Nach Schuhplattler auf dem Denkmal für das Synagogen-Pogrom: „Es tut uns sehr leid!“

Der Trachtenvereins-Vorstand entschuldigt sich nach der Berichterstattung über die Tanzaufführung auf dem Dani-Karavan-Denkmal in Regensburg bei der Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde. Doch nicht jeder Trachtler sieht das so wie Erich Tahedl.
Eine Kehrtwende um 180 Grad: So könnte man das bezeichnen, was Erich Tahedl, Trachtenvereins-Vorstand und CSU-Stadtrat, am Mittwoch absolvierte. Am Montag rechtfertigte er noch, dass am Wochenende junge Trachtler auf dem Dani-Karavan-Denkmal einen Schuhplattler absolvierten. „Es ist eben kein Mahnmal, sondern ein Kunstwerk“, sagte er der MZ. „Der Künstler wollte, dass sich Menschen dort begegnen und Tanz ist eine Form der Begegnung.“ Doch nach zwei Tagen die Kehrtwende. Tahedl und die Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde, Ilse Danziger, bestätigten ein versöhnliches Gespräch. „Ich habe Frau Danziger unsere Sicht der Dinge dargestellt und auch gesagt, was bei uns Trachtlern Konsens ist: Wir wollten und wollen niemanden kränken oder beleidigen.“
Tahedl sagte aber auch, dass die Debatte um den Tanz auf dem Denkmal, das den Grundriss der 1519 zerstörten jüdischen Synagoge darstellt, auch etwas Positives mit sich bringen würde: „Viele Regensburger wissen gar nicht, für was das überhaupt steht“, so Tahedl. Gleichzeitig freue er sich, dass durch die Berichterstattung und die damit einhergehende Debatte auch die Themen Tracht und Tradition Interesse geweckt hätten. „Viele Leute waren auf unserer Homepage und haben sich unsere Satzung durchgelesen“, sagte Tahedl.
Entschuldigung akzeptiert
Die Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde sagte nach dem Gespräch mit Tahedl: „Wir nehmen die Entschuldigung an.“ Danziger hatte noch am Montag davon gesprochen, dass sich viele Juden in Regensburg von der Aufführung verletzt gefühlt hätten. Ein Video kursierte, das die schuhplattelnde Gruppe zeigt, Zuschauer jubelten und klatschten dabei. Dass niemand an den Ursprung des Denkmals erinnert habe und die Aufführung gestoppt hätte, habe viele Gemeindemitglieder ebenso entsetzt. Die Aufführung sei „respektlos“, sagte Danziger noch am Montag. Nach der Entschuldigung Tahedls sagte sie: „Ich finde es gut, wenn wir jetzt wieder feinfühliger miteinander umgehen.“ Generell erschrecke sie, wie respektlos zwischenzeitlich in der Öffentlichkeit mit solchen Gedenkorten, aber auch anderen für viele heilige Orte umgegangen werde. Danziger hatte an die Neupfarrkirche erinnert.
Auch Vertreter der evangelischen Neupfarrkirche hatten sich angesichts der „Respektlosigkeit gegenüber der jüdischen Gemeinde und eine totale Geschichtsvergessenheit im Umgang mit der Regensburger Judenvertreibung“ entsetzt über die Aufführung gezeigt.
Im Gespräch unterstrichen Sabine Freudenberg und Pfarrer Thomas Koschnitzke von der Neupfarrkirche ihre Haltung zu der Aufführung: „Nicht das individuelle Verhalten der Schuhplattler ist problematisch, sondern die Frage ist doch: Wieso wissen sie nicht, was das für ein Ort ist?“, fragt sich Sabine Freudenberg vom Kirchenvorstand der Neupfarrkirche. „Der gesamte Neupfarrplatz verkommt und niemand tut etwas dagegen“, sagt Freudenberg. Auch Pfarrer Thomas Koschnitzke kann nicht verstehen, wieso die Stadt eine Genehmigung für den Tanz am Neupfarrplatz aussprach, „ohne zu sagen: Aber nicht auf diesem Denkmal!“ Beide sind sich einig: „Wir haben ein gesellschaftliches Problem, wenn den Menschen nichts mehr heilig ist.“
Doch nicht jeder sieht das so wie zwischenzeitlich Tahedl und die Vertreter der Neupfarrkirche. „Das Relief ist kein Mahnmal und kein Denkmal, sondern Ort der Begegnung“, hieß es von Alexander Herold, Pressewart des Volkstrachtenvereins Almrausch Stamm Regensburg.
„Im Tanz näherkommen“
„Und es gibt nicht viel Gelegenheiten, bei denen man sich näher kommt als bei Tanz“. Die Kritiker sollten sich laut dem Trachtenvereins-Vertreter „einmal fragen, ob sie genauso reagiert hätten, wenn hier eine israelische Gruppe einen Hora – ein israelitischer Kreistanz – zu dem Lied Hava nagila aufgeführt hätte. Vermutlich nicht.“ Dem widersprach Danziger: „Zum einen stünde ein solcher Tanz ja in Verbindung zum Kontext des Denkmals, zum anderen würde ich aber generell empfehlen, jede Aufführung vor und nicht in dem Denkmal durchzuführen.“ Und auch Tahedl widersprach: „Wir sollten nicht soweit kommen, dass wir Tänze miteinander vergleichen. Das Kunstwerk war nicht als Tanzstätte vorgesehen.“


