Dörnberg: Wieder Ärger um Sozialbauten

Von Christian Eckl · 7. Juli 2020 um 19:10

Ärger ohne Ende in den Sozialwohnungen im Dörnberg: Eine weitere Familie hat Probleme in einer geförderten Wohnung in dem Areal. Lara und Igor U. (Name geändert, der Redaktion bekannt) können seit mehreren Wochen keine Wäsche mehr waschen. Zunächst hatten sie sich schon gewundert, dass es keinen Anschluss für die Waschmaschine im Bad gibt. Doch in der 75-Quadratmeter-Wohnung, die 1040 Euro Warmmiete kostet, gibt es ein weiteres Problem. Der Wasseranschluss in der Küche ist so eingebaut, dass keine Geräte angeschlossen werden können. Das Ventil ist so nahe an der Wand installiert, dass kein Platz mehr für den Geräteanschluss bleibt.

Nachdem die Mittelbayerische beim Vermieter angefragt hatte, reagierte der Investor aus München prompt: Der Familie, die einen zweieinhalbjährigen Sohn hat und seit Juni ohne Waschmaschine und Spüle in der Friedrich-Niedermayer-Straße lebt, wurde zugesichert, den Wasseranschluss neu zu verlegen – und zwar auf Kosten der Baufirma. Das teilte die Familie der Mittelbayerischen mit. Der Dörnberg-Investor äußerte sich bis Redaktionsschluss nicht.

Bereits am Samstag berichtete die Mittelbayerische über die Familie A., die ebenfalls in einerSozialwohnung in der Friedrich-Niedermayer-Straße lebt. Sandra und Christoph A. wohnen mit ihren drei Söhnen in einer etwa 100 Quadratmeter großen Sozialwohnung, weiterer Nachwuchs ist im Anflug.

Kein Luftaustausch möglich

Erst als sie eingezogen sind, stellten sie fest, dass keines der Fenster so geöffnet werden kann, dass ein Luftaustausch erfolgt. Eigentlich sollten auch spezielle Lüftungsvorrichtungen dafür sorgen, dass frische Luft in die Wohnung kommt.

Doch diese bewerkstelligten es nicht, die Innentemperaturen zu regulieren. Das Thermometer stieg zeitweise auf über 27 Grad. Auch in diesem Fall hat der Investor reagiert und nach einer Anfrage der Mittelbayerischen Abhilfe geschaffen. Wie, das wollten die beiden Parteien nicht mehr sagen, man habe sich auf Stillschweigen geeinigt.

Der Investor hatte sich beim Gespräch mit der Mittelbayerischen auch darauf berufen, dass die Stadt Regensburg strengste Vorgaben gemacht hat. Das sei der Grund, warum sich die Fenster auch nicht öffnen ließen. Tatsächlich waren die Fenster auch bei der Aufstellung des Bebauungsplans für das Dörnberg Thema. Was unglaublich klingt, ist dort verbrieft: Weil die Bewohner des Dörnbergs vor Lärm geschützt werden sollen, wurden zahlreiche Fenster so verbaut, dass man sie nicht mehr öffnen kann.

Fenster sollen vor Lärm schützen

„Eine uneingeschränkte Anordnung von jederzeit öffenbaren Fenstern auch an den stark schallbelasteten Fassadenseiten ist damit nicht möglich“, schrieb die Verwaltung als Stellungnahme in Juristen-Deutsch. Die Bewohner werden also vor Lärm geschützt, allerdings zu dem Preis, dass die Fenster nicht zum Lüften geöffnet werden können.

Beim verunglückten Wasseranschluss handelt es sich offenbar eher um Pfusch am Bau. Das sieht zumindest der Fachverband Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik nach Vorlage von Bildern des Wasseranschlusses so. „Da ist ja nicht so wirklich etwas richtig daran“, teilte ein Experte des Verbands mit. Der Experte rät: „Vielleicht sollte sich das mal jemand ansehen, der das schon einmal gemacht hat.“ Der Geräteanschluss des Wasserhahns sollte nach unten gerichtet sein, der Amaturenanschluss nach oben. Ein Siphon für die Spüle fehle bei der Installation der Familie U. auch.

Geregelt ist der Bau von Sozialwohnungen zum einen in den Wohnraumförderungsbestimmungen, die vom Bayerischen Innenministerium festgelegt wurden. Zum anderen hat sich Regensburg das „Baulandmodell“ gegeben. Darin ist allerdings nur geregelt, dass insgesamt 40 Prozent in einem Neubaugebiet sozial geförderter Wohnraum sein müssen. 20 Prozent sind für untere Einkommensstufen (bis 27 000 Euro Bruttoeinkommen als Einzelperson), weitere 20 Prozent für Einkommen bis zu 33 000 Euro brutto jährlich.

Wer nicht mehr verdient, kann sich bei der Stadt einen Wohnberechtigungsschein holen. Laut Stadtsprecherin Juliane von Roenne-Styra gibt es keine weiteren baulichen Auflagen für den sozialen Wohnungsbau, solange der Bebauungsplan umgesetzt wird. Sozialwohnungen unterliegen wie jede andere Wohnung also dem Baurecht. Hier gehe es um den Grundsatz des „gesunden Wohnens“, etwa beim Lärmschutz.

Bauamt überprüft Wasseranschlüsse nicht

Das sei auch der Grund, warum die Fenster so vorgeschrieben sind im Dörnberg. Der Bau wird zwar anschließend abgenommen durch das Bauamt, Wasseranschlüsse wie von der Familie U. werden dabei aber nicht überprüft. Das sei „privatrechtlich zu regeln“, sagte von Roenne-Styra.

Update: Am Mittwoch reagierte die Hubert Haupt Immobilien Holding auf die Berichterstattung der MZ:

In einer Stellungnahme heißt es unter anderem: „Bei einem Volumen von 1300 Wohnungen ist es leider nicht auszuschließen, dass es in Einzelfällen zu Mängeln kommen kann. Hierfür gibt es bei uns jedoch einen klar definierten Prozess, um diese schnell zu beheben.“ Mit dem Showroom vor Ort, der zuständigen Hausverwaltung und dem Vermieter seien für alle Probleme jederzeit Ansprechpartner erreichbar. „Das Problem mit der unzureichenden Durchlüftung der Wohnung von Familie A. ist uns seit dem 29.06.2020 bekannt. Seit diesem Zeitpunkt arbeiten wir intensiv an einer Lösung. Es ist uns wichtig, angezeigte Mängel sehr kurzfristig – meist gelingt dies innerhalb von 24 Stunden – im Sinne der Bewohner zu beheben.“ Im Fall der Wohnung von Familie A. sei eine praktikable Lösung der Durchlüftungssituation aufgrund der gesetzlichen Lärmschutzvorgaben jedoch „leider etwas komplexer“. In der vergangenen Woche habe es mehrere Begehungen vor Ort gegeben, „um mit den Bautechnikern eine effektive Lösung zu finden.“