Brückenschoppen lockt auf die Steinerne: Regensburgs Wahrzeichen wird immer mehr zum Treffpunkt

Regensburg. Es ist spontan, unkompliziert, gesellig, lecker und dazu gibt es hier noch diesen unvergleichlichen Sonnenuntergang über der Donau: Da kommen die Regensburger gerne mit Drinks und Snacks. Manche übertreiben es dabei.
Das Regensburger Wahrzeichen zieht die Menschen inzwischen ähnlich an, wie die Alte Mainbrücke in Würzburg. Zwar wäre dies prinzipiell schon lange möglich gewesen. Allerdings war die Steinerne Brücke wegen der Sanierung zwischen 2010 und 2018 und damit lange acht Jahre eine Baustelle. Danach konnten sich die Regensburger ihres Gastronomieangebots noch eine Zeit lang sicher sein. Die Pandemie und die damit verbundenen Schließungen aber brachten sie dazu, sich das Wahrzeichen noch einmal neu erobern.
Neuer Treffpunkt seit Corona
Das bestätigt Sascha Almahmoud, der am Stadtamhofer Brückenbasar das Café Spital betreibt und in der Brückstraße das Café Rauscher: „Das ist seit Corona so“, sagt er. „Seither treffen sich mehr Menschen auf der Brücke und das hat auch nicht mehr aufgehört“, ergänzt Andreas Espig, Chef in der Trattoria Marina am Brückenbasar.
Die Regeln für diese Art des Ausgehens, die viele nicht mehr missen möchten, sind einfach: Die Steinblöcke am Geländer sind der Tresen für Weingläser, Bierflaschen und Snacks. Manche packen das Körbchen für dieses Picknick im Stehen schon zu Hause. Andere decken sich in den Lokalen und Bars an den Enden der Steinernen Brücke mit Pizza, Burgern, Eis oder Spritz ein. Straßenmusiker sorgen für mal mehr, mal weniger entspannte Klänge. Wer Gesellschaft sucht, lehnt sich lässig an den Granit und schaut, wer alles des Weges kommt. Wem nach einem Zwiegespräch ist, stützt die Ellenbogen aufs Geländer und sinniert beim Blick auf den Fluss und seine Ufer. So bekommt jeder seinen Ratsch. Hauptsache ist, dass alle ihren Platz eine halbe Stunde vor Sonnenuntergang gefunden haben, denn dann wird es voll auf der Steinernen. Dieses stimmungsvolle Spektakel will sich keiner entgehen lassen.
Die Gastronomen am Brückenbasar haben sich inzwischen auf diese Treffen eingestellt. Almahmoud hat das Konzept der Brückenhalbe aus der Taufe gehoben. Wer sich in einem seiner Cafés an den Enden der Steinernen etwas mitnimmt, kann das Leergut auf der anderen Seite des Bruckmandls wieder abgeben. Auch Espig von der Trattoria Marina sagt, dass er die komplette Karte seines Restaurants inzwischen auch zum Mitnehmen anbiete. Gerade Getränke würden gut gehen.
So ansprechend das auch klingen mag, die Sache hat auch ihre Schattenseiten: Manche der Feiernden schlagen über die Stränge. Deswegen haben sowohl der Kommunale Ordnungsservice (KOS) als auch die Polizeiinspektion (PI) Nord die Treffen auf dem Wahrzeichen im Auge.
Das ist gefährlich
Gefährlich ist es etwa, wenn sich die Menschen auf das Geländer setzen oder die Pfeiler erklimmen. „Personen, die sich auf die Brüstung setzen, werden im Gespräch auf die Gefahren hingewiesen. Die Stadt appelliert hier an die Eigenverantwortung und an das Verantwortungsbewusstsein aller“, sagt Juliane von Roenne-Styra, Pressesprecherin der Stadt.
Bisweilen komme es aber auch zu Flaschenwürfen von der Brücke auf die Jahninsel, illegalen Plakatierungen und Vermüllung. Wolfgang Fritsch von der PI Nord spricht weiter von Beleidigungen, Taschendiebstählen, Graffitis oder Körperverletzungen, die in diesem Bereich immer wieder gemeldet werden. Im Moment kontrolliere die Polizei die Steinerne Brücke deswegen bei Streifenfahrten oder Schwerpunktkontrollen auf der Jahninsel.
Auch Ruhestörungen kommen vor. Fritsch sagt, dass sich die gemeldeten Fälle aber allesamt nach einer Aufforderung der Polizei unterbinden ließen. Der KOS behält sich laut von Roenne-Styra in entsprechenden Situationen und nach Prüfung der Verhältnismäßigkeit dennoch vor, Platzverweise zu erteilen.


