Neuer Pächter möchte Fürstin bewirten
Schon das Gebäude ist ein echtes Unikat, wie man es nur in einer Stadt wie Regensburg findet: Das Fürstliche Brauhaus, das zuletzt den Namen Brauhaus am Schloss trug, war lange Jahre die Garage für die Automobile der Fürstenfamilie.Jetzt hält ein neuer Pächter Einzug.Der gebürtige Landshuter hat im Brauhaus viel vor.
Fürst Albert I., Urgroßvater des heutigen Fürsten von Thurn und Taxis, hatte den Auftrag erteilt. Der alte Bauhof von St. Emmeram wurde abgerissen – und eines der schönsten Jugendstil-Häuser Regensburgs gebaut, das Hofmarstallamt. Unter der Remise, deren Konstruktion in der damals modernen Bauweise mit Stahlkonstruktion in Anlehnung an die Architektur von Gustave Eiffel gebaut wurde, hatte der Fürst seine im Erbauungsjahr 1904 hochmodernen Automobile untergestellt. Heute beherbergt das Gebäude nicht nur zahlreiche Wohnungen von zumeist fürstlichen Angestellten. Seit langem schon wird hier eine eigentlich fast schon erloschene Tradition aufrechterhalten: In Bierkesseln wird ein Biersud angesetzt, der an die nach dem Tod von Fürst Johannes an Paulaner verkaufte Brauerei Thurn und Taxis erinnert.
„Wir wollen Moderne und Tradition miteinander verbinden“, sagt Quirin Erber. Der 26-jährige gelernte Hotelfachmann übernimmt ab 1. Juli dasBrauhaus am Schloss. Erber hat in Landshut im Kaiserhof gelernt, ist dann in ein Kempinski-Hotel am Münchner Flughafen gewechselt. Anschließend sah er sich die große, weite Welt an und arbeitete in einem Kempinski-Haus in Jordanien. Nach einer Ausbildung als Betriebswirt arbeitete er in Berchtesgaden bei Uli Heimann – der Sternekoch, der das PUR-Restaurant für Kempinski betreibt. Zuletzt leitete er vier Restaurants und war für 70 Mitarbeiter verantwortlich. Jetzt macht sich der Niederbayer selbständig und verspricht: „Ich möchte das Brauhaus wieder für die Regensburger, gerade für die Jüngeren, attraktiv machen.“
Das möchte der Gastronom erreichen, indem er einerseits traditionelle bayerische Küche anbietet. „Bei uns wird es auch Ochsenbacke geben“, sagt Erber. „Aber wir wollen auch das Publikum ansprechen, das gerne vegetarisch oder vegan isst.“ Gerade die vielen Studenten in Regensburg möchte Erber in die Waffnergasse locken. Denn diese sind bislang eher selten in den Teil der Altstadt gekommen, der zwar mit dem Schloss idyllisch, aber auch ein wenig abgelegen ist.
Neuer Pächter will Fürstin Gloria bewirten
Fürstin Gloria von Thurn und Taxiskennt der Landshuter natürlich aus den Medien. Er würde sich aber freuen, wenn er die Adelige und ihre Familie einmal bewirten dürfte. „Der Name Thurn und Taxis hat natürlich einen Klang und ist weit über die Grenzen Regensburgs hinaus ein Begriff“, sagt der neue Wirt. „Ich hoffe auch, dass das Schloss bald wieder für Touristen geöffnet wird, denn das sind natürlich auch unsere potenziellen Gäste.“ Ob das Brauhaus auch wieder den Titel „Fürstlich“ tragen wird, kann Erber im Moment noch nicht sagen. Er wünscht es sich jedenfalls.
Am kommenden Donnerstag, 2. Juli, wird allerdings nun keine Adelige, aber immerhin die gewählte Oberbürgermeisterin der Stadt bei Erber und seinen Mitarbeitern im Brauhaus vorbei schauen. Braumeister Georg Angerer braut je Sud etwa 1000 Liter Bier ein. Zur Neueröffnung wird der Sud von Angerer zusammen mit Gertrud Maltz-Schwarzfischer angesetzt und „Bürgermeister-Sud“ genannt. Das Bier aus dem Thurn-und-Taxis-Braukessel soll naturtrüb, in Zukunft aber auch ein wenig mit Kupferstich sein. Zudem soll bald das „Vladimir“ angesetzt werden: Ein Weißbier, das leicht schmeckt wie ein „Russe“, also ein Weizen mit Limonade, das aber genauso viel Prozent Alkohol aufweist wie ein herkömmliches Weißbier.