Die märchenhafte Geschichte des Waldmünchner Spitals

Waldmünchen. Eine fehlte: Rapunzel. Sie hätte, wenn es nach Markus Ackermann und Wolfram Winter gegangen wäre, dann ihr Haar heruntergelassen können aus dem Turm des Bürgerspitals. Das hat nach der Sanierung eine Menge (neues) Märchenhaftes dazugewonnen. Und seit wenigen Tagen eine erste Bewohnerin – wenn auch nicht Rapunzel.
In „sportlichen“ eineinhalb Jahren Bauzeit haben die beiden Eigentümer Wolfram Winter und Jürgen Faust das Spittel von Grund auf saniert und das Dach ausgebaut. Die vier (der insgesamt 13) Wohnungen, die dort entstanden sind, nehmen eine Sonderstellung ein. Sie können Neubaustandard vorweisen.
Vorgabe: Erhalten, was geht
Für Alles andere galt: Erhalt‘, was du kannst – zumindest war dies Winters Vorgabe für die Arbeiten. Das findet sich im Kleinen wie im Großen wieder. Seine Optik hat das denkmalgeschützte und mehr als 120 Jahre alte Gebäude größtenteils behalten. Im Inneren wurden jede (Boden)Balken, jede Fliese, die dies noch hergab, erhalten. Steine wurden aufgehoben und an anderer Stelle wiederverbaut. Mit einer entscheidenden Folge: Das Haus hat nichts von seinem ursprünglichen Flair eingebüßt.
Ein begeisterter Bürgermeister
Das konnte und wollte Bürgermeister Ackermann nur allzu gerne bestätigen und dick unterstreichen. Er nutzte den Besuch der Münchner, um sich kurz vor Abschluss der Arbeiten ein Bild zu machen. Selbiges begeisterte ihn: „Da ist ein Schmuckstück entstanden, noch dazu an einer der Haupteinfahrstraßen in die Stadt“, freute er sich sichtlich. Die Eigentümer, ihre Besonnenheit, ihre Sensibilität und ihr Streben nach Qualität seien ein Glücksfall für Waldmünchen.
„Die perfekte Situation“
Ackermann fand noch mehr Positives: Seriöse Partner mit einer entsprechenden Philosophie, eine perfekte Situation. Zumal sie sich weder durch Pandemie noch Kostensteigerungen (die sie tragen müssen) vom Weg abbringen ließen. Herausstellen wollte er zudem das Zu- und Vertrauen in regionale Betriebe und eine ortsansässige Architektin.
Lob für die Architektin
Die gab in Person von Yvonne Schrattenthaler das Lob zurück. Bauherren wie die Professoren könne man sich nur wünschen. Weil die vom ersten Moment an „viel Feingefühl“ für das Gebäude und seine Geschichte aufbrachten. Und tun, denn nach wie vor ist die Frage, was mit der Kapelle passiert, ungeklärt. Winter und Faust sind an einer sensiblen Lösung interessiert – weiteres Zeichen, dass die beiden medienaffinen Hochschullehrer das Wort Rendite eher aus dem Lexikon kennen.
Steine gestohlen
Es gibt Wichtigeres, Stichwort Begeisterung. Dass Treppenhaus, dass Fliesen erhalten bleiben. Dass Steine wiederverwendet werden. Ein gutes Stichwort, gab Wolfram Winter doch zu, „ein, zwei“ Steine gestohlen zu haben...Damit der Geständnisse nicht genug. „Ich bin ein Steinegrabscher“, gibt der erfolgreiche Manager zu.
Erfolg dank regionaler Firmen
Stichwort Erfolg: Entscheidende Basis dessen ist nach Überzeugung von Winters „Co“ Jürgen Faust die Verwurzelung. Regionale Betriebe, Yvonne Schrattenthalers Kontakte, die nicht zuletzt dank ihres guten Netzwerks die Aufträge ausführten.
Handwerker, für die die Baustelle mehr gewesen sei als eine solche. „Die haben sich absolut identifiziert.“ Zur Geschichte gehört, dass die Firmenchefs keine paar Tage auf ihr Geld warten mussten. „Die Kleinen nicht zu bezahlen, tut denen richtig weh“, unterstreicht Faust.
Wohnungs-Käufer aus München
Szenenwechsel. Über ein Immobilienportal ist ein Münchner, eigenem Bekunden nach mit Niederbayern-Oberpfalz-und Denkmalobjekt-Affinität, auf das Objekt aufmerksam geworden. Zwar lag Waldmünchen zunächst außerhalb seines Suchradius‘, aber „ich bin kein Freund der harten Grenzziehung“.
„Mit Liebe gemacht“
Zwei Wohnungen hat der Architekturbegeisterte erworben, ist nach wie vor begeistert. „Mit viel Liebe gemacht“, sagt er zu der gelungenen Sanierung, die auch er maßgeblich den örtlichen „und nicht irgendwelchen“ Handwerkern zuschreibt. Wie überhaupt Alles rund um das Spital auf einer „wunderbaren Handlungsgrundlage“ basiere. „Das ist super geworden“, schwärmt er. Sein Beitrag: hochwertige Küchen, eingebaut natürlich vom Fachmann um die Ecke.
Waldmünchen? Jetzt schon!
Mitgefangen, mitgehangen, könnte man das Engagement seines Bekannten überschreiben. Eines Tages kam das Gespräch auf Kapitalanlagen – und Waldmünchen („das ich tatsächlich bis dato nicht kannte, aber der Perlsee und die Hügel...toll“). Ihm gehören drei Wohnungen im Erdgeschoss, darunter die mit gut 75 Quadratmetern größte. „Stimmig in sich“, ist auch er voll des Lobes für die Art, wie das alte Gebäude angegangen und hergerichtet wurde.
Alt und neu im Einklang
„Es ist gut, wenn Altes erhalten bleibt“, schickt er voraus, „und wenn dann noch derart gekonnt und überlegt Neues integriert“ werde... Bestes Beispiel: Die historischen Zementfliesen in einer seiner Wohnungen. „Das hat was!“
Keinen Moment habe er die Kaufentscheidung bereut, zu der Gespräche mit Immobilienmaklerin Elke Probst und Architektin Schrattenthaler maßgeblich beigetragen hätten, weil sie voll und ganz hinter Konzepten und Werten stehen würden. Der Bau und seine Historie hätten ihn sofort in seinen Bann gezogen, gibt der Münchner gerne zu.
Sorgen, dass die Wohnungen keinen Mieter finden könnten, hat er keine. Zumal er sich ein wenig Geduld leisten kann und nichts übers Knie brechen muss.
„Es muss passen“, weist er auf Wichtigeres hin. Das tut es, wenn jemand das schätzt, was da entstanden ist. Märchenhaftes, mit und ohne Rapunzel.


