Vom „Ostermeier“ ist nichts mehr übrig

Von Claudia Böken · 23. September 2011 um 18:29

REGENSBURG.In den vergangenen drei Wochen haben die Bagger am der Ostengasse ganze Arbeit geleistet. Die Ostermeier-Ruine, die dort seit 2004 stand und inzwischen fast zum Bild dieses Stadtviertels gehörte, ist verschwunden. Zwischen der Bäckerei Hummel und dem nächsten Haus an der Nordseite der Ostengasse, gibt jetzt eine riesige Baulücke den Blick über den Donaumarkt hin zur Donau frei.

Der Abriss war lange erwartet worden, hatte der Eigentümer des Areals, die Stadtbau GmbH, durch bereits 2004 damit begonnen. Schon damals waren vom Landesamt für Denkmalpflege auch Bodenuntersuchungen auf diesem Gelände durchgeführt worden. Erstaunt hat Anwohner dagegen, dass das westlich angrenzende Gebäude, dessen Fassade nach einem gotischen Stufengiebel aussah, ebenfalls abgebrochen wurde. Weit weniger spektakulär wirkende Gebäude in der Ostengasse stehen unter Denkmalschutz, ihre Eigentümer dürfen bei Sanierungen nur mit äußerster Vorsicht vorgehen.

Baubeginn 2013 erwartet

Auch dieses Haus war seit einigen Jahren im Besitz der Stadtbau, bestätigte deren Chef Joachim Becker. Und – tatsächlich – es habe unter Denkmalschutz gestanden. Nach einer Ortsbegehung mit dem Landesamt habe man die Genehmigung zum Abbruch erhalten. Bis Ende November würden die Donaumarkt-Flächen ausgeschrieben. Bis Weihnachten könnte ein Investor gefunden sein. Im ersten Halbjahr 2012 könnte der Architektenwettbewerb ausgeschrieben werde, mit dem Baubeginn am Donaumarkt rechnet Becker 2013. Anfang kommenden Jahres beginnt auch der Abriss des ehemaligen Brüchner-Gebäudes, das ebenfalls der Stadtbau gehört. Erhalten bleibt die Bäckerei Hummel.

Ob eines Tages auf dem neuen Donaumarkt irgend ein Gebäudekomplex eventuell an die einstige Wurstwarenfabrik Ostermeier erinnern wird, die die Knackwurst zur „Regensburger“ gemacht hat? Einst war die Firma der Stolz der Stadt, ein Aushändeschild, das den Namen Regensburg in der Welt bekannt gemacht hat. Nach dem Bau der Fabrik mit über 7000 Quadratmetern Betriebsfläche die 1973 eingeweiht wurde, hatte Ostermeier 345 Mitarbeiter und vermeldete einen Jahresumsatz von 37 Millionen Mark. Damit bildete das Unternehmen damals einen der wichtigsten Wirtschaftsfaktoren in der Stadt.

REGENSBURG.Verantwortlich für den Niedergang waren persönliche Schicksalsschläge der Familie: Nach einem Autounfall 1962 war Rosa Ostermeier an den Rollstuhl gefesselt. 1964 kam der einzige Sohn, Franz Ostermeier jun., 26-jährig bei einem Autounfall ums Leben. Im Januar 1978 stürzte der 68-Jährige Firmenchef während der Vorbereitungen zum 40-jährigen Jubiläum beim Spaziergang mit seinen Hunden auf den Winzerer Höhen. Der kleinen Verletzung, die er sich dabei zuzog, maß er keine Bedeutung bei. Durch blutverdünnende Medikamente die er seit langem einnehmen musste, verblutete er innerlich.

Pleite kam völlig überraschend

Die Witwe verkaufte den Betrieb zwei Jahre später an die Frank Holder Gruppe, die den Firmennamen und die bewährten Rezepturen beibehielt. Ostermeier-Spezialitäten waren bei den olympischen Spielen in Sarajevo, Los Angeles, Calgary, Seoul, Albertville, Barcelona, Lillehammer und Atlanta dabei.

Für alle unverständlich, als die Ära Ostermeier 1996 mit einer 20-Millionen-Pleite zu Ende ging. Angeblich, so war damals von Eigentümer Dr. Wilfried Holder zu hören, habe die Firma mit ihrem Stamm von 290 Mitarbeitern monatlich 300000 D-Mark Verlust eingefahren. Um die hoch verschuldete Fleischfabrik auf dem Donaumarkt, die seit der Insolvenz leer stand, kümmerte sich der Konkursrichter. Im Dezember 1997 fiel der ganze Komplex an die Firma Ubiterra, eine Tochter der Hypobank. 2002 kaufte die Stadtbau GmbH das Ostermeier-Areal – eigentlich weil am Donaumarkt das Kultur- und Kongresszentrum gebaut werden sollte. Jetzt wird dort Wohnbebauung erstellt.

Ostermeier-Wurst gibt es übrigens noch immer: Etliche Sorten werden in Geiselhöring hergestellt.