Es war eine Institution: Peter Schunk schließt sein Crepresso in Neumarkt

Die gute Nachricht zuerst: Wer die Crêpes von Peter Schunk liebt, muss auch in Zukunft nicht darauf verzichten. Zur „Nacht der Sinne“ und auf dem Frühlingsfest ist er mit einem Stand vertreten. Doch sein Crepresso hat am Samstag das letzte Mal geöffnet.
Der Grund: Personalmangel. Langjährige Mitarbeiter gehen in Rente, haben sich verändert oder fallen aus gesundheitlichen Gründen aus. Monatelang habe er über alle Kanäle nach Ersatz gesucht, erzählt der 56-Jährige. Ohne Erfolg.
Menschen, die sich als Quereinsteiger etwas dazu verdienen wollen, gebe es, sagt Schunk. Aber er braucht Profis, die das Café eigenverantwortlich übernehmen, wenn er auf Veranstaltungen unterwegs ist. Denn der zertifizierte Barista und Konditormeister bietet seine süßen und salzigen französischen Leckereien mittlerweile quer durch Deutschland an, zum Beispiel auf Messen.
Inspiration fand Schunk in Paris
„Terrasse du café le soir“ lautet der Titel eines Bildes von Van Gogh. Es zeigt ein stimmungsvolles Bistro mit kleinen Tischen an einer Straßenecke. Genau so ein Café wollte Peter Schunk einmal haben. „Und genau so ist es geworden.“
Nach Jahren als Konditor in verschiedenen Hotels hatte er die Idee, sich mit einer Crêperie selbstständig zu machen. Die Inspiration dafür fand er in Paris. Zuerst war er nur mit einem mobilen Stand unterwegs, dann bot sich an der Ecke Kastengasse/Klostergasse die Möglichkeit, seinen Traum wahrwerden zu lassen.
„Mein Baby, meine Leidenschaft, meine Liebe“
Fast auf den Tag genau 20 Jahre lang hat er ihn mit zahlreichen Stammgästen geteilt. Gäste, die nicht nur kamen, um etwas zu essen oder zu trinken, sondern, um sich Zeit zu nehmen für ein Treffen mit Freunden oder Familie. Im Crepresso konnte man auch alleine einen Kaffee trinken, Zeitung lesen, mit dem Chef einen Plausch halten oder warten, bis sich ein bekanntes Gesicht dazugesellte. Das Crepresso zu schließen, bedeutet deshalb nicht nur für Peter Schunk mehr, als dass nur eine weitere Gastronomie verschwindet.
„Das Crepresso war mein Baby, meine Leidenschaft, meine Liebe“, sagt der 56-Jährige. Ihm falle die Entscheidung deshalb unendlich schwer. Aber er habe einen neuen Traum: einen Bonbon-Laden.