Cham ist jetzt eine Hochschulstadt – und darf die Ortsschilder ändern

Cham. Vordergründig ist es nur eine Aufschrift auf einem Chamer Ortsschild: „Hochschulstadt“ steht da demnächst. Doch die Bedeutung hinter dieser Aufschrift ist genauso groß wie die Freude derer, die den Prototypen des neuen Schildes am Freitag erstmals präsentiert haben. Hochschulstadt darf man sich nämlich nur nennen, wenn man alle Kriterien dafür erfüllt.
Seit zehn Jahren wünschen sich die politisch Verantwortlichen schon die Bezeichnung, seit zwei Jahren ist der Wunsch realistisch, nun ist er Wirklichkeit geworden: Bürgermeister Martin Stoiber feierte das als „besonderes Ereignis“. Die Stadt habe 15 Jahre lang gemeinsam mit dem Landkreis um ihren Campus gekämpft und viel investiert. Mit dem neuen Semester werde man erstmals rund 550 Studenten in Cham begrüßen. Für die Zukunft gebe es euphorische Schätzungen von bis zu 1000.
Viele Studenten bleiben hier
Der Campus sei mit modernster Technik ausgestattet und auch für Landkreis und Land nachhaltig: Bis zu 49 Prozent der Studenten bleiben vor Ort, 60 Prozent in der Republik, rechnete der Bürgermeister vor. Stoiber dankte Landrat Franz Löffler und MdL Gerhard Hopp für deren hartnäckiges Engagement über all die Jahre.
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Landrat Franz Löffler erklärte: „Bildung hat in Cham einen besonderen Stellenwert. Deswegen darf das jetzt auf dem Ortsschild auch stehen.“ Löffler stellte fest, dass es nur sehr wenige Benennungen gibt, die auf einem Ortsschild zulässig seien. „Hochschulstadt“ sei eine davon. Die Kriterien von nachhaltiger Lehre und Forschung sowie nachhaltigem Studium seien genau evaluiert worden, bevor der Freistaat die Bezeichnung zugestanden habe.
Der Landrat erinnerte daran, dass der Campus sich bereits vor 15 Jahren zu Beginn seiner Amtszeit in der Gründungsphase befunden habe. Der Weg danach sei äußerst steinig gewesen, weil man auch in den Ministerien in München viele Widerstände überwinden habe müssen. Ein Durchbruch sei der erste Prüfungsjahrgang der Mechatroniker gewesen: „Als wir da landesweit vorne lagen, da hat ein Umdenken begonnen.“
Ein weiteres Kriterium sei der hartnäckige Einsatz von Stadt und Landkreis gewesen, die gemeinsam mit der Wirtschaft den Campus finanziert, ausgestattet und betrieben hätten. „Das war auch nötig, weil die Lehre in der Fläche damals noch nicht in den Köpfen war. Für uns hat sie aber immer zu den Grundlagen gleichwertigen Lebens außerhalb der Ballungsräume gehört“, so Löffler. Selbst um die Inhalte der Lehre habe man sich in der Wirtschaftsabteilung des Landkreises unter Klaus Schedlbauer mit gekümmert. Daraus sei die Mechatronik als Basis entstanden. „Rund 20 Firmen, die den Beruf des Mechatronikers ausgebildet haben, waren damals beteiligt“, erinnerte der Landrat. Das Ergebnis sei außerordentlich gut gewesen.
Nach zwei bis drei Jahren sei klargeworden, dass man anbauen müsse. „Damals hat der Freistaat begonnen, seine Strategie hin zur Lehre in der Fläche zu verändern“, so Löffler. Vor kurzem habe Ministerpräsident Markus Söder beim Landkreistag den Satz geprägt, dass er in jedem Landkreis einen Technologie-Campus haben wolle.
Die Chamer Handschrift
Heute würden im Chamer Campus Forschungsaufträge angenommen und Fördermittel akquiriert. Es gebe drei Studiengänge bis hin zu internationalen Masterstudiengängen. „Das Interesse aus aller Welt ist da, weil die Qualität stimmt“, so Löffler.
Demnächst werde es einen neuen Studiengang zu intelligenter Robotik geben. Inzwischen habe man auch die Verantwortlichen im Freistaat so überzeugt, dass in Cham erstmals mit bayerischen Mitteln ein Anbau erstellt wird. 5,3 Millionen Euro werden dafür in der Kreisstadt verbaut.
MdL Gerhard Hopp erinnerte an den weiten und steinigen Weg bis zum Erfolg. Das neue Ortsschild in Cham sei Symbol einer Entwicklung. Lehre in der Fläche spiele für gleichwertige Lebens-Chancen auf dem Land eine große Rolle. „Die bayerische High-Tech-Agenda trägt die Chamer Handschrift“, lobte Hopp. Es sei eine Win-win-Situation entstanden: Fachkräfte bleiben im Landkreis und die technische Entwicklung wird von örtlichen Firmen angestoßen und vor Ort genutzt. „Wir sind auf Augenhöhe mit der Welt“, so Hopp.