Aus Waffenbrunn zur Darts-WM nach London?
Seinen Namen haben die Großen schon längst auf dem Zettel: David Nachreiner, der „German Eagle“ aus Waffenbrunn, ist eines der größten Nachwuchstalente im Darts-Sport. Die derzeit stattfindende WM in London verfolgt Nachreiner noch von zu Hause aus – doch der 15-Jährige arbeitet bereits daran, einmal selbst im legendären „Ally Pally“ zu stehen.
Ein bisschen London-Stimmung herrscht schon in Nachreiners Darts-Zimmer. An der Wand flimmern die Bilder der WM 2022 aus dem „Alexandra Palace“ – kurz „Ally Pally“ – über einen Bildschirm. Die spannendsten Duelle des Vortags. Nachreiner bleibt unbeeindruckt, er hat die Matches schon gesehen – auch das Ausscheiden der deutschen Hoffnung Gabriel Clemens. „Das war mir von Anfang an klar, dass er verliert“, sagt Nachreiner. Der Gegner Jonny Clayton sei derzeit einfach zu stark.
Training für den „German Eagle“
Während auf dem Bildschirm also Clemens verliert, spickt Nachreiner mit maschineller Präzision drei Dartpfeile in eine Scheibe, die im Zimmer hängt. Mit konzentriertem Blick fokussiert der „German Eagle“ das Ziel. Ein Bruchteil einer Sekunde Flugzeit. Tock, tock, tock: Dann stecken die Metallspitzen schon in der Scheibe.
„Vor dem ersten Lockdown war ich wirklich gut drauf“, erzählt Nachreiner, während er seine Pfeile holt. Wegen eines gebrochenen Handgelenks und der fehlenden Turniere in der Pandemie habe er dann aber wenig trainiert. „Aktuell fehlt es ein bisschen“, sagt er. Deswegen steht der 15-Jährige nun wieder jeden Tag eineinhalb Stunden an der Scheibe und wirft.
Darts hat sich in den vergangenen Jahrzehnten vom Zeitvertreib bierseliger Kneipenraucher zum hochprofessionellen Trendsport gemausert. Millionen Zuschauer verfolgen die Würfe der Profis im Fernsehen, die obersten Champions können längst von Preisgeldern und Werbedeals leben. Geblieben ist die Bierseligkeit – allerdings nur unter den Fans: Die Turniere sind für die ausgelassene und schrille Feierstimmung ihrer Zuschauer bekannt.
David Nachreiner besiegt Phil Taylor
„Mir gefällt‘s, dass so viele Leute auf den Turnieren zuschauen und anfeuern“, sagt Nachreiner. Er ist die großen Auftritte inzwischen gewöhnt. Als mehrfacher Europameister in seiner Altersklasse steht er außerhalb der Pandemielage regelmäßig im Rampenlicht. Auch bei„5 gegen Jauch“ durfte er schon ran. Nicht zuletzt schlug das Nachwuchstalent 2019 die Legende Phil Taylor, mit 16 WM-Siegen immerhin erfolgreichster Darts-Spieler der Welt.
Tricks beherrscht der 15-Jährige jedenfalls schon jetzt wie die abgebrühten Altverdienten: „Es gibt zum Beispiel Möglichkeiten, den anderen aus seinem Flow zu bringen. Warten, die Pfeile langsam rausziehen. Beim Fußball regt mich das immer auf, aber beim Darts, wenn ich es selbst mache, geht‘s natürlich“, sagt Nachreiner und grinst.
Ab 2023 zur Darts-WM?
2022 wird der Waffenbrunner 16 Jahre alt. Ab dann könnte er sich theoretisch für die Weltmeisterschaft qualifizieren. „Irgendwann will ich dorthin, das ist schon ein Traum“, kündigt der Teenager an. Um noch besser zu werden, schaut sich Nachreiner die verschiedenen Wurfstile der Teilnehmer genau an. „Das probiere ich dann manchmal aus“, sagt er. Eigentlich hat Nachreiner seinen Stil aber schon gefunden. Mehr noch: Sogar eigens für ihn gefertigte Pfeile hat er, Sponsoring macht es möglich. Die Flugkörper haben sein Lieblingsgewicht von 21 Gramm. Auf den Flügeln, den „Flights“, prangt Nachreiners Logo. „Mich hat‘s schon arg gefreut, als ich meine eigenen ‚Flights‘ bekommen hab‚. Die schauen wirklich super aus“, sagt er.
Vor einem Jahr hatte es Nachreiner schon einmal indirekt zur WM geschafft: Die Moderatoren der TV-Übertragung riefen damals beim Auftritt des „German Giant“ Gabriel Clemens den Zuschauern einen weiteren „German“ in Erinnerung: den jungen Adler aus Waffenbrunn.
Ein wenig werden die Fans im „Ally Pally“ aber wohl noch auf den „Eagle“ warten müssen: „Ich mache erst einmal die Realschule fertig, dann FOS und mal sehen, wie sich das mit Darts entwickelt“, sagt Nachreiner.