Rauschgift war zwischen Split versteckt
Stundenlang lag das LKA bei Observationen auf der Lauer, hatte dieHalle in Laberweinting seit längerem im Fokus – als Umschlagplatz einer internationalen Drogenbande. Doch was genau dort am 10. Mai vergangenen Jahres in den goldfarbenen BMW X3 ein- und später in Abensberg ausgeladen wurde, konnte das Landgericht in Regensburg am zweiten Tag im Prozess gegen zwei mutmaßliche Captagon-Dealer nicht aufklären. Wie das Rauschgift im Millionenwert nach Saudi-Arabien verschifft werden sollte, wird dafür immer klarer.
In drei der rund 20 Paletten, die in der von einem 36-Jährigen angemieteten Halle standen, wurden die Ermittler beim Zugriff an jenem Montagabend fündig:251 Kilo Amphetamin im Stil der Terror-Droge Captagon waren laut Anklage in die milchigen Säcke umverpackt worden. Darin war ursprünglich weißer Marmorsplit, den der Mann aus Langquaid als Tarnware auserkoren hatte – um beim Zoll so wenig Aufsehen wie möglich zu erwecken. Versteckt waren die Drogen dazwischen.
Chats akribisch ausgewertet
Aus WhatsApp-Chats mit Onkel Abu Khalid konnte laut Anklage nachvollzogen werden, dass die Tabletten im Wert von Millionen Euro per Schiff nach Jeddah in Saudi-Arabien gehen sollten. Der Strippenzieher ist Libanese und deutschen Behörden bekannt. Nach ihm wird offenbar weltweit gefahndet. Ob sich hinter dem Pseudonym, das die Aufträge verteilte, tatsächlich Ali Al Baradei versteckte, darüber schweigen sich die Behörden aus. Ausgeschlossen ist das jedenfalls nicht.
Das gibt dem Verfahren vor der achten Strafkammer des Landgerichts etwas Brisanz. Vorsitzender Richter Oliver Wagner, sein Berufskollege und die beiden Schöffen haben übereinen Fall von organisiertem Verbrechen zu befinden. Leicht gemacht wird ihnen das augenscheinlich nicht. Der 36-Jährige, der den ein Jahr jüngeren Mitangeklagten nach seiner Festnahme verriet, will reden. Seit dem Prozessauftakt stellt er auch selbst Fragen – worauf er hinauswill, scheint aber teils kaum nachvollziehbar.
Das brachte ihm am Montag erneut Mahnungen durch Wagner ein. Mehrere Zeugen, die der Angeklagte benannt hatte, sind offenbar nicht auffindbar oder Behörden gar gänzlich unbekannt. Was genau sie zudem beitragen sollten, sei ebenfalls völlig unklar. Der Vorsitzende riet deutlich, die Verteidigungsstrategie mit Anwalt Rainer Rockenstein nochmals zu besprechen. „Es wäre sinnvoll, wenn die Kammer weiß, wohin die Reise gehen soll“, erklärte Wagner.
Einlassungen erst im Juli?
Einlassungen zu den Vorwürfen hatte die Angeklagten bereits an Tag eins über ihre Anwälte angekündigt. Das dürfte allerdings noch einige Zeit dauern. Im Juni sind urlaubsbedingt mehrere Fortsetzungstermine geplant. Eine Erklärung des 35-jährigen Mitangeklagten könnte am 1. Juli anstehen, wie die Strafverteidiger Michael Haizmann und Philip Roth bestätigten. Sie wollen sich erst äußern, wenn der Mann aus Langquaid geredet hat.
Am Dienstag sollen im Prozess erneut Ermittler in dem Fall angehört werden. Zudem ist eine Angehörige des 36-Jährigen vorgeladen. Ob sie aussagt, ist aber derzeit noch offen. Sie ist nach syrische Recht mit ihm verheiratet.