige schon vorsorglich einen neuen Platz gesucht hätten“, so der Angehörige weiter.

„Dies ist meiner Ansicht nach aus rein egoistischen Motiven unterlassen worden, man hat hier mutwillig mit alten Menschen gepokert.“ Auch die Bewohner seien „schockiert, verängstigt und tieftraurig. Auf so kurze Zeit wird es viele unbefriedigende Notlösungen geben“. Gerade einer Heimleitung sollte doch das Wohl der alten Menschen am Herzen liegen, „aber scheinbar geht es auch hier nur ums Geld. Verantwortungsvolles Handeln sieht anders aus“, so der Angehörige. Auch die Mitarbeiter hätten zum Großteil erst gestern erfahren, dass sie sich umorientieren müssen. „Auch das ist in meinen Augen kein wertschätzender Umgang“, heißt es weiter.

Mehr als 100 Regensburger Senioren betroffen

In den Heim leben derzeit 54 Senioren im Betreuten Wohnen und etwa 50 Senioren im Pflegeheim. Die Schließung des Heimes erinnert an die Seniorenresidenz Thurn und Taxis im Schloss. Der einstige Träger des Heimes ist insolvent gegangen. Damals fanden sich aber Alternativplätze in Regensburger Altenheimen. Dies scheint bei der Schließung des Kursana-Heimes am Hauptbahnhof nicht der Fall zu sein.

Bei Kursana im Castra–Regina–Center teilte man der MZ auf Anfrage mit, dass man nicht berechtigt sei, Auskünfte über die Schließung zu geben. Kursana gehört zum Dussmann-Konzern in Berlin, der auch das Kulturkaufhaus in Berlin betreibt.

Wenn ein Heimbewohner stirbt, wird ein Platz frei

Wolfgang Lindner ist Spitalmeister und hat selbst bereits in der Pflege gearbeitet. Er schildert, dass es in Regensburg große Probleme im Bereich der Pflege gibt. „Wir haben täglich zwischen fünf und zehn telefonische Anfragen von Regensburgern, die einen Heimplatz für ihre Angehörigen suchen.“ Derzeit betreibt das Spital 78 Pflegeplätze, doch alles hängt vom Personal ab: „Wenn wir nicht genügend Personal haben, dann müssen wir Betten sperren – das droht natürlich auch in anderen Pflegeheimen“, sagt Lindner. Wartelisten gebe es im Spital nicht. „Wir schreiben zwar die Daten der Angehörigen auf, aber es ist schlicht so, dass wenn jemand in der Nacht verstirbt, der Platz dann auch an diejenigen vergeben wird, der aktuell anfragt.“

Von einem Pflegenotstand will er in Regensburg noch nicht sprechen, aber Lindner sagt auch, dass das Spital in einer glücklichen Situation ist: „Wir können jeden Cent wieder investieren, müssen keine Gewinne erwirtschaften.“ In den kommenden Monaten erwartet Lindner durchaus, dass einzelne private Pflegeheime zusehends unter Druck geraten könnten. Im Hintergrund laufen derzeit die Verhandlungen mit den Pflegekassen. „Da gibt es kein Einlenken von der Politik“, sagt Lindner. „Die Pflegekassen wollen die höheren Einkaufspreise für Energie und Lebensmittel nicht tragen.“ Das würde die Situation weiter verschärfen.

Kursana äußert sich zu Schließung

Am Mittwoch bestätigte Kursana die Schließung des heimes in Regensburg. Demnach werde der Betrieb der Residenz Regensburg „schweren Herzens“, so eine Sprecherin, Ende Oktober 2022 eingestellt. „Der Pachtvertrag mit dem neuen Eigentümer und Vermieter der Immobilie ist ausgelaufen“, heißt es weiter. Da der stationäre Wohn- und Pflegebereich der Senioreneinrichtung nicht mehr den baulichen Mindestanforderungen der Verordnung zur Ausführung des Wohnqualitätsgesetzes entspreche, wären für einen Weiterbetrieb umfangreiche Umbaumaßnahmen erforderlich gewesen, über die sich Betreiber und Verpächter nach langen Verhandlungen nicht einigen konnten. „Der Verpächter möchte die Einrichtung zukünftig einer anderen Nutzung zuführen“, teilte Kursana mit.

„Kursana wie auch ich persönlich bedauern diese Situation sehr, die für die Senioren und ihre Angehörigen nicht einfach ist. Für die Bewohnerinnen und Bewohner haben wir indes bereits eine gute Lösung gefunden und sorgen für neue, angemessene Unterkünfte“, sagte Heimleiter Dieter Schalamon.

Kursana gab, anders als Angehörige gegenüber der MZ äußerten an, dass es auch nähere Alternativen gebe. Die Senioreneinrichtung des Bayrischen Roten Kreuzes (BRK) eröffne im zwölf Kilometer entfernen Köfering, die am 1. Oktober öffnet. Auch die Kursana-Einrichtung in Lappersdorf, fünf Kilometer entfernt, werde Bewohner aufnehmen. „Als Kooperationspartner für das betreute Wohnen haben wir Erl-Bau gewonnen“, sagt Direktor Schalamon. „Die Senioren zu unterstützen und Angebote zu vermitteln ist für Kursana jetzt wichtigstes Anliegen und oberstes Ziel. Dafür werden weitere Träger angesprochen, Unterstützung beim Umzug geleistet und telefonische psychologische Betreuung angeboten“, so Schalamon weiter. Auch den Mitarbeitenden der Residenz vermittelt Kursana Jobs im eigenen Unternehmen, beim BRK und anderen Trägern.

Die für den Bereiche Senioren zuständige Bürgermeisterin Astrid Freudenstein (CSU) kritisierte die Schließung scharf: „Da ging es ums Geld und nicht um die alten Menschen“, so die Bürgermeisterin. Glücklich sei sie aber, dass es im Landkreis eine Alternative in Köfering gibt. Dabei hatte sie sich aber erhofft, dass der Neubau in Köfering die Situation in Regensburg entspannen würde. Nun wird Köfering wohl mit Bewohnern aus dem Kursana-Heim belegt.