„Er bedeutet mir alles“: Immer mehr Regensburger legen sich einen Hund zu

Regensburg. Für die einen ist der vierbeinige Begleiter ein Lebensinhalt. Die anderen haben sich in der Corona-Zeit Hunde angeschafft und kommen damit nicht klar. Das Regensburger Tierheim ist völlig ausgelastet – zunehmend mit schwierigen Mischlingen.
Bei einer Reise in Guatemala ist Luis G. ein junger Straßenhund zugelaufen. „Er war halbtot, hatte Hautprobleme, Zecken und Würmer“, erinnert sich der 24-Jährige. Er wusste, dass der Vierbeiner ohne Hilfe nicht überleben würde. Luis G. nahm ihn kurzerhand mit nach Deutschland. Inzwischen ist Delphino, so hat er ihn genannt, erwachsen – und kerngesund. „Er bedeutet mir alles“, sagt der Krankenpfleger. „Er ist immer bei mir, außer wenn ich arbeite.“ Beim Interview in der Altstadt lässt Delphino sein Herrchen nicht aus den Augen. Der Mischling wirkt aufmerksam und freundlich.
Das Bayerische Landesamt für Statistik hat Ende April gemeldet, dass Hundesteuer in Höhe von mehr als 38,2 Millionen Euro an Städte und Gemeinden im Freistaat geflossen ist – eine Rekordsumme. Seit 2013 sind die Hundesteuer-Einnahmen um 50,7 Prozent gestiegen. Den höchsten Zuwachs in der Zeit mit über neun Prozent registrierten die Statistiker im Corona-Jahr 2021. 2022 gab es nochmals ein Plus um mehr als sechs Prozent.
Hunde in Regensburg: Mischlinge besonders beliebt
In der Pandemie haben viele Menschen das Homeoffice entdeckt und sich einen Hund angeschafft. Andere retten wie Luis G. Straßenhunde, meist aus Süd- oder Osteuropa.
„Wir kriegen immer mehr Hunde“, bestätigt Juliane von Roenne-Styra, Leiterin der städtischen Pressestelle. Die Hundesteuer-Einnahmen legen laufend zu. 2022 nahm die Stadt Regensburg rund 350000 Euro ein. Die Anzahl der Hunde im Stadtgebiet betrug 4116, 2021 waren es noch knapp 4000 gewesen. Die meisten Regensburger Hundefreunde entscheiden sich für einen Mischling. Davon gibt es 910. Dass viele davon Straßenhunde aus dem Ausland sind, bestätigt Andrea Aumeier, Mitarbeiterin im Tierheim.
Insgesamt bevorzugen die Stadtbewohner kleine Vierbeiner. Beliebteste Rasse ist der Chihuahua (Anzahl 163). Allerdings ist auch der große Labrador gefragt (149).
Margit Hofbauer führt den kleinen Cayo im Welterbe aus. Der russische Bolonka Zwetna zittert an diesem kühlen Tag. Hofbauer ist mit einem Vierbeiner aufgewachsen. Ein Leben ohne Hund kommt für sie nicht infrage. Den Zaren-Schoßhund hat die 62-Jährige gewählt, weil er leicht zu erziehen ist und nie nervös wird. Hofbauer läuft fast täglich zehn Kilometer mit Cayo. Sie fährt mit ihm Ducati und Fahrrad. „Wenn er das Motorrad hört, steht er sofort da“, erzählt sie. Cayo kommt in eine Korbtasche, die auf dem Tank befestigt ist.
Regensburg: Tierheim völlig ausgelastet
Bis vor kurzem hat Margit Hofbauer als Ausbilderin in der Akutpflege gearbeitet. Therapiehund Cayo begleitete sie ins Altenheim. Das Leichtgewicht sprang zu Pflegepatienten aufs Bett und ließ sich ausgiebig streicheln. Bolonka Zwetna sind bekannt dafür, dass sie kuscheln. „Er hat viele Patienten beruhigt“, sagt die Ausbilderin.
Doch nicht alle Menschen sind mit ihren Hunden so glücklich wie Luis G. und Margit Hofbauer. Das Tierheim ist völlig ausgelastet, weil es mehr als 20 Hunde versorgt, darunter viele verhaltensauffällige, die einen Maulkorb tragen und intensive Betreuung brauchen.
„In der Corona-Zeit sind die Hundezahlen stark gestiegen“, sagt Andrea Aumeier. „Jetzt kommen viele zu uns.“ Die Halter seien oft nach ein bis zwei Jahren maßlos überfordert. Einige haben Straßenhunde aufgenommen, was die Tierheim-Mitarbeiterin nicht schlecht findet. Doch man müsse sich versichern, dass die vermittelnde Organisation den Hund im Notfall wieder zurücknimmt.
„Bei den Mischlingswelpen erkennt man die beteiligten Rassen nicht immer“, sagt Andrea Aumeier. Sei Vater oder Mutter ein Kangal-Hirtenhund gewesen, beschütze das Tier die Familie wie eine Schafherde. Die 49-Jährige hat erlebt, dass ein Kangal-Mischling keinen Gast mehr ins Haus ließ.
Höhere Steuer für Kampfhunde
Aggressives Verhalten ist einer der Hauptgründe, warum Hunde abgegeben werden. Auch wenn Halter umziehen und den Vierbeiner nicht mitnehmen dürfen, oder nach einem Todesfall springt oft das Tierheim ein. Um die Zahl angriffslustiger Tiere niedrig zu halten, verlangt die Stadt übrigens für Kampfhunde wie den American Staffordshire-Terrier eine jährliche Steuer von 480 Euro, beim zweiten sogar 640. Bei allen anderen Rassen sind es 80 und 120 Euro.

