Das Europe Direct-Büro bringt Furth im Wald näher an Europa

Von Alexander Frimberger · 24. Mai 2023 um 11:00

Furth im Wald. Die Ausstellung „Grenzerfahrung“ im Landestormuseum war am Montag Kulisse für einen hochkarätigen Besucher. Renke Deckarm war aus München angereist, um sich mit dem Further Büro Europe Direct ein europäisches Vorzeigeprojekt anzusehen.

Deckarm ist seit kurzem Geschäftsführender Leiter der Vertretung der Europäischen Kommission mit Sitz in München. Hinter der etwas sperrigen Bezeichnung versteckt sich ein Mann, der so etwas wie ein Vermittler zwischen der EU-Kommission und des EU-Parlaments mit Bürgern und Kommunalpolitikern ist. Sein Zuständigkeitsbereich erstreckt sich über die Bundesländer Bayern und Baden-Württemberg. Deckarm war in die Drachenstichstadt gekommen, um sich vor Ort über das Europe Direct-Informationszentrum zu informieren.

Büro in Furth im Wald gegründet im Jahr 2005

Gegründet im Jahr 2005, ist es eine weitere Schnittstelle zwischen den Bürgern und der EU. 50 solcher Büros gibt es in Deutschland, sechs in Bayern und nur eines in der Oberpfalz. Das Informationszentrum in Furth im Wald ist damit so etwas wie eine Filiale der EU. „Wir haben aufgrund unserer Grenzlage schon immer Europabezug gehabt“, sagt Karin Stelzer, Leiterin des Büros, das im Erdgeschoss des Rathauses beheimatet ist. Deswegen hat man sich vor knapp 20 Jahren beworben und auch den Zuschlag bekommen. „Wir sind die Schnittstelle für alle Fragen, die die EU tangieren. Auf regionaler Ebene und grenzüberschreitend“, erklärt Stelzer. Die Anfragen, die bei ihr eintreffen, sind mannigfaltig und ganz pragmatisch. Was muss ich nach einem Unfall in Tschechien machen, wenn die dortige Feuerwehr ausgelaufenes Öl von der Straße entfernt und in Rechnung stellt? Was muss ich beachten, wenn ich in ein EU-Land auswandern will? Diese und ähnliche Fragen werden häufig gestellt. Das Europe Direct-Büro vermittelt die richtigen Ansprechpartner. „Am häufigsten erhalten wir aber tatsächlich Anfragen zu Facharbeiten von Schülern oder Diplomarbeiten“, so die Büroleiterin. Erst vor kurzem hat sie einen Studenten an Deckarm verwiesen, der Informationen zum sogenannten Europäischen Grünen Deal benötigt hat.

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So lässt sich die Verbindung zwischen Bürgern, Europa Direct, Deckarm und EU-Kommission am bildhaftesten darstellen: Eine Frage durchwandert die Instanzen und kann so fachlich beantwortet werden. Das Ganze funktioniert natürlich auch andersherum, wenn es darum geht, Beschlüsse und Vorstellungen der EU an der Basis zu erläutern. Das, gibt Stelzer zu, ist gar nicht so einfach. Alle Deutschlandbüros, mit denen Stelzer im ständigen Austausch steht, haben das selbe Problem. „Wir sind angehalten, regelmäßige Veranstaltungen durchzuführen.“ Die sind aber häufig nur sehr dürftig besucht. Vielleicht, so ihre Vermutung, ist die EU zu selbstverständlich geworden. Und: „Wer schlecht über die EU denkt, kommt sowieso nicht zu den Veranstaltungen, und wer zufrieden ist, denkt sich vielleicht, dass alles in Ordnung ist.“

Trotzdem sieht sie diese zweite Säule ihrer Aufgabe, also über die Arbeit in der EU zu informieren, durchaus positiv. Gerade junge Leute, die ja ab dem kommenden Jahr erstmals schon mit 16 Jahren das EU-Parlament mitbestimmen dürfen, seien für die Informationen dankbar. „Um das klar zu sagen, wir sind absolut überparteilich, arbeiten mit Abgeordneten aller Parteien zusammen. Wir fordern nur dazu auf, pro europäisch zu wählen, also diejenigen Parteien, die europäische Werte schützen.“

Eine dritte Säule macht die Arbeit darüber hinaus aus. Man erfasst die Stimmungslage vor Ort, schreibt Tätigkeitsberichte, gibt Feedback, was dem Bürger auf den Nägeln brennt und leitet die Informationen an die EU-Kommission weiter. Aktuelles Beispiel: „Die Grenzschließung nach Tschechien während der Pandemie haben die Menschen vor Ort nicht verstanden und auf die EU geschimpft.“ Die Grenze ist auch der Aspekt, wo Europa in Furth im Wald am deutlichsten sichtbar wird. Die erworbene Freizügigkeit zwischen den Ländern ist eine große Errungenschaft.

Europa ein persönliches Anliegen

„Für mich ist das nicht nur eine dienstliche Aufgabe, sondern auch ein persönliches Anliegen. Die Grenze und ihre Geschichte haben uns geprägt.“ Diese Haltung mag auch der Grund sein, warum sich das Europe Direct Büro in Furth im Wald befindet. „Das muss sich eine Stadt auch erst einmal leisten können. Das ist keine Einrichtung für Furth, sondern für die ganze Region.“ Stelzer ist auch Leiterin des Kulturamtes und findet, das passt sehr gut: „Kultur und Europa bilden schon immer eine Einheit.“

Zwei, die zwischen München und Furth im Wald gut interagieren: Renke Deckarm und Karin Stelzer.