Schmack will seit 2012 Gleisdreieck bebauen: Wann kommt das Regensburger „Bergviertel“?

Die Regensburger Bauträger-Firma Schmack will seit 2012 das Gleisdreieck bebauen. Jetzt rückt ihr Ziel näher, ist aber immer noch weit weg.
Ab 2007 zog sich die Firma Südzucker aus Regensburg zurück. Die Bauträger-Firma Schmack kaufte das Gelände im Osten – verfolgte schon ab 2012 den Plan, im Gleisdreieck das Viertel „Dreibrücken“ entstehen zu lassen: mit einem Berg mit Panoramaaussicht und vielen Wohnungen. Den Weg für den Berg ebnete kürzlich der Stadtrat – gegen erbitterten Widerstand des Bunds Naturschutz und obwohl in der Sache diverse Gerichtsverfahren anhängig sind. Jetzt erklärt Ferdinand Schmack, wie und warum er auch den Rest seines Bergviertels realisieren will.
Den ersten Teil des Candisviertels auf dem 2007 stillgelegten Teil der Zuckerfabrik gibt es längst. Schmack sagt: „Unser Ziel war, zügig weiterzubauen.“ Seine Ziele seien ein „guter, durchdachter Stadtteil“ und eine „Stadtteilreparatur“. Das Nachbar-Quartier Hohes Kreuz sei sozial besonders schwach, der Anteil an geförderten Wohnungen hoch. Vereine und Kirche bluteten aus, so lautet die Diagnose, die er mit der Bürgerbewegung Innerer Stadtosten/Hohes Kreuz um CSU-Stadträtin Bernadette Dechant teilt. Auch die Stadt formulierte bereits 2014 das Ziel, durch Reihenhäuser südlich von Ostheim „einen Teil des dringenden Bedarfs an neuem Wohnraum für junge Familien zu decken und den Stadtteil dadurch zu stärken“, so hieß es damals in der Beschlussvorlage für die Aufstellung eines Bebauungsplans. Schon diese sah einen circa 25Meter hohen Wall vor, zum Lärmschutz, als Grünfläche und als Ausgangspunkt für Brücken über die Gleise.
Bauträger sieht Berg im Gleisdreieck als „zentrales Element“
„Der Berg ist deswegen ein zentrales Element, weil er uns die Möglichkeit gibt, über die Brücken die drei Richtungen zu verbinden“, sagt Schmack: Candis, das Kasernenviertel, und das bisher isolierte Hohe Kreuz. Zwischen den Brücken für Fußgänger und Radler plant er 600 bis 800 Wohnungen. „Unser Plan ist nach wie vor, wir wollen das Konzept umsetzen“, erklärt Schmack. „Der Bedarf an Wohnungen ist so groß wie nie und er wird auch noch größer werden.“ Von der Stadt heißt es zum Gleisdreieck, derzeit seien dort weder Wohnungs- noch Gewerbebau Planungsziele. Schmack sagt: „Das haben wir offengelassen, um nicht wieder eine jahrelange Diskussion über Nutzungen zu haben.“ Er wolle zuerst den Berg voranbringen, und hoffe, dass der Bebauungsplan 2024 in Kraft trete. Parallel verfolge er das Vorhaben, östlich des Dreiecks bis zu 150 Wohnungen und Gewerbe zu realisieren. Neben den Reihenhäusern ist auch betreutes, öffentlich gefördertes Wohnen für Senioren vorgesehen.
Was auf den zehn Hektar im Gleisdreieck entstehen soll, ist politisch umstritten. Während CSU-Stadträtin Dechant sich wünscht, „dass das urban entwickelt wird“, und auch SPD-Fraktionschef Thomas Burger dort bald Wohnungen will, eignet sich das Areal aus Sicht von Grünen-Fraktionschefin Maria Simon nur für Grün und Gewerbe. „Ich kann mir dort keine Wohnbebauung vorstellen“, sagt sie, dafür sei es zu laut.
Der Regensburger Bund Naturschutz (BN) will eine Bebauung des Areals komplett verhindern, es ganz dem Artenschutz gewidmet sehen. Der BN zeigte bereits 2021 mögliche Umweltstraftaten dort an. Die Staatsanwaltschaft ermittelt in der Sache, gegen Unbekannt. Kürzlich schrieb der BN den Stadträten, sie machten sich mit einer Zustimmung zu den Bebauungsplänen eventuell strafbar.
Rechtsstreit über „illegale Deponie“ läuft weiter
Die Stadt wies das von der Hand, nennt den Erdaushub, der dort lagert, aber „illegale Deponie“, und geht gerichtlich dagegen vor – inzwischen in zweiter Instanz, weil sie in erster verlor. Schmack sagt, er habe nie gewollt, dass die Erde so lange dort liegt, sondern habe daraus bald seinen Landschaftsberg formen wollen. Aber daraus wurde nichts: Das Verfahren stockte jahrelang, bevor der Stadtrat jetzt ein neues einleitete. Schmack nennt den Brief des BN vor der Entscheidung „diskreditierend und ehrverletzend“. Er betont: „Wir begehen keine Umweltstraftaten.“ BN-Kreischef Raimund Schoberer sagt, der BN sei niemanden persönlich angegangen. Dem Verband gehe es darum, dass Umwelt und Natur nicht unter die Räder kämen.
Ostenviertel
Historie: Seit 1899 schickte eine der ersten bayerischen Zuckerfabriken vom Ostenviertel aus ihren süßlichen Geruch über die Stadt. Nach der Schließung 2007 entstand auf dem Areal ab 2013 der erste Teil des Candisviertels.
Gegenwart: Bislang leben knapp 11.000 Menschen im Ostenviertel. Der zweite Teil des Candisviertels mit Wohnungen für rund 1000 Menschen ist im Bau.
