Vitesco gibt Mega-Zentrale an der Osttangente den Laufpass: Droht eine Industrie-Brache?

Von Christian Eckl · 1. Juni 2023 um 14:00

Im Herbst 2021 feierte man Richtfest im Regensburger Stadtosten. Doch das Gebäude an der Osttangente ist bis heute nicht bezogen. Jetzt wird bekannt, dass Vitesco nicht einziehen wird.

Es war ein richtig großer Bahnhof im Herbst 2021 im Stadtosten: Wirtschaftsvertreter und kommunale Spitzenpolitiker gaben sich in der Herzkammer der Regensburger Wirtschaft die Klinke in die Hand. Kein Wunder: Continental Automotive sitzt hier, ebenso wie ein Siemens-Standort. Hier arbeiten täglich tausende Regensburger, teilweise in durchaus hoch dotierten Ingenieurs-Positionen.

Hier hat auch mit Vitesco ein Regensburger Unternehmen seinen Hauptsitz, das als Aktiengesellschaft in einer der dynamischsten Branchen der Welt arbeitet: Elektromobilität ist die Zukunft, da sind sich die Wirtschaftsauguren einig. Kein Wunder also, dass auch die Regensburger Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer kam, als eine Aktiengesellschaft wie Vitesco Richtfest feierte für die neue Zentrale.

Gähnende Leere

Fast zwei Jahre später allerdings wirkt die Baustelle nahezu geisterhaft: Nur wenige Bauarbeiter sind unterwegs, einer erzählt, dass es in manchem Abschnitt derzeit auch gar nicht weitergeht. Kein Wunder: Vitesco hat den Umzug abgesagt – das Gebäude an der Osttangente droht, leerzustehen. Doch was ist geschehen?

Eine Sprecherin von Vitesco bestätigt auf Anfrage, „dass Vitesco Technologies ursprünglich geplant hatte, das Mietobjekt Maxhüttenstraße 2/2a in Regensburg mit Büro- und Laborflächen für rund 1000 Mitarbeitende zu nutzen“. Laut Sprecherin Emerenz Magerl-Ziegler kommt es aber nicht zum Umzug: „Nachdem der Mietvertragspartner die vertraglichen Verpflichtungen nicht zeitgerecht und vollständig erfüllt hatte, hat Vitesco Technologies nach gründlicher Abwägung die Entscheidung getroffen, dass das mit besagter Immobilie verbundene Risiko für Vitesco Technologies zu groß gewesen wäre.“

Vitesco Technologies habe daher von seinem mietvertraglich vereinbarten Rücktrittsrecht Gebrauch gemacht. „Über die Auswahl der ausführenden Baufirmen kann Vitesco Technologies keine Aussage treffen“, so die Sprecherin weiter. „Selbiges gilt für die Nachnutzungskonzepte des Bauherrn und Vermieters.“ Die Unterbringung der Mitarbeitenden in modernen und flexiblen Büroflächen in Regensburg ist sichergestellt, sagte Magerl-Ziegler.

Nach Informationen der MZ ist ein Konsortium aus Oberpfälzer Investoren für die Errichtung des Gebäudes verantwortlich. Wer genau, war nicht herauszufinden: Eine Bautafel war vor Ort nicht zu finden, die Stadt verweigerte die Auskünfte (siehe Kasten). Doch dass die Oberpfälzer über eine breite Expertise in Sachen Großimmobilien verfüge, bestätigte ein Sprecher: Jürgen Bleicher vom „Immobilien-Multi-Family-Office“ Pamera Real Estate Partners aus München erteilte Auskünfte über das weitere Vorgehen bei dem Gebäude an der Osttangente. „Grundsätzlich ist es bedauerlich, dass Vitesco von dem Mietvertrag zurückgetreten ist“, sagte Bleicher. „Dem Bauherren gefällt das überhaupt nicht.“

Doch man habe nach Angaben von Bleicher„eine sehr positive Einstellung, dass wir andere Mieter finden werden“. Man führe bereits das „ein oder andere Gespräch“, um das Bürogebäude zu vermieten. „Wir sind aber erst einmal dabei, die Gemengelage zu sortieren“, sagte Bleicher.

Das Projekt war laut dem Sprecher auf Vitesco zugeschnitten. Man werde Anfang Juni dem Gebäude einen neuen Namen geben und dann einen Auftritt präsentieren, um es doch noch zu vermarkten. „Warum es genau zu dem Rücktritt kam, wissen wir nicht“, sagte Bleicher. „Wir haben im ersten Quartal 2023 noch versucht, mit Vitesco auf einer geringeren Fläche einen Mietvertrag abzuschließen, aber das ist gescheitert“, so Bleicher.

Zu viele Forderungen?

In Architektenkreisen wird erzählt, dass Vitesco immer wieder Forderungen gestellt habe, das Bauvorhaben sich dadurch aber verzögerte – bis eine Rücktrittsklausel griff. Bestätigen will das bei Vitesco aber niemand. Beim Richtfest im September 2021 sagte Vorstandsvorsitzender Andreas Wolf jedenfalls noch das: „Da Nachhaltigkeit ein zentrales Fokusfeld unserer Strategie ist, stellen wir auch entsprechend hohe Ansprüche an unsere neue Unternehmenszentrale.“ Es kam anders.