Ein Blick in Lucki Maurers sieben Leben
Lucki Maurer hat schon viele Bücher veröffentlicht – Kochbücher oder Fachbücher über Fleisch und nachhaltiges Kochen. Sein neuestes Buch, „Well Done“, ist da ganz anders. Der Fleischpapst nimmt den Leser Huckepack und erstmals mit auf eine ganz persönliche Reise.
Im Untertitel ist von den „sieben Leben des Kochs und Bio-Landwirts“ die Rede. Viel davon spielt sich in Schergengrub ab, auf dem Hof seiner Oma. In der Stubn, wo sie früher für Ludwig gekocht hat, macht es sich Lucki Maurer gemütlich und erzählt vom neuen Buch. Links von ihm sitzt Autorin Diana Binder, rechts Fotograf Thomas Pfeiffer.
Er mag es, „seine Leid“ um sich zu haben. Und so sollte es auch beim ersten persönlichen Buch über ihn sein, sagt er. „Als der ZS-Verlag angefragt hat, hab‘ ich gesagt: Das können wir schon machen, aber mit meinen Leuten. Wenn ich das mache, dann nur mit Diana.“
Eine Begleiterin, auch wenn es ans Eingemachte ging
Diana Binder arbeitet seit Jahren als Journalistin im Bayerwald. Sie und Lucki Maurer sind ein eingespieltes Team. „Mit dir hat alles angefangen“, sagt der Spitzenkoch zu ihr. Vor 20 Jahren war das, 2001. Damals kam ein junger Kerl zu ihr in die Redaktion, mit langen roten Haaren, erzählt sie. Der hatte zwar seine Ausbildung zum Koch schon gemacht. Aber nur, weil sein Papa zu ihm und seinem Bruder gesagt hat: „Ihr braucht’s eine solide Ausbildung.“
Statt Koch wollte Lucki Maurer zu der Zeit aber viel lieber Musiker sein. Heavy Metal. „Klar, das hört sich jetzt vielleicht blöd an – versuch mal bei Heavy Metal den Text zu verstehen – aber wir haben uns da wirklich Gedanken gemacht. Die Message war uns wichtig.“ Das spürte Diana Binder auch, als er da vor ihrem Schreibtisch stand. Also stellte sie seine Band in der Zeitung vor.
Da war die Welt noch in Ordnung. Ein Jahr später kam alles anders. Lucki Maurer hatte ein Auto, eine Freundin – seine jetzige Frau Steffi –, die erste eigene Wohnung und das Herz voller Träume.
Dann wurde aus einer Vorsorgeuntersuchung die Diagnose Krebs. Wieder stand er vor Diana Binders Schreibtisch. „Völlig verändert, mit raspelkurzen Haaren“, sagt sie. „Ich war krank und grantig“, sagt Maurer. „Und ich brauchte jemanden, der mir zuhört.“ Das tat Diana Binder – und veröffentlichte die bewegende Geschichte. Sie schrieb auch 2004, als er erstmals ein bisschen als Koch aktiv wurde, als einzige über sein Kulinarik-Festival. „Jetzt hat sich das natürlich umgedreht und die Journalisten stehen bei ihm Schlange. Aber damals kannte ihn noch keiner aus dem Fernsehen“, sagt sie. Im Laufe der Zeit hat sich so eine dicke Freundschaft entwickelt.
Erstausgabe:Person:Autorin:
Das 208-seitige Buch ist am 3. September 2021 im ZS Verlag erschienen. Es kostet 22,99 Euro.Lucki Maurer ist 2020 von dem Gastronomiefachmagazin Rolling Pin in die Liste der 100 besten deutschen Köche gewählt worden. Man kennt ihn aus dem Fernsehen, etwa aus Formaten wie „Kitchen Impossible“, „The Taste“ oder seiner eigenen Sendung „Einfach guad“. Er kommt aus Neukirchen b. Hl. Blut, hat aber 2005 den Hof seiner Großmutter im Nachbarlandkreis Straubing-Bogen übernommen und betreibt dort neben einer Bio-Wagyu-Farm auch den Stoi, sein Restaurant.Diana Binder arbeitet seit Jahren als erfolgreiche Journalistin im Bayerwald. Die Falkensteinerin ist wie Lucki Maurer Musikerin und eine gute Freundin des Spitzenkochs.
Der Leser darf eine Woche lang mit Lucki Maurer mitgehen
Deshalb kam nur sie als Autorin für sein neues Buch „Well Done“ in Frage, sagt der gebürtige Neukirchner. Da passte es ganz gut, dass Diana Binder schon immer mal ein Buch schreiben wollte. „Er kann gut erzählen und ich schreib‘ gern“, sagt sie. Innerhalb eines halben Jahres war das Manuskript fertig und ging in den Druck.
Entstanden ist viel mehr als ein Kochbuch. Diana Binder und Thomas Pfeiffer – sie in Textform, er mit Fotos – lassen den Leser über Lucki Maurers Schulter schauen. Eine Woche lang darf er mit dem Starkoch mitgehen. Jedes Kapitel steht für einen Wochentag, und an jedem Wochentag zeigt Lucki Maurer eines seiner sieben Leben.
Am Montag ist er Landwirt bei seinen Wagyu-Rindern. Am Dienstag besucht er seine Eltern daheim im Waldschlößl in Neukirchen beim Heiligen Blut und kocht für sie. Am Mittwoch ist er Heavy-Metal-Musiker, am Donnerstag hält er ein Kochseminar, am Freitag ist er der TV-Starkoch, am Samstag Gastronom in seinem Lokal, dem Stoi, und den Sonntag verbringt er ganz privat mit seiner Frau.
Ein Rezept und eine Musik-Playlist pro Tag machen das Buch komplett. Die Titel sind nach Lucki Maurers Geschmack – also viel Rock und Metal – und wer sein Handy über den abgedruckten QR-Code hält, kann sich die Musikauswahl direkt anhören.
Auch den Titel „Well Done“ hat Lucki Maurer ganz bewusst gewählt. „Man nennt mich ja immer den Fleischpapst“, sagt er. „Aber ‚Well Done‘ heißt beim Fleisch ja eigentlich, dass es am Arsch ist. Dass es durch ist.“ Das passt – auch wenn er eigentlich nie ein Fleisch durchbrät – zu ihm als Fleischexperte, lässt aber auch Spielraum für Interpretation: „Well Done steht auch für ‚Ich bin durch‘ und Well Done steht auch für ‚Es passt‘.“ Wer den Titel liest, kann sich also vieles denken: „Der Typ hat‘s g‘schafft, der Typ is durch, der Typ is fertig, der Typ ist auf einem guten Weg oder auch der Typ ist angekommen“, sagt Maurer. Was davon stimmt, verrät er im Buch.