Ein neuer Hausarzt in Bad Kötzting

Von Stefan Weber · 30. März 2022 um 16:45

Aufwendige Programme werden seit Jahren gefahren, um jungen Ärzten den Beruf des Mediziners auf dem Land schmackhaft zu machen. Wo Praxen frei werden, dauert die Suche für einen Nachfolger oft lange – nicht so im jüngsten Fall in der Stadt Bad Kötzting.

Es ist die Praxis von Dr. Guido Weixel, der sich nach über 30 Jahren nun zurückzieht. Ab dem 1. April übernimmt Dr. Philipp Kohlbeck nicht nur die Räume, sondern auch das Team und die Patienten. Ein eher ungewöhnlicher Schritt in Zeiten, in denen jede Kommune händeringend nach Hausärzten für frei werdende Sitze sucht. Doch für Kohlbeck ist dieser Schritt nur folgerichtig, wie er erzählt.

Als Sohn der Rechtsanwälte Michaela und Siegfried Kohlbeck ist er in der Stadt aufgewachsen – das alleine hätte ihn aber nach dem Medizin-Studium in Wien, wo er auch seinen Doktor gemacht hat, und später dann in Regensburg noch nicht dazu gebracht, als Arzt wieder zurückzukommen. Der Grund hat einen Namen, und das ist der seiner Frau Julia.

Die gebürtige Erlangerin ist ebenfalls Ärztin, im Moment noch in Weiterbildung zur Fachärztin für Allgemeinmedizin, und die Mutter seiner beiden Kinder. Das war vor fünf Jahren zwar noch nicht absehbar, als sich beide an ihrer Arbeitsstelle am Krankenhaus in Viechtach kennengelernt haben. „Aber für Julia stand von Anfang an fest, dass sie niedergelassene Hausärztin werden will“, erinnert sich Philipp Kohlbeck.

Unterschied von Stadt und Land

Nach einer weiteren Stelle in der Chirurgie am Krankenhaus in Cham und einigen Stunden als Notarzt, in denen Kohlbeck in den vergangenen Jahren quer durch den gesamten Altlandkreis gefahren ist, stand schließlich noch eine Station bei Dr. Wolfgang Vogl in der Hausarztpraxis in Arrach an, und der Entschluss war damit endgültig gefallen.

Mit 32 Jahren zählt Kohlbeck heute zu den jüngsten Fachärzten für Allgemeinmedizin. Worauf er sich da einlässt, das kann er – wie auch seine Kollegen, die sich gegen diese Arbeit entscheiden – recht genau mit Zahlen unterlegen. Würde er dieselbe Stelle etwa in einer Stadt antreten, dann wären das „knapp 600 Scheine, von denen 30 Prozent privat abgerechnet würden“, sagt er. In ländlichen Region seien es mitunter doppelt so viele Patienten mit einem wesentlich höheren Kassen-Anteil. Im Krankenhaus wiederum wären es weniger Patienten, die von einem Arzt behandelt werden müssten, dafür seien die Fälle meist komplexer.

Es sei aber genau diese Herausforderung, die ihn und seine Frau, die in etwa zwei Jahren in die Praxis einsteigen will, dazu bewogen hat, nun einen frei werdenden Sitz in der Stadt zu übernehmen: „Der Reiz am Hausarzt ist, dass du verpflichtet bist, den großen Überblick zu haben.“ Hinzu kämen neben der Verwurzelung in der Stadt natürlich auch noch so Faktoren wie die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Auch habe er mit den Kollegen vor Ort bereits guten Kontakt aufgenommen und immer auch Unterstützung angeboten bekommen. Wenn sich am Freitag die Türen der Praxis Kohlbeck öffnen, dann freue er sich schon auf die vielfältige und breitgefächerte Aufgabe, die damit beginne.

Statement für den Hausarzt

Mit seiner eigenen Überzeugung, als Facharzt für Allgemeinmedizin die beste Entscheidung für sich und seine Familie getroffen zu haben, zeigt sich Philipp Kohlbeck auch überzeugt, dass der Beruf des Hausarztes langfristig wieder viel von seiner früheren Attraktivität zurückgewinnen und der Mangel an Allgemeinmedizinern rückläufig sein wird. „Die damit verbundene Attraktivität der Hausärzte geht mehr und mehr in die Köpfe der Kollegen hinein“, sagt er wenige Tage vor der Eröffnung der eigenen Praxis.

In der freut er sich nicht nur auf die Aufgabe, sondern auch auf all die Patienten, die er damit übernimmt. Von einer Aufgabe trennt er sich übrigens dann allerdings doch: Notarztfahren, das werde er vorerst einmal bleiben lassen, um sich ganz auf den Job als Hausarzt auf dem Land einlassen zu können.