Stauen und Staunen: Die A93 löst sich in Einzelteile auf

Lärm und Staub begleiten das Verschwinden einer Autobahn. Die Betondecke der bisherigen A93 zwischen Bad Abbach und Saalhaupt (Landkreis Kelheim) wandelt sich in einem Brecher in handgroße Brocken. Noch heuer entsteht die neuen Fahrbahn in Richtung München. Bis dahin bleiben Staus und Ausweichverkehr ein Problem – ein Ort setzt jetzt einen Stopp.
Eine 1984 errichtete Autobahn demontieren und dabei den Verkehrsfluss wenig stören: Diese Herausforderung stellt sich auf elf Kilometern der A93. „Der komplette Verkehr spielt sich auf den eigentlichen Fahrstreifen Richtung Regensburg ab. Zwei Spuren davon führen aber jetzt nach München, eine nach Regensburg. Nur so haben wir Platz, dass auf der Baustelle von Bad Abbach nach Saalhaupt etwas vorwärts geht“, sagt Projektsprecher Christoph Graebel von der Autobahn GmbH Südbayern.
Die beiden Beton-Fahrbahnen, die bisher Richtung München führten, werden unter Einsatz von schwerem Gerät und rund 50 Arbeitern – von Bagger-, Lkw-Fahrern bis zu Maschinisten und Helfern – abgetragen. Der alte Fahrbahn-Aufbau von 65 Zentimetern, davon 22 Zentimeter Betondecke, wird rausgerissen.
Zerkleinert auf 4,5 Zentimeter große Brocken
Eine Würfelwalze, die mit einer Seite auf der Fahrbahn aufschlägt, bricht den Belag. Bagger setzen an und reißen etwa 50 bis 60 Zentimeter große Betontrümmer raus und kippen sie in den Brecher, an dessen Ende rund 4,5 Zentimeter große Brocken rauspurzeln. „Dieser Schotter wird in der neuen Autobahn wieder verwendet“, erklärt Markus Danzer, Leiter Abteilung Bau bei der Autobahn-Südbayern.
Nur zum Kirchgang ist Pause
Insgesamt 60000 Tonnen Beton werden geschreddert, rechnet er vor. Gearbeitet wird montags bis samstags, von 7 bis 18 Uhr. „Am Sonntag müssen die Arbeiter in die Kirche, um für gutes Wetter zu beten“, scherzt Danzer. Bis zum Herbst soll der neue Aufbau geschafft sein: 18 Zentimeter Tragschicht, 9 cm Asphaltbindeschicht und 3 cm Gussasphalt. „Der Belag wird um einiges leiser sein.“ In 2025 folgt das Prozedere in die andere Richtung.
Bau bedingt auch Stau auf der A93. „Man weiß nie, was einen erwartet“, sagt eine 47-Jährige aus dem Landkreis Regensburg, die beruflich nach Abensberg pendelt. Während es nach München meist reibungslos läuft, lässt die nur einspurige Strecke in Richtung Regensburg die Pendlerin auf die B16 ausweichen, „auch wenn ich da wegen Traktoren und Lkw nicht schneller bin“.
Ausweichen bringt wenig
Ihre Erfahrung entspricht genau den Erkenntnissen von Projektsprecher Graebel. „Wer die Autobahn meidet, kommt nicht zügiger voran.“ Allerdings folgten viele den Navis, „die ein paar Minuten Zeitersparnis anzeigen. Was sich aber erübrigt, wenn andere dieselbe Ausweichroute wählen.“
Staus in Richtung Regensburg bilden sich meist in den Stoßzeiten sowie besonders ab Donnerstag- und Freitagnachmittag. „Die größte Verzögerung bisher hatten wir mit 25 Minuten“, sagt Graebel. Innerhalb der elf Kilometer Einspurigkeit fließt der Verkehr meist ungehindert. „Den Stau ruft das Nadelöhr bei Saalhaupt hervor, wenn sich zwei Spuren zu einer verengen.“
Bisher zwei große Unfälle
Seit Einrichtung der Baustelle Anfang Mai kam es bisher zu zwei größeren Auffahrunfällen innerhalb der Ein-Spur-Trasse. Im ersten Fall war die A93 stundenlang gesperrt. „Aber Unfälle auf Autobahnen sind kein Baustellen-Phänomen. Wegen der Geschwindigkeitsbegrenzung fahren die Verkehrsteilnehmer sogar aufmerksamer.“ Die Feuerwehren steuern die Unglücksstellen von zwei Seiten an. „So finden wir heraus, aus welcher Richtung wir schneller hinkommen und dirigieren die nachfolgenden Einsatzfahrzeuge entsprechend“, sagt Kelheims Kreisbrandrat Nikolaus Höfler.
Auto- und Lkw-Fahrer, die das Nadelöhr Saalhaupt meiden wollen, verlassen die A93 oft an der Autobahn-Abfahrt Hausen in Zielrichtung B16 – zum Leidwesen der Anwohner. „Meistens wird über den Wahler Weg nach Hausen eingebogen. Dieser Weg ist relativ schmal und für diese Belastung nicht ausgelegt. Vor allem, wenn sich zwei Lkw begegnen“, erklärt Hausens Bürgermeister Johannes Brunner. Zudem führe diese Ausweichroute in Richtung Kirchplatz und an der Grundschule vorbei.
Sperre für Lkw ab 7,5 Tonnen
Die Gemeinde kündigt Konsequenzen an. „Wir werden den Wahler Weg für Lkw ab 7,5 Tonnen sperren. Landwirtschaftlicher Verkehr und Linienbusse sind frei“, sagt Brunner. Laut Projektsprecher Graebel erwägen auch andere Kommunen ähnliche Beschränkungen.
„Wir haben zwar keinen massiven Ausweichverkehr, aber die Belastung wird den Anwohnern zu viel.“
Nächste Baustelle
B16: Ab Mitte Juni wird an der B16 bei Saal a. d. Donau eine 850 Meter lange Lärmschutzwand errichtet. Bis November wird gebaut.
Verkehr: Da die B16 auf der anderen Seite verbreitert wird, bleiben wie bisher zwei Spuren (verengt) befahrbar. Einzig Tempolimits soll es es geben.





