Er hat Chams größte Fußballschuhsammlung

Von Anna Heidenreich · 25. März 2021 um 04:30

Fußballschuhe – bei vielen Spielern aus den unterschiedlichsten Ligen gilt das Leder an den Füßen als spielentscheidend. Daraus hat Samuel Burgfeld aus Arnschwang ein Geschäftsmodell gestrickt. Unter seinen Kunden: Man City-Spieler Felix Nmecha, Ex-Nationalspieler und Benfica-Profi Julian Weigl oder ein gewisser Wunderknabe, der vor kurzem mit 16 Jahren in den Bundesligakader des BVB aufgerückt ist. Aber warum wollen Fußball-Asse aus aller Welt plötzlich Schuhe aus Cham?

Samuel Burgfeld verrät sein Erfolgsgeheimnis: „Mein Fokus liegt auf klassischen, älteren, limitierten Modellen.“ Die seien aus unterschiedlichen Gründen beliebt. „Viele Spieler wollen lieber ein älteres Modell, weil ihnen die neuere Version nicht so gut passt“, sagt Burgfeld. An die Vorgänger kommen selbst Profis mit Schuh-Sponsoring-Verträgen nicht so leicht ran. Denn die Sportausstatter sind vor allem mit den allerneuesten Modellen großzügig, um diese zu bewerben.

Ein bisschen Nostalgie spielt bei den Käufern ebenfalls eine Rolle. Da müsse auch mal der Schuh her, mit dem der Spieler fünf Jahre lang in der Jugend gespielt hat, sagt Burgfeld. Insgesamt sei das Thema Fußballschuhe einfach sehr emotional: „Es gibt Spieler, die wollen mit einer bestimmten Schuhfarbe nicht mehr spielen, weil sie damit mal einen Kreuzbandriss hatten.“

Limitiertes Design und Unterschrift von Ronaldinho

Ursprünglich sammelte er die Schuhe nur für sich selbst. Wie lange er das schon macht, kann der langjährige Fußballer –erst kürzlich wechselte der Stürmer vom Bezirksligisten Chambtal zurück zum Landesligisten SpVgg Lam– gar nicht mehr sagen.

Circa 50 Paar umfasst seine private Sammlung bis jetzt. Die Stücke sind so besonders, dass Burgfeld sie nicht verkauft. Von dem gold-weißen „Nike Tiempo R10“ etwa gibt es nur 1000 Paar auf der Welt, noch dazu sind beide Schuhe von Ronaldinho persönlich unterschrieben – ihr Wert dürfte deshalb im vierstelligen Bereich liegen.

Schon nach knapp einem Jahr 30 000 Abonnenten

Dass er mal persönlichen Kontakt zu diversen Fußballstars haben würde, hätte sich der 25-Jährige bis vor einem Jahr noch nicht vorstellen können. Erst im Mai 2020 hat er mit einem Instagram-Account die Idee umgesetzt, seine Leidenschaft für Fußballschuhe mit anderen zu teilen. Und seit vier Monaten hat „FTBL Boots“ einen professionellen Online-Shop. Binnen kürzester Zeit erreichte die Instagram-Seite mehr als 30 000 Fans (Stand: 23. März 2021), das Lager mit den Exemplaren zum Verkaufen fasst aktuell mehr als 1000 Schuhe. Die reisen aus dem Landkreis Cham in die ganze Welt – auch nach Österreich, England, Italien, Thailand oder Russland.

Einige Raritäten teilt Burgfeld mit anderen – zum Beispiel eine auf 250 Paar limitierte Neuauflage des Adidas F50. Preislich starten die Modelle, die er verkauft, aber bei circa 200 Euro. Burgfeld will neben Profis auch Amateursportler erreichen, was aktuell fast schwieriger ist, als das Interesse der Stars zu wecken. „Das alles ist ja mitten in der Corona-Zeit entstanden, und der Shop auch noch im Winter“, sagt er. Aber das sei definitiv eine der Baustellen, die er in Zukunft noch angreifen wolle.

Wie kommt man an Fußballschuh-Exoten?

Seine Quellen für exquisite Fußballschuhe will Burgfeld nicht verraten. Er sagt nur: „Klar, das Internet ist gut dafür, man schaut auch mal auf eBay, aber auch in lokalen Shops.“ Wesentlich hilfreicher seien allerdings die Kontakte, die er sich in den letzten fünf Jahren aufgebaut habe, sagt Burgfeld. Mit 20 machte sich der Arnschwanger selbstständig und ist seitdem beruflich in der Fußballbranche unterwegs.

Trotzdem ist es keine leichte Aufgabe, an die stollenbesetzten Raritäten zu kommen. „Wir machen ja auch alles auf Anfrage. Da sitzt man dann schon teilweise stundenlang da auf der Suche nach dem richtigen Modell“, sagt Burgfeld.

Auch ansonsten ist das Schuh-Sammeln zeitintensiver geworden, seit es den Instagram-Kanal und den Online-Shop gibt. „Man muss sich immer wieder was Neues überlegen“, sagt Burgfeld. Inzwischen hat er sich für Fotos, die Abwicklung der Chats mit Interessenten und die regelmäßigen Postings auf Instagram Unterstützung geholt.

Bereut hat er seine Investition in seinen Fußballschuh-Lagerbestand und das, was inzwischen drumherum gewachsen ist, trotzdem nicht. Im Gegenteil: „Ich war schon immer ein Fußballverrückter und bin bei allen meinen Projekten mit Leidenschaft dabei. Es macht einfach auch Spaß und es ist ein riesen Erfolgserlebnis, wenn man dann den richtigen Schuh gefunden hat.“