Panik auf dem Heizungsmarkt – Verbraucher reagieren mit Neubau von Öl- und Gasheizung

Die Gesetzespläne der Ampelkoalition zum Heizen mit Holz bringen nicht nur die Waldbauern auf die Barrikaden. Gleichzeitig hat die Diskussion dazu geführt, dass viele private Hausbesitzer in Panik das Gegenteil tun, was der Gesetzgeber bezwecken will.
Aktuell haben Heizungsbauer Hochkonjunktur. Denn viele Hausbesitzer wollen noch vor der Novellierung des Gebäudeenergiegesetzes (GEG) 2024 eine neue Heizung einbauen, weil sie Angst haben, danach nicht mehr frei entscheiden zu können. Das wurde am Mittwochabend durch die Redebeiträge bei einer Protestveranstaltung der Waldbesitzervereinigung (WBV) Parsberg in Hollerstetten deutlich.
Hausbesitzer im Landkreis Neumarkt flüchten in die Vergangenheit
Die Crux: statt sich von den fossilen Brennstoffdinosauriern Öl und Gas abzuwenden, werden vermehrt solche Anlagen eingebaut, berichteten sowohl Martin Schmid, Vorsitzender der WBV, Referent Simon Lesche vom Technologie- und Förderzentrum im Kompetenzzentrum für nachwachsende Rohstoffe in Straubing und viele Redner aus dem Kreis der mehr als 300 Veranstaltungsbesucher.
Dazu zählte die Dietfurter CSU-Stadträtin Ilse Werner, bei der vor einigen Tagen eine neue Holzheizung eingebaut wurde. „Ich frage mich jetzt schon, ob ich richtig entschieden haben“, schilderte sie ihre Verunsicherung.
Vor allem, weil der Heizungsbauer ihr erzählt habe, dass er mit der Arbeit nicht mehr hinterherkomme, weil so viele Menschen jetzt Öl- oder Gasheizungen erneuern würden. Deren Hoffnung laut Werner: „Sie wollen die kommenden 20 Jahre ihre Ruhe haben.“ Dies entlarvte Schmid aber als fatalen Trugschluss: „Wenn die Kohlendioxidabgaben steigen, werden diese Menschen die fossilen Brennstoffe nicht mehr bezahlen können“, sagte er.
Waldbauern erkennen ideologische Fehlentwicklung
Ursache dieser Verunsicherung sind die Regelungen für die Heiztechnik im geplanten GEG. Hier gibt es nicht nur aus Sicht von Lesche, der sehr sachlich über Holz als Energielieferant referierte, eine entscheidende Fehlentwicklung. Demnach wird Holz aus ideologischen Gründen nicht alleine als erneuerbare Energie gezählt sondern muss mit einer anderen Energiequelle kombiniert werden – beim Neubau ist nur eine Wärmepumpe möglich.
Und so werden die bis vor wenigen Wochen vorbildlichen Anlagen – wie das Parsberger Nahwärmenetz, das mit Hackschnitzeln betrieben wird – zu unerwünschten Energielieferanten. Das führt laut Schmid soweit, dass Neubauten nicht an eine in unmittelbarer Nähe bestehende Biomasseheizung angeschlossen werden dürfen.
Als typisches Beispiel für eine solche Konstellation nannte er, den Austragswohnsitz oder einen Neubau für den Hofnachfolger. Schmids Vorwurf: „Wir werden von Theoretikern regiert, die keine Ahnung haben, was sich auf dem Land und in der Forstwirtschaft abspielt.“
Parsbergs Bürgermeister Josef Bauer versteht Habeck nicht
„Was ist nachhaltiger als unser Wald?“, fragte dazu Parsbergs Bürgermeister Josef Bauer, und stellte dem in der Heimat erzeugten Rohstoff Holz Atomkraft aus Kriegsgebieten und Gas aus Fracking gegenüber. „Hier habe ich Zweifel an den Aussagen von Robert Habeck“, sagte er und empfahl dem Bundeswirtschaftsminister, mehr auf Experten wie Lesche zu hören. Der hatte nämlich in seinem Vortrag mehrere Thesen bewertet, die sich zum Heizen mit Holz im Umlauf befinden.
Wichtigste Botschaft: Wenn der Wald genutzt wird, speichert er mehr Kohlendioxid. Genutzt kann er nur dann werden, wenn das Holz nicht nur als Baustoff dient, sondern auch als Energielieferant.
Klima profitiert von der Waldbewirtschaftung
Der Grund: Durch Windbruch, Borkenkäferbefall oder den Klimawandel muss Holz aus dem Wald entnommen werden. Zudem fällt bei der Wertholzernte Holz an, das nicht stofflich verwertet werden kann. Lesche: „Würde diese Holz verrotten, würde fast so viel Kohlendioxid freigesetzt wie bei der Verbrennung.“ Deswegen sei Holz als Energieträger nachhaltig, klimaschützend und wichtig für die Energiewende.
Deutlich wurde bei der Veranstaltung auch, dass die Proteste von Waldbauern und Politik – am Mittwoch angeführt von Bayerns Finanzminister Albert Füracker und MdB Susanne Hierl – Wirkung zeigen. So wollen laut Lesche die bayerischen Grünen Holz weiterhin als Brennstoff erlauben und auch die problematischen Regelungen für Fernwärmenetze aufheben. Auch Habeck habe in einem Interview bereits angekündigt, das Gesetz in Bezug auf Holz technologieoffener zu gestalten.
Trotzdem ermahnten Füracker und Hierl die Waldbauern im Widerstand gegen das Gesetzesvorhaben nicht nachzulassen. „Wir müssen auf der Hut sein“, sagte Füracker. Dass man Holz als regenerativen Brennstoff, den die Menschen seit Jahrtausenden nutzten, in Frage stellen wolle, dürfe nicht passieren. „Wir müssen aufpassen, dass am Ende nicht diejenigen, die keine Ahnung von der Materie haben, uns, die wir eine Ausbildung haben, sagen, was wir tun müssen.“
In diesem Zusammenhang wies Hierl auf die Petition (Laufende Nummer 150229) der Waldbesitzer an den Bundestag hin. Wenn bis zum 20. Juni das Quorum von 50.000 Unterschriften erreicht wird, müsse sich der Petitionsausschuss mit dem Thema in einer öffentlichen Beratung befassen. Unterschreiben kann man online im Petitionsforum.
Das Gesetzesvorhaben
Ausgangslage: Das Gebäudeenergiegesetz (GEG), das seit 2020 besteht soll 2024 neu gefasst werden. Referent Simon Lesche sieht dringenden Handlungsbedarf, weil der Heizsektor hält die Ziele zur Reduzierung des Kohlendioxidausstoßes nicht ein. Grund sind die langen Laufzeiten von Heizanlagen, die noch dazu aktuell zu 75 Prozent mit Öl oder Gas betrieben werden.
Heiztechnik: Neben vielen weiteren Punkten wird geregelt, welche Heizungen verwendet werden dürfen. Diese müssen 65 Prozent der Wärme mit erneuerbaren Energie (oder unvermeidbarer Abwärme, zum Beispiel von Industrieanlagen) erzeugen. Der Rest darf aus fossilen Brennstoffen stammen. Diese sind erst ab 2045 verboten.
Tauschpflicht: Lediglich besonders ineffiziente Anlagen müssen bei einem Eigentümerwechsel getauscht werden. Funktionierende Heizung dürfen bleiben und auch repariert werden.
Biomasse: Nachwachsende Rohstoffe wie auch Holz zählen beim Neubau eines Gebäudes nur dann als erneuerbare Energie und damit zu dem 65-Prozent-Bereich, wenn sie mit einer Wärmepumpe kombiniert sind und diese die Grundlast bereitstellt. Außerdem braucht die Anlage einen Staubabscheider und einen Pufferspeicher (50 Liter je kW Heizleistung). Im Bestand ist neben einer Wärmepumpe auch die Kombination mit Solarthermie oder Photovoltaik möglich.