Waldmünchens neuer Trenck: Eine Geschichte zwischen Vorahnung und Heimatliebe

Waldmünchen. In ein paar Jahren wird (wieder) zu lesen sein: Christian Liegls Karriere begann mit kleinen Neckereien. Dieser Bart, diese Haare...„Ich habe immer wieder gehört, dass ich den Trenck spielen muss.“ Was er jahrelang nicht ernst genommen hat. Dann flatterte ihm eine Anfrage zum Sprecherworkshop ins Haus, an die sich gleich die nächste Anekdote reiht.
„Eigentlich bin ich nur Martin Kowalski zuliebe hingegangen, ich wollte ihm nicht absagen“, erzählt Liegl und grinst. Der Regieassistent und seine „Chefin“ Yvonne Brosch erkannten das Potenzial sofort und baten ihn tags darauf zur Einzelprobe – das war schon mehr als das Trapsen der Nachtigall. Und auch Liegl leckte Blut. Begeisterung schwingt mit, wenn er von Broschs Art zu arbeiten berichtet. Hinzu kamen Neugierde und Freude.
Dennoch hat er sich die Entscheidung nicht leicht gemacht. Fragen wie: Traue ich mir das zu? Bin ich bereit, eine derartige Verpflichtung einzugehen? Wo werde ich überhaupt beruflich landen? Und nicht zuletzt die Tatsache, nicht reiten zu können.
Vom Nicht-Reiter zum Reiter
Das hat sich inzwischen geändert, der 32-Jährige fühlt sich auf dem Pferd sicher, aber „mit einer Portion Respekt“. Mit Unterrichtsbeginn vor gut zwei Jahren in der Blumlohe „war es dann auf einmal real“. Eine erste Feuertaufe auf dem Trenckplatz hat Liegl indes schon bestanden, in der vergangenen Saison war er als Reiterpandur mit von der Partie.
Die große Rolle
Und nun die große Rolle. Der hat sich Christian Liegl auf eine Art genähert wie noch keiner vor ihm: historisch. Das sagt viel aus über den „Neuen“, der einfach wissen wollte, mit wem, mit welchem Charakter er es zu tun hat. „Facettenreich, aufbrausend, aber auch reflektierend“, beschreibt er. Der Wechsel zwischen einem wütenden und einem zärtlichen Trenck, der sei sicher eine Herausforderung. Nicht die einzige...
Die Vorgänger...
Soll man sich die „Vorgänger“ zum Vorbild nehmen oder nicht? „Die Regisseurin sagt Nein“, rezitiert Liegl. Ganz entziehen kann und will er sich dem Spiel der „Alten“ nicht, jeder Darsteller lege schließlich Persönlichkeit, Charakter, Präsenz in die Verkörperung. Sein Motto: aufsaugen und das Beste adaptieren.
Ein schillernder Charakter
Und Trenck selbst? Für Liegl ein schillernder Charakter, aber kein Held: zerrissen, was sich im Stück besonders gut in den „herausfordernden Wechseln“ zwischen Wut und Zärtlichkeit zeige. Und das Stück? Ohne richtiges Happy End. Ob er ein solches verdient gehabt hätte? Zumindest fraglich, meint Liegl, der froh ist, in keiner Heldengeschichte mitzuwirken.
Modernes Festspiel
Gerade diese Ambivalenzen sind seiner Meinung nach der Grund, der uns „modern sein lässt, vielleicht moderner denn je“. Nicht umsonst seien die neuartigen (Fernseh)Serien allesamt so konzipiert: mit gebrochenen Helden. „Deswegen sind wir so relevant und ansprechend.“ Dennoch ist der neue Hauptdarsteller voller Anerkennung dafür, dass es die Verantwortlichen seit mehr als 70 Jahren schaffen, die Zuschauerränge voll zu bekommen, „im Grunde Wahnsinn“.
Für Christian Liegl scheint sich im Großen-Ganzen alles zu fügen: Diesen Montag tritt Christian Liegl seine neue Stelle als Lehrkraft am Pädagogisches Bildungszentrum in Furth im Wald an.
International angehaucht
Er freut sich, wird er sich dort nicht nur um die Kommunikation mit den Praxisstellen für die angehenden Erzieher kümmern, sondern auch um internationale Projekte. Das kommt ihm entgegen, ist ihm Fernweh doch in die Wiege gelegt. „Ich hab’ nicht umsonst in Stuttgart und Coburg studiert“, sagt der neue Trenck und lächelt verschmitzt.
Wohnung in Waldmünchen
Der hat seine Zelte in Regensburg – wo er zuletzt junge Menschen auf ihrem Weg ins Berufsleben begleitet hat – abgebrochen und im Herzen Waldmünchens eine Wohnung gefunden, (zufällig?) in Laufnähe zur Festspieltribüne. „Ich muss nur noch auspacken“, sagt der begeisterte und begabte Gitarrenspieler (gerne auch bei Festen). Joggen und Sport „klappt mal besser, mal schlechter“, die Mithilfe bei BDKJ-Zeltlagern ist hingegen „gesetzt“, wie auch Termine als Jugendschöffe.
Gastrolle beim Feuerwehrball
Eine kleine Gastrolle beim Prosdorfer Feuerwehrball hie, eine Moderation da, die große Bühnenerfahrung hat er indes nicht. Weil er es aber von Berufs wegen gewohnt ist, vor Menschen zu sprechen, hält sich seine Nervosität in Grenzen, wenngleich sie da ist. Auszublenden, dass „da über 600 Menschen auf der Tribüne sitzen, wird sicher nicht gehen.“
Repräsentative Aufgaben
Die Spiele sind das eine, die repräsentativen Aufgaben eines Trencks das andere. „Es mag komisch klingen, aber i gfrei mi drauf“, blitzt der Liegl’ sche Schalk wieder auf. Neue Menschen kennenlernen, noch dazu in netter Begleitung von Kathi und Co. – „Das hat doch was...“. Außerdem habe er „die schlimmste Zeit wohl schon hinter mir“, schließlich ist er monatelang jedes Wochenende nach Hause gefahren. Der Grund: Reittraining. Er ist froh, mit erfahrenen Kathis zu spielen und mit Werner Zellmer und Lawrence Gast Darsteller an seiner Seite zu wissen, die ihm zur Seite stehen, betont er voller Wertschätzung.
Szenenapplaus für den Trenck
Wie er überhaupt voll des Lobes für den gesamten Verein ist, das positive Feedback (inklusive Szenenapplaus am Probenwochenende). Jeder Einzelne habe ihn mit offenen Armen empfangen, dabei habe er zuvor bestenfalls zum Dunstkreis gehört – obwohl sein Bruder jahrelang den Toni verkörperte. Aus Respekt denen gegenüber, die „immer da sind“, spricht er von sich und seiner Vor-Trenck-Zeit als Gast-Pandur.
Und als Oberst? Weiß er nicht so recht, was ihn am meisten freut: Dass ihm die Trenckfamilie die Rolle zutraut oder , dass er noch mehr ein Teil dieser wird. Eines weiß er sicher: Er ist stolz, eine Tradition weitertragen zu dürfen.
ZUM VORMERKEN
Premiere: An der Seite von „Kathi“ Vera Schmid wird Christian Liegl am 15. Juli das erste Mal als Oberst von der Trenck auf der Bühne stehen.
Aufführungen: Saisonpremiere ist eine Woche zuvor, weitere Aufführungstermine sind der 22. und 27. Juli sowie der 3., 5. und 12. August. Der letzte Termin ist zudem das Abschiedsspiel von „Trenck“ Werner Zellmer.
Information und Karten: www.trenck-festspiele.de
