Dömges AG geht am Hafen vor Anker
Der Hafen bekommt ein Stück zeitgenössischer Architektur: Die Dömges Architekten AG baut sich hier eine neue Adresse. An der Budapester Straße entsteht bis 2023 für rund sieben Millionen Euro ein Haus, das nicht nur dem wachsenden Team des Traditionsbüros Raum gibt, sondern auch offen ist für externe Unternehmen. Spatenstich ist am 25. März.
Architektur, das war immer die Überzeugung von Siegfried Dömges (1939 bis 2008), ist viel mehr als eine Privatsache; sie verdient die höchste Anstrengung, denn ihr kommt niemand aus. Dömges schärfte Regensburgs Bewusstsein für Baukunst und oft war er einer, der voranging: Er gründete Bayerns erste Architekten-AG. Er machte sich im Vorstand von Bayerns Architektenkammer für gutes Bauen stark. Er initiierte den Architekturkreis und war Motor für die Gründung des Gestaltungsbeirats, den später Dutzende Städte zum Vorbild nahmen. Der Vordenker, der ab den 1970ern mit seinen Gebäuden die Oberpfalz geprägt hat, richtete 1991 in der Boelckestraße sein Büro ein. Gut 30 Jahre später ist es Zeit für einen Wechsel.
Grüne Ecken und Industrie-Geschichte
„Wir wachsen“, begründet Thomas Eckert. Vorstandsvorsitzender der Dömges AG, das Projekt. „Wir beschäftigen so viele Mitarbeiter, dass wir sogar externe Räume gemietet haben.“ 90 Menschen arbeiten für die Dömges AG, auf 50 war die Boelckestraße anfangs ausgelegt. Zuletzt nahm das Büro pro Jahr im Schnitt fünf neue Mitarbeiter an Bord. Und der Bedarf wächst weiter, sagt Eckert, denn die Anforderungen ans Planen und Bauen werden komplexer.
Eckert und Zweiter Vorstand Eric Frisch denken groß. Im Westtrakt sollen bis zu 120 Dömges-Mitarbeiter Platz finden, im Osttrakt weitere 120 Beschäftigte externer Unternehmen, von Planungs- oder Ingenieurbüros, die hier mieten. Das Viertel besitzt Reiz. Es hat seine grünen Seiten und spiegelt andererseits, mit Stadtlagerhaus und Kränen, Industriegeschichte. Eckert sagt: „Wo gibt′s schon noch Flächen, die so spannend sind?“ Der Schlachthof-Biergarten und Restaurants liegen um die Ecke, die Donau fließt fast vor der Tür, im Norden flankieren Blechsilos für Getreide den Neubau, im Süden ragt eine Gruppe geschützter alter Bäume in den Himmel. Frisch: „Wer im zweiten oder dritten Stock arbeitet, wird sich fühlen, als ob er in den Baumkronen sitzt.“
Das Areal stellt allerdings auch Anforderungen: Wegen der Gaslager in der Nähe muss der Neubau vor Explosion geschützt sein. Und weil am Bayernhafen laut gearbeitet wird, brauchen die Büros Schallschutz. Mitarbeitern will das Büro E-Bikes und E-Roller anbieten, mittelfristig peilt es einen E-Fuhrpark an.
Siegfried Dömges war einZweifler aus Prinzip,immer auf der Suche nach der noch besseren, der besten Lösung. In derRegensburger Architektenschaftwar er lange einhochgeschätzter Rivale– die Messlatte. Ein Freund von „signature buildings“, von Gebäuden, die ein Ausrufezeichen setzen, um Planer und Bauherrn zu rühmen, war er nicht. Präsent, klar und funktional: So wird auch die künftige Dömges-Adresse aussehen. „Was wir nicht wollten, war die große Geste oder gar eine Gebäudeskulptur“, verdeutlichen Frisch und Eckert. „Was wir suchten: die Ästhetik des Einfachen, ein sachliches, gut proportioniertes und langlebiges Gebäude.“
Das viergeschossige Rechteck aus Holz, das nur im Keller Beton verwendet, setzt den ökologischen Gedanken maximal um, mit Photovoltaik auf dem Dach, mit dem Verzicht auf fossile Brennstoffe wie Gas und Pellets und mit Brunnen, die Heizen und Kühlen komplett CO2-frei erlauben. Seinen Charme bezieht das Haus vor allem aus dem Baustoff Holz und aus raffinierten Details. Zarte Leisten, feiner Schattenwurf und ein schmaler Dachüberstand geben dem Gebäude einen gewissen Twist, „einen Kick 1950er Jahre“, nennt es Eckert.
Im Dezember 2020 reichten Frisch und Eckert den Bauantrag ein, im Oktober 2021 lag die Genehmigung vor. Am 25. März ist nun Spatenstich. „Spätestens im Sommer 2023“, sagen die Bauherren, „sitzen wir und das Team in unseren Büros.“