Der „Dampfnudel-Uli“ ist Geschichte

Von Heike Sigel · 17. März 2022 um 04:30

Im Gewölbe am Watmarkt 4 liegt Schutt. Nur noch die alten Türläden erinnern an das Traditionslokal. Immer wieder bleiben Passanten vor dem ehemaligen Dampfnudel-Uli stehen. „Das geht schon seit gut einer Woche so“, erzählt Bekim Maliqi von der gleichnamigen Abbruchfirma. „Hunderte Menschen fragen, was jetzt aus dem Lokal wird.“

Laut der Eigentümer des historischen Hauses, die namentlich nicht genannt werden möchten, sei das Mietverhältnis mit Uli Deutzer zum 28. Februar dieses Jahres „im besten gegenseitigen Einvernehmen“ beendet worden. „Wir hatten 46 Jahre lang ein sehr gutes Mietverhältnis“, so die Hauseigentümer.

Gebäude des „Dampfnudel-Uli“ wird saniert

Der 1260 erbaute sogenannte Baumburger Turm ist schon seit weit über 100 Jahren in Familienbesitz. „Seit 1970 war in dem Gewölberaum ein Lokal drin. Jetzt muss nach 52 Jahren erst einmal gründlich saniert werden“, sagt die Eigentümerfamilie. Danach werde man einen neuen Mieter suchen. Wahrscheinlich wird wieder ein Lokal in den Turm einziehen. Genaue Pläne gebe es noch nicht.

Fakt ist: Der „Dampfnudel-Uli“ ist eine Regensburger Institution und mit dem Gebäude auf immer verbunden. Geboren wurde Uli Deutzer im August 1942 in Karlsbad. Das Lokal im Baumburger Turm war sein Lebenswerk. Er hat es am 5. Mai 1975 vom Vorpächter übernommen. Da hieß es noch „Von 8 bis 8 – Toast und Grill“.

Ursprünglich wollte Deutzer in seinem Gasthaus verschiedenste bayerische Schmankerl auf den Tisch bringen. „Doch ziemlich bald hat die Dampfnudel immer mehr die Oberhand gewonnen und ich habe sie jeden Tag angeboten“, erzählte das Regensburger Original noch im Juli am Telefon. Uli Deutzer hat im vergangenen Sommer einen Schwächeanfall erlitten. Damals erreichten wir ihn im Krankenhaus.

Großes Bedauern in Regensburg

Der mit der Sanierung beauftragte Architekt Andreas Schubert sagt, dass Deutzer schon vor ein paar Wochen alles aus seinem Lokal entfernt hat, was ihm gehört. „Die Bierkrüge, die Bilder, die lustigen Sprüche in den Bilderrahmen.“

Schubert bedauert das Ende des Traditionslokals genauso wie die Eigentümer. Die erinnern sich noch an Uli Deutzers Aussage anlässlich der 35-Jahr-Feier des „Dampfnudel-Uli“ im Mai 2010: „Nach mir wächst in Regensburg Gras über die Dampfnudel. Die Gäste müssen auf mich aufschauen.“ Das Lokal habe er nie weiterverpachten wollen.

Das Ende des „Dampfnudel-Uli“ bewegt nicht nur seine vielen Stammgäste. Das erzählen auch die Bauarbeiter, die am Watmarkt 4 gerade den Schutt wegräumen. Täglich würden zahlreiche Passanten ihr Bedauern über die Schließung ausdrücken und letzte Fotos schießen.

Auch Uli Deutzers langjähriger Nachbar Alwin Homeier ist traurig. Er betreibt am Watmarkt 3 seinen Antiquitätenladen „Coloneum“ und sagt: „Das Aus des Lokals ist für die ganze Stadt ein Verlust.“ Homeier hofft, dass bald wieder Gastronomie in das Gewölbe einzieht. „Denn das lockt Leute in dieses Eck.“

An Uli Deutzer schätzt Homeier seine unterhaltsame und umgängliche Art. „Und natürlich haben seine Dampfnudeln sehr gut geschmeckt.“