WÜM-Nostalgie pur auf Facebook
„Du bist ein echter Waldmünchner, wennst...“, diese Frage stellte sich eine Herrenrunde um Stefan Wagner beim Stammtischabend, ausgelöst durch die Wiederauferstehung des alten WÜM-Kennzeichens. Beim nostalgischen Schwelgen in alten Zeiten steuerte jeder aus seiner Erinnerung spontan etwas bei über Personen, Geschäfte, Kneipen oder Erlebnisse von damals.
Stefan Wagner ging das nicht aus dem Kopf und so setzte er sich an den Computer und gründete im sozialen Netzwerk „facebook“ vor wenigen Tagen die Gruppe „Du bist ein echter Waldmünchner, wenn...“ – Mittlerweile umfasst diese über 1000 „Mitglieder“, die ihre Kindheits-Erinnerungen, aber auch ganz aktuelle Eindrücke aus der Trenckstadt posten.
Nur „Eingeborene“ verstehen
Da kommt man als Betrachter richtig ins Schwärmen, wenn man die facebook-Seite„Du bist ein echter Waldmünchner, wenn ...“ aufruft. Ganz stark vertreten sind dort die 70er und 80er Geburtsjahrgänge, ganz beliebte Themen sind der „Kino-Max“ vom HALI-Kino, der „Ringelstetter Siegi“, die „Nasch Mare“ oder Kindergarten-Schwester Monhilda, die nicht wenigen ihrer Schützlinge das Flötenspielen beigebracht hat.
„Du bist ein echter Waldmünchner“, dieser Satz wird individuell ergänzt und wohl nur die eingefleischten – oder eingeborenen? – Waldmünchner können mit solchen Angaben etwas anfangen: ...wennst in der Crazy Alm a Rüscherl trunken hast, ....wennst mit’m Stadtpfarrer Stern beim Eisstöckeln warst, ...wennst im alten Freibad Schlittschuh gefahren bist, ....wennst as „Schei...gasserl“ kennst, ...wennst dei Leberkassemml no beim Ruafn und as Zehnerleis bei der Beyerin kauft hast.
Gerade die früheren Geschäfte in der Trenckstadt sind ein großes Thema der Waldmünchner facebook-Community, egal ob Algro und Sudi, Schmuck Hornberger, Bastel- und Spielsachen im Haus der Geschenke bei der Hetzeneckerin, Zeitschriften Karpa, Bekleidungsgeschäft Reitter, die Stadt-Apotheke von Irmtrud Oberhofer, die Frau Waterloo, wo man im Türmchen Batterien, Technik Krims-Krams und Teile für sein Bonanza-Rad bekam. Natürlich vertreten ist auch Elektro Kögler, wo viele ihren ersten Walkman gekauft oder sich eine Video-2000-Kassette ausgeliehen haben oder der Bauer-Elektro, wo sich die kleinen Waldmünchner die Nase platt drückten und Zehnerl um Zehnerl einwarfen, um den Zug im Schaufenster fahren zu sehen.
Friseur-Dackel im Schaufenster
Die „Aussteuer“ wurde bei der Bacherl Schmiedin erworben, Zähne zog der Dr. Deinfelder und zum Haareschneiden ging man zum Herrn Mühle, dessen Dackel immer dekorativ im Schaufenster lag. Wirtshäuser und Kneipen wie der Buchauer, Köck-Keller, Bi-Wirt, Hammerbräu, Dirrmaler-Wirt, Hanusch und Schlegl werden ebenso wenig vergessen wie die Tenne, der Club 19, später dann das Fantasia und das Factory, das zunächst als „Tanz-Tenne“ eröffnet wurde.
Stadtansichten mit dem Spaett’n-Kamin oder dem alten Marktplatz werden ebenso ins Internet gestellt wie Fotos von Autos mit schönen alten und momentan wieder aktuellen WÜM-Kennzeichen.
Berichtet wird von Operationen durch Dr. Ranz im Waldmünchner Krankenhaus unter Assistenz von Schwester Rosenta, vom „Warmbadetag“ im alten Hallenbad samt Tauchring-Holen bei Bademeister Urban und von Erlebnissen mit Lehrern – wie dem „Geigenfranze“ und dem „Luftpumpen-Sepp“ – und Hausmeistern der Volksschule. Unvergessen auch die langen Warteschlangen schon in den frühen Morgenstunden, um beim Fuß eine Karte für den Brettlhupferball zu ergattern.
Die Profi-Waldmünchner wissen auch, wie man von der ersten auf die zweite Straß‘ kommt, wer der vordere und der hintere Torsperrer ist und, dass früher unsere Postleitzahl 8494 lautete. Und selbstverständlich hat der „echte Waldmünchner“ niemals beim Ertl-Schuster die Treppe benutzt, sondern ist die Rutschbahn hinuntergesaust, um unten im Karussell ein paar Runden zu drehen oder auf dem roten Elefanten zu reiten.
Facebook-Freund hin oder her, es macht so richtig Spaß, die Erinnerungen zu teilen und die Kommentare zu lesen. Fast im Minutentakt kommen neue Einträge dazu und es wird gepostet, was fast schon in Vergessenheit geraten ist. Außerdem finden sich auf dieser Plattform zufällig auch etliche Schulfreunde und Nachbarskinder, die man eventuell aus den Augen verloren hat.