Gangerl aus Roding feiert 80. Geburtstag
Eigentlich wäre in Roding an diesem Samstag eine große Party zu seinem 80. Geburtstag geplant gewesen, aber der Gangerl hat sich aus dem Staub gemacht. Aufgrund der Pandemie wäre das zu viel geworden, findet er, und verbringt den Tag mit seiner Lebensgefährtin Eva und seinem Sohn Seppi in Lübeck. Auch Weihnachten wird er noch in Deutschland sein, ab Januar geht der Weltenbummler dann wieder auf Reisen
Nach der Bootsmesse Mitte Januar in Düsseldorf werde Malaysia sein erstes Ziel sein, kündigtWolfgang Clemensan. Dort liege sein Schiff, das er erst einmal zwei/ drei Wochen werde reparieren müssen, bevor er wieder in See stechen könne. Nach Indonesien und Papua-Neuguinea solle es gehen wegen der traumhaften Tauchgebiete dort, die er unbedingt sehen wolle, sagt der Abenteurer.
Westafrika und Skandinavien
Für April stehe der Plan, mit einer Filmgesellschaft von Bali aus zu verschiedenen Orten zu starten, die er schon bereist habe, erzähltder Rodinger. Es solle ein neuer Streifen über ihn entstehen, unter anderem über seine Zeit in Papua-Neuguinea, wo er bei den Ureinwohnern gelebt habe. Im Kopf habe er zudem die Westseite Afrikas, die er noch nicht gesehen habe, sagt der 80-Jährige, und den Plan, ganz Skandinavien mit dem Wohnmobil abzufahren.
Corona habe ihn vergangenes Jahr im November bereits erwischt, erzähltder Gangerl. Zehn Tage lang sei er mit hohem Fieber im Krankenhaus gelegen. Wenn er jetzt irgendwann nochmals in Quarantäne müsse, sei ihm das egal. Das Meer sei sein Leben, dort wolle er die nächste Zeit verbringen und auch irgendwann dort sterben. Auf keinen Fall solle es einmal in Deutschland zu Ende gehen, wünscht sich Clemens. Er gehöre hinaus in die Welt.
Ein Leben in der Natur
Er hofft, dass er noch zehn Jahre lang reisen könne, sagtder Abenteurer. Für die Zeit danach könne er sich vorstellen, mit seiner Lebensgefährtin Eva bei deren Mutter im afrikanischen Busch an der Grenze zu Uganda zu leben. Er fühle sich wohl mitten in der Natur und das Leben dort sei einfach, beschreibt der 80-Jährige. Die alte Frau sorge komplett für sich selbst. Sie baue Kartoffeln an und habe drei Kühe und ein paar Ziegen. Die nächste Gelegenheit zum Einkaufen sei einen Fußmarsch von fünf Stunden entfernt.
In Deutschland sei alles gut geregelt, besser als sonst wo auf der Welt, findetClemens, und es sei auch nirgends so sauber, aber die Unzufriedenheit der Menschen sei es, die er vor Ort als so negativ empfinde. Man brauche nicht nur jammern und klagen, wenn man mal durch ein Tief gehe, meint der 80-Jährige. Nur durch seine Tiefpunkte und Fehler lerne man doch und könne es das nächste Mal besser machen.
Eine andere Schule
Ihm sei aber auch bewusst, dass nicht jeder in seinem Leben den Vorteil gehabt habe, 34 Jahre die Welt umsegeln zu können, sagt der Gangerl. Dadurch sei er durch eine ganz andere Schule gegangen und robust geworden. Mit der Wegwerfgesellschaft, der Überhäufung und dem Wohlstand in Deutschland könne er nichts mehr anfangen. Doch er wisse, dass auch er selbst zwei Seiten habe, erzählt der Weltenbummler. Er könne schon knüppelhart zu sich selbst und anderen sein, sei aber genauso ein Weichei, dem das Elend auf der Welt zu Herzen gehe. Er könne an keinem Bettler vorbeigehen ohne ihm etwas zu geben, auch in Deutschland nicht, erzähltClemens.
Seinen 80. Geburtstag feiere er an diesem Samstag im kleinen Kreis, sagt der Weltenbummler. Er wolle sich nicht noch einmal mit Corona anstecken und brauche auch kein großes Event. In der Öffentlichkeit stehen und Anerkennung bekommen, das sei ihm nicht mehr wichtig, meintder Rodinger. Es kämen nur drei Paare zu einem Essen bei Eva und ihm vorbei, die ihm wirklich wichtig seien: ein anderer Weltumsegler, der ihm in seinen 34 Jahren auf Reisen immer wieder begegnet sei und jetzt zwei Häuser weiter in Lübeck wohne, ein Bekannter seiner Lebensgefährtin und sein Sohn Seppi mit Freundin.
Das Paradies gibt’s nicht geschenkt
Auch er merke seine 80 Jahre, gesteht der Gangerl. In der letzten Zeit sei er immer mal wieder angeschlagen und im Krankenhaus gewesen. Kürzer treten wolle er aber trotzdem nicht. Der Tod gehöre dazu und wenn es vorbei sei, sei es so. Er wolle seine Pläne im Kopf auch umsetzen, denn wenn man seine Ziele verliere, habe das Leben keinen Wert mehr. Natürlich könnte er noch 100 Jahre mehr brauchen, sagtder Weltumsegler, aber er sei dankbar für die 34 Jahre, die er in der Welt gehabt habe. Er habe Bescheidenheit gelernt und sei hilfsbereiter geworden. Und er habe gelernt, dass man immer wieder was auf den Deckel bekomme im Leben. Das müsse man wegstecken und weitermachen. Das Paradies bekomme man nicht geschenkt. Bis dahin müsse man durch Tiefen gehen, die aushalten und sehr genügsam sein.