Kelheimer Hafen: Getreide, Dünger, Autos – und bald Wasserstoff?

Von Jan-Lennart Loeffler · 11. Mai 2023 um 05:00

Im Kelheimer Hafen wird die Bahn als Transportmittel wichtiger. Doch für das Schiff gibt es neues Potenzial. Bei den Umschlaggütern kann bald Neues hinzukommen.

Die Fläche am östlichen Ende des Hafenbeckens ist freigeräumt. Der Raupenkran steht schon bereit. In wenigen Tagen sollen hier per Binnenschiff die ersten Kabeltrommeln ankommen für den Südostlink, die große Erdkabel-Leitung, die einmal Strom aus Erneuerbaren Energien von Norddeutschland nach Bayern transportieren soll.

Eine weiterer Schritt in Sachen Energiewende ist am Kelheimer Hafen schon gemacht. In Kelheim könnte künftig Wasserstoff von Bedeutung werden: Vor knapp zwei Wochen wurde das neue Technologie-Transferzentrum (TTZ) Wasserstoff-Cluster Donau auf dem Hafengelände eingeweiht. Geht es hier zunächst um Forschung, so könnte der Energieträger Wasserstoff für Kelheims Hafen künftig auch als Transportgut von Bedeutung werden. „Wir planen schon, auch Wasserstoff umzuschlagen“, sagt Hafen-Geschäftsführer Tobias Schlauderer. Die Abnehmer wären schon da. Aber: „Es geht um die Infrastruktur.“

Massengüter und Autologistik

Aktuell prägen noch andere Güter den Umschlag am Kelheimer Hafen. Drei große Ansiedler gibt es auf dem Hafengelände. Zwei davon – Osterhuber Agrar und die Spedition TKB – sind unter anderem auf die klassischen Massen- und Schüttgüter spezialisiert wie Dünger, Getreide, Rohton. Dazu kommen pro Jahr rund 20.000 Festmeter Holz aus dem bayerischen Staatswald. Eine weitere Firma schlägt Gleisschotter um.

Auch Schwergüter wie Transformatoren oder mal ein Braukessel kommen über den Kelheimer Hafen an ihren Bestimmungsort. Weitaus sichtbarer ist jedoch der dritte große Ansiedler: Die BLG Autologistik, die so schätzt Schlauderer, rund 35.000 Fahrzeuge am Kelheimer Hafen stehen hat. „Zwei bis drei Mal in der Woche kommen Ganzzüge mit Autos“, sagt Schlauderer. Ein Ganzzug ist rund 700 Meter lang.

Zweites Gleis in den Hafenbereich

Und der Schienenverkehr nimmt zu – nicht nur bei den Autotransporten. Darauf stellt sich der Hafen ein: „Wir bekommen ein zweites Gleis in den Hafenbereich“, sagt Schlauderer. Führen soll es durch das ehemalige Südchemie-Gelände. Diese zweite Zufahrtsmöglichkeit, die bis Ende des Jahrs fertig sein soll, braucht der Hafen auch. Fast 130.000 Tonnen wurden im vergangenen Jahr am Kelheimer Hafen mit der Bahn umgeschlagen. Das ist immer noch weniger, als die über 300.000 Tonnen, die 2022 mit dem Binnenschiff umgeschlagen wurden. Hinzu kommen beim Schiffsverkehr noch rund 60.000 Tonnen, die an der Lände in Riedenburg umgeschlagen werden.

Doch während der Umschlag mit der Bahn zunimmt, stagniert das Binnenschiff. Das könnte sich nicht zuletzt durch Wasserstoff ändern, der auch mit dem Binnenschiff transportiert werden kann.

Münchens nächster Hafen

Wasserseitig hätte man sogar noch die Möglichkeit einer Erweiterung des Hafens, „aber das ist zurzeit kein Thema“, sagt Schlauderer. Die Konkurrenz durch den nur knapp 40 Kilometer donauabwärts gelegenen – und nach Gesamtumschlag mehr als doppelt so großen – Regensburger Hafen schreckt Schlauderer, der seit rund drei Jahren Geschäftsführer in Kelheim ist, nicht. „Jeder Hafen ist anders spezialisiert“, sagt der Kelheimer Hafen-Chef. Regensburg habe ganz andere Dimensionen. Und anders als in Regensburg gebe es in Kelheim keinen Container-Umschlag und auch einen eigenen Ölhafen findet man hier nicht.

Schlauderer weist auf einen Standortvorteil hin: „Uns zeichnet die Lage aus. Kelheim ist der nächste Binnenhafen am Großraum München.“ Direkt an der B16 und der Donautalbahn gelegen habe man auch hier beste Voraussetzungen für eine trimodalen Güterumschlag, also mit Binnenschiff, Lkw und Bahn.

Im Hafengebiet gibt es rund 800 Arbeitsplätze. Schlauderer selbst hat rund 20 Mitarbeiter. Sein Hafen ist in kommunaler Hand – wie Deggendorf und Straubing als Zweckverband organisiert – und gehört nicht zur Bayernhafen-Gruppe,die neben Regensburg noch weitere Standorte entlang der Donau und es Main-Donau-Kanals in Aschaffenburg, Bamberg, Nürnberg, Roth und Passau betreibt.