Firma Siebenwurst entlässt Mitarbeiter
Die Geschäftsführer der Firma Siebenwurst in Dietfurt schöpften zahlreiche Möglichkeiten aus, um „so wenig Personal wie möglich“ zu entlassen, wie Christian und Roland Siebenwurst es nennen. Dennoch erhielt ein Teil der 340 Mitarbeiter in Dietfurt vor gut einer Woche die schockierende Nachricht.
20 Mitarbeiter wurden gekündigt
Am Donnerstag und Freitag in der letzten Januarwoche wurden die rund 20 betroffenen Mitarbeiter zu Einzelgesprächen mit den Geschäftsführern gebeten. Dabei erfuhren sie, dass sie gekündigt werden. „Das ist für beide Seiten schlimm, insbesondere aber für die betroffenen Mitarbeiter, die sich zum Teil vor den Kopf gestoßen fühlten“, teilt Geschäftsführer Christian Siebenwurst bei einem exklusiven Gespräch mit der Mittelbayerischen am Freitag mit.
Grund für die Kündigungen sind nach Angaben des Geschäftsführer-Brüderpaars die rückläufigen Auftragszahlen in den vergangenen Jahren. „Der Einbruch ging bereits 2018 los“, blickt Roland Siebenwurst zurück. Nach dem für die Dietfurter Firma ordentlichen Jahr 2017 sei die Automobilbranche in der Findungsphase gewesen. Die Entwicklungen neuer Modelle, für die das Dietfurter Unternehmen Werkzeuge herstellt, seien verschoben oder gar gestoppt worden. „In den letzten drei Jahren hatten wir im Vergleich zu 2017 jeweils 40 Prozent weniger Aufträge.“
Corona beschleunigte Prozess
Bis 2019 haben nach Angaben der Geschäftsführer die guten Umsätze aus 2017 die Firma noch getragen. Doch im November 2019 musste die erste Abteilung in Kurzarbeit geschickt werden, weil die Aufträge fehlten. Seitdem arbeiten wechselnde Bereiche bis heute in Kurzarbeit. Zudem versuchte die Geschäftsführung mit weiteren Möglichkeiten, den Personalabbau abzufedern: Modellbauer wurden in der Fertigung eingesetzt, Konstrukteure in der Montage, Stunden wurden reduziert und Mitarbeiter zum Teil in Altersteilzeit geschickt. Neben den fehlenden Aufträgen war dann auch die Pandemie eine große Herausforderung für die Firma. „Corona war für uns ein Brandbeschleuniger“, sagt Roland Siebenwurst.
Gründung:Personal:
Siebenwurst wurde 1897 in Nürnberg gegründet. Während des Zweiten Weltkriegs siedelte sich das Unternehmen 1944 nach Dietfurt um.Weltweit beschäftigt Siebenwurst in den USA, Mexiko, China und Deutschland 700 Mitarbeiter. Am Standort in Dietfurt arbeiten 340 Beschäftigte.
Im September vergangenen Jahres sei dann intern der Punkt erreicht gewesen, an dem die Geschäftsführung gemerkt habe, dass der erhoffte Nachhol- und Erholungseffekt der Branche 2020 nicht mehr eintreten werde. „Letzte Jahr konnten wir das mit der Kurzarbeit noch einigermaßen abfedern“, sagt Christian Siebenwurst. „Aber da wir Arbeitgeber durch die vollständige Erstattung der Sozialversicherungsbeiträge nur noch bis zum 30. Juni 2021 entlastet werden, mussten wir jetzt handeln, um den Fortbestand des Unternehmens zu sichern.“
Die Geschäftsführer rechnen nach eigenen Angaben auch nicht mehr damit, dass es 2021 und 2022 rosiger aussieht. „Deshalb sind wir im Dezember 2020 auf den Betriebsrat zugegangen.“
Der Betriebsrat verhandelte mit den Chefs
Geschäftsleitung und Betriebsrat einigten sich auf einen Sozialplan, der die Höhe der Abfindungen für die Mitarbeiter regelt. Auch die IG Metall war in diese Verhandlungen involviert. „Wir zahlen den Mitarbeitern eine überdurchschnittliche Abfindung“, sagt Roland Siebenwurst. Der stellvertretende Betriebsrat Xaver Ferstl bestätigt, dass die Kündigungen „so sozialverträglich wie möglich“ ausgesprochen wurden. Aus allen Bereichen seien Mitarbeiter betroffen. Die Maßnahme sei keine einseitige der Geschäftsführung gewesen, sondern mit dem Betriebsrat abgestimmt.
Sozialplan hält Härtefälle gering
„Mit dem Sozialplan wollen wir die Härtefälle so gering wie möglich halten“, sagen die Geschäftsführer. Der Großteil der Betroffene sei zwischen fünf und zehn Jahren im Betrieb gewesen. Bevor die Mitarbeiter in ihrem Einzelgespräch davon erfuhren, wurde die Belegschaft über die angespannte Situation in der Firma informiert.
Je nach Kündigungsfrist verlassen die rund 20 Mitarbeiter die Firma in drei bis sieben Monaten. Mit ihrem Netzwerk wollen die Siebenwurst-Brüder den Mitarbeitern bei der Jobsuche nach eigenen Aussagen unterstützen. „Wir versuchen auch beim Schreiben von Bewerbungen zu helfen.“
Das will die Firma in Zukunft ändern
Für die Firma selbst sehen sie in Zukunft Potenzial in neuen Technologien. Außerdem wollen sie, effizientere Lösungen im Arbeitsalltag forcieren. „Wir wollen in kleineren Einheiten arbeiten, um Auftragsänderungen schneller vornehmen zu können.“ Sie betonen aber, dass das nicht heißt, weitere Mitarbeiter zu kündigen. Stattdessen soll die Kommunikation verbessert werden, damit die Aufträge schneller das Haus zum Kunden verlassen.