Suzanne Beer aus Paris bei Gala in Regensburg: „Mein Vater wäre sehr glücklich“

Riesenjubel im Antoniushaus: Zur Operetten-Gala des Theaters kam auch Suzanne Beer, Philosophin und Künstlerin aus Paris – und Tochter von Komponist Joseph Beer (1908 bis 1987).
Suzanne Beer hörte in Regensburg, bei der Gala „Du bist meine große Liebe“, zum ersten Mal Musik aus „Der Prinz von Schiras“. Ihr Vater hatte die exotische Operette als blutjunger Mann komponiert. Das Werk wurde ab der Uraufführung 1934 in Zürich ein internationaler Erfolg und markierte den kometenhaften Aufstieg des Künstlers. Die Nazis brachten ihn dann aber um seine Karriere: Joseph Beer musste 1938, beim Anschluss Österreichs an Hitler-Deutschland, fliehen, lebte über Jahre in Verstecken und komponierte unter falschem Namen, als Ghostwriter. Bis heute ist nicht bekannt, wie viele Werke ihm zugeschrieben werden müssten.
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Für Suzanne Beer war die Gala in Regensburg ein unvergessliches Erlebnis, wie sie der Mediengruppe Bayern schilderte. Sie sei überrascht, wie jazzig, auch frivol und kein bisschen angestaubt die Lieder klingen, sagte sie. Die exotische Operette, anspruchsvoll und tricky orchestriert, erinnert an Musik von Kurt Weill, George Gershwin und Franz Lehár. Im NS-Regime und nach Beers Flucht geriet sie in Vergessenheit, Noten hatten sich kaum erhalten.
Noten zufällig in einem Antiquariat entdeckt
Das Werk galt als verschollen, bis Intendant Sebastian Ritschel und Chef-Dramaturg Ronny Scholz es auf abenteuerlichen Wegen wieder entdeckten. In einem Berliner Antiquariat waren die zwei musikalischen Schatzgräber zunächst zufällig auf die Klavier-Partitur zu „Der Prinz von Schiras“ gestoßen. Sie setzten dann alle Hebel in Bewegung, um weitere Noten aufzutreiben und die Operette zu reorchestrieren. Im Dezember 2023 wird der „Prinz“ nun im Theater am Bismarckplatz in Regensburg erstmals nach rund 90 Jahren wieder auf einer Bühne zu erleben sein, bei der deutschen Erstaufführung.
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Bei der aktuellen Gala, die drei Mal im Antoniushaus zu erleben war, wurden drei „Perlen“ aus dem „Prinzen“ uraufgeführt, Schlager wie „Bussi“ und „Was am Dach die Spatzen pfeifen“. Orchester und sieben Solisten des Ensembles präsentierten außerdem Lieder aus„Polnische Hochzeit“, Joseph Beers zweiter Operette. Sie hatte 1937 ebenfalls in Zürich Weltpremiere. Die geplante österreichische Erstaufführung mit Richard Tauber in Wien war dann bereits von den Nationalsozialisten verhindert worden.
Operetten-Revival: erst in Graz, jetzt in Dresden
Heute erlebt die „Polnische Hochzeit“ auf einer Reihe von Bühnen ein Revival, an dem Intendant Sebastian Ritschel nicht ganz unbeteiligt ist. Er hatte das Werk 2018 an der Oper Graz inszeniert. Die Produktion erhielt begeisterte Kritiken, wurde im Dezember 2018 mit dem Operettenfrosch von BR Klassik ausgezeichnet und stieß eine Wiederentdeckung an. Intendantin in Graz war 2018 bereits Nora Schmid. Sie hatte, wie Ritschel am Rand der Gala erzählte, damals schon länger einen Regisseur für die „Polnische Hochzeit“ gesucht, genau wie umgekehrt Ritschel. Er fand das Werk entschieden unterschätzt und zu Unrecht missachtet, wollte es rehabilitieren und hatte ebenfalls schon länger nach einem Haus Ausschau gehalten, das es aufführen wollte.
Ein Familientreffen in Dresden
Nora Schmid übernimmt ab der Spielzeit 2024/25 die Intendanz an der Semperoper Dresden. Und in Dresden, an der Staatsoperette, kam die „Polnische Hochzeit“ vor ein paar Wochen, Ende April, neu auf die Bühne. Die Premiere wurde zu einer Art Familientreffen: Suzanne Beer und ihre Schwester Beatrice Beer, Sopranistin aus Philadelphia/USA, reisten an, genau wie Ritschel und Scholz und weitere Beteiligte aus der Musikwelt.
Von der temperamentvollen Regensburger Gala, bei der es das Publikum kaum auf den Sitzen hielt, zeigte sich Suzanne Beer hingerissen. Auf der Bühne sagte sie zum Ensemble und zum Leitungsteam des Theaters: „Ich danke Ihnen von Herzen! Mein Vater wäre heute sehr glücklich.“
