Darum verspätet sich der „Alex“ in Cham

Von Johannes Hartl · 17. Mai 2022 um 04:30

Wer mit dem „Alex“ von Cham in Richtung Schwandorf fährt, muss Geduld mitbringen. Denn der Zug aus Prag kommt aktuell fast immer mit einer Verspätung an. Teilweise hat das zur Folge, dass der Zug sogar außerplanmäßig in Schwandorf endet.

Der Grund: Die Bundespolizei führt in den Zügen Kontrollen durch, um die Dokumente von ukrainischen Flüchtlingen zu überprüfen, die vor dem russischen Angriffskrieg fliehen. Laut Thomas Dvorak, Pressesprecher der Bundespolizeiinspektion Waldmünchen, sind Ukrainer grundsätzlich von der Visumspflicht befreit.

Bis zu 30 Minuten darf der Alex stehen bleiben

Das heißt: Wer einen gültigen elektronischen Pass hat, kann seine Reise ohne Weiteres fortsetzen. Alle anderen Ukrainer müssen hingegen aussteigen und „erkennungsdienstlich“ behandelt werden, bevor sie mit dem nächsten Zug weiterfahren können. „Deswegen hält der Zug, um diese Kontrollen durchzuführen, in Furth im Wald“, sagt Dvorak.

Wie lange die Kontrollen dauern, hängt auch von der Anzahl der Flüchtlinge ab, die im Zug sind. Laut einer Anordnung darf der Alex bis zu 30 Minuten aufgehalten werden. „Aber in der Regel haben wir das noch kaum ausgeschöpft“, sagt Dvorak. Aktuell würden die Kontrollen – im Schnitt – etwa 15 bis 18 Minuten dauern.

Doch sobald der Zug mehr als zehn Minuten zu spät ist, kann das zur Folge haben, dass die Fahrt in Schwandorf endet. Denn um Verspätungen auf der Strecke nach München zu vermeiden, könne man nicht länger als zehn Minuten warten, teilt die Länderbahn als Betreiber des „Alex“ mit. In dem Fall müssten die Fahrgäste in Schwandorf in einen anderen Zug umsteigen, der bereitgestellt werde und sie weiter nach München bringe.

Bundespolizei: Kontrollen direkt vor Ort machen Sinn

Bleibt die Frage: Gibt es keine Möglichkeit, um die Verspätungen zu vermeiden? Das ist wohl schwierig, wie die Antworten von Länderbahn und Bundespolizei zeigen. „Verspätungen können nur dann vermieden werden, wenn die Kontrollen während der Fahrt durchgeführt werden“, sagt ein Sprecher der Länderbahn. „Dies ist organisatorisch nicht umsetzbar.“

Das bestätigt auch Bundespolizei-Sprecher Thomas Dvorak. „Es ist ja eine polizeiliche Maßnahme“, sagt er. „Das können wir in der Größenordnung nicht im Zug durchführen.“ Schließlich müssten von den Flüchtlingen ohne elektronischen Pass unter anderem Fotos gemacht und Fingerabdrücke genommen werden – dazu müssten sie aus dem Zug steigen.

Tatsächlich hat die Bundespolizei vor Ort in Furth im Wald auch die nötige Logistik für diese Kontrollen. Zudem mache es Sinn, so Dvorak, die Kontrollen direkt vor Ort in Furth im Wald durchzuführen – am ersten Bahnhof, nachdem der Zug die tschechische Grenze überquert hat.