Dr. Frankerl trennt sich von Praxis

Von Reinhold Willfurth, Alexander Huber · 2. Juli 2021 um 09:00

Hautarztpraxen sind im Landkreis Schwandorf dünn gesät, entsprechend lang sind die Wartezeiten für einen Termin. Eine der beiden Facharztpraxen in der Großen Kreisstadt ist mittlerweile seit Monaten geschlossen. Praxisinhaber Dr. Rudolf Frankerl sorgt nun für Klarheit. Seine Nachfolge stellt ihn vor Schwierigkeiten.

Albert Deml vermisst seinen Hautarzt sehr. Nicht nur deshalb, weil er auf seinen Nachsorgetermin wartet, der nach einem Eingriff vor eineinhalb Jahren ansteht. Doch immer wenn er in der Praxis Dr. Frankerl in der Schwandorfer Paststraße anruft, vertröstet ihn die Stimme vom Anrufbeantworter. Die Praxis sei „vorübergehend geschlossen“, heißt es da – und das schon seit einigen Monaten. Deml macht sich Sorgen um seinen Behandlungstermin und um den Arzt seines Vertrauens, den er schon seit Jahrzehnten aufsucht.

Schwierige Suche nach einem Nachfolger

Karin Klier, die stellvertretende Vorsitzende des Ärztlichen Kreisverbands und Allgemeinärztin in Schwandorf, kennt derartige Sorgen nur zu gut: „Ich habe immer wieder Patienten, die dort vergeblich versucht haben, einen Termin auszumachen.“ Für Klier ist klar: Schwandorf brauche dringend zweiHautärzte. Das große Problem: Es findet sich kein Nachfolger.

Auf Anfrage teilt Dr. Axel Heise, Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Bayern, mit, dass ursprünglich eine altersbedingte Schließung der Praxis von Dr. Frankerl zum 30. Juni 2021 geplant gewesen sei. Eine Ausschreibung durch den Arzt und die KVB im April für einen Nachfolger sei erfolglos geblieben. Die Praxis befinde sich immer noch in der Ausschreibung. Bis heute habe sich niemand gemeldet.

Dr. Rudolf Frankerl selbst schaltete sogar einen privaten Vermittler ein, um das Problem zu lösen, wie er verrät. „Das hat nicht wenig Geld gekostet“, sagt der Dermatologe. Doch der Erfolg blieb aus. Dass Frankerls Praxis schon weit früher schließen musste, als zunächst geplant, hat seinen Grund: Seit März plagen den Arzt gesundheitliche Probleme, was das Behandeln von Patienten für ihn unmöglich machte. „Das Ganze hat den Betrieb in der Praxis akut beendet, sozusagen vom einen auf den anderen Tag“, erklärt der Mediziner. Dass er so urplötzlich keinen seiner Patienten mehr betreuen konnte, schmerzt Frankerl besonders. „Das ist nicht meine Art.“ Schließlich liegen ihm seine Praxis und seine Patienten nach 34 Jahren in Schwandorf besonders am Herzen.

Frankerl leistete Pionierarbeit

Aufhören hätte Dr. Frankerl schon vor einigen Jahren können. Mit 65 Jahren und sechs Monaten wäre der heute 69-Jährige laut Rentenregelung dazu berechtigt gewesen. Seither laufe auch dieSuche nach einem Nachfolger, in den vergangenen beiden Jahren habe er diese noch einmal intensiviert. „Ich habe immer weiter gearbeitet, das war für mich auch kein Problem, solange ich fit war. Jetzt kommt die Krankheitssituation hinzu und leider hat sich nach wie vor niemand gemeldet, der die Praxis übernehmen will.“

Dabei leistete Frankerl einst Pionierarbeit: Im Dezember 1987 eröffnete er als erst zweiter Dermatologe im Landkreis Schwandorf seine Praxis, damals noch in der Ettmannsdorfer Straße. Die Dichte der Fachärzte war zu diesem Zeitpunkt in der gesamten Oberpfalz noch äußerst gering. 1997 folgte dann der Umzug in die Paststraße, wo der Dermatologe seither eine Vielzahl von Patienten behandelte. Dabei habe Frankerl stets über dem Anspruch der kassenärztlichen Basisversorgungen Leistung erbracht. „Ich habe Altenheime betreut, war für Konsiliarbesuche im Krankenhaus St. Barbara in Schwandorf und bin in Zusammenarbeit mit den Barmherzigen Brüdern 20 Jahre lang nach Reichenbach gefahren“, erklärt er. Frankerl: „Ein gewisses Helfersyndrom kann man mir schon unterstellen, aber das gehört zur Basis eines Arztes.“

Junge Ärzte arbeiten oft bevorzugt als Angestellte

Dass trotz aller Bemühungen von Frankerl und der KVB noch immer kein Nachfolger gefunden wurde, habe mehrere Gründe, wie der gebürtige Schwandorfer schätzt. Ein entscheidender Faktor sei vor allem, dass junge Ärzte nach dem Studium und ihrer Facharztausbildung keine derartige Arbeitsverpflichtung mehr eingehen wollen. „Heute arbeiten viele lieber in einem Angestelltenverhältnis an Kliniken, weil es geregelte Arbeitszeiten gibt und das Einkommen dort auch nicht schlecht ist“, erklärt der Dermatologe. Auf die „Work-Life-Balance“ werde heutzutage ein großer Wert gelegt. Große Praxen, wie die des 69-Jährigen, würden da vielen Nachwuchskräften nicht in den Lebensplan passen.

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Seine Entscheidung hat sich Frankerl nicht leicht gemacht. WeilPatienten aber persönlich versorgtund beraten werden müssen, führe kein Weg daran vorbei. „Aus Krankheitsgründen ist das jetzt früher geschehen, was für die Patienten unangenehm war. Trotzdem hoffe ich, dem Einzelnen nicht zu viel Umstände gemacht zu haben“, sagt der Facharzt.