Sanierung des Pfaffensteiner Tunnels: Kann die Bahn wirklich das Chaos vermeiden?

Regensburg. Es ist das Damoklesschwert, das über dem Verkehrssystem des Großraums Regensburg schwebt: die voraussichtlich 2027 beginnende Sanierung des Pfaffensteiner Tunnels. Die Angst ist groß, dass es dann ein absolutes Verkehrschaos geben wird.
Dass die voraussichtlich acht Jahre dauernde Sanierung den Straßenverkehr rund um Regensburg stark beeinflussen wird, steht außer Frage. Politiker der Region und die beteiligten Unternehmen debattieren derzeit vielmehr darüber, wie zumindest ein kompletter Verkehrskollaps vermieden werden kann – und da gehen die Meinungen auseinander.
Im Regensburger Landratsamt fand diese Woche die mittlerweile achte Sitzung der „Koordinierungsrunde Verkehrsentwicklung Großraum Regensburg“ statt. Einmal im Jahr trifft sich dieses Gremium, um Projekte und Konzepte der Aufgabenträger von Straße, Schiene und ÖPNV/SPNV unter Beteiligung der Stadt, des Landkreises und des Freistaats Bayern zu besprechen.
Kürzere Wege zu Bahnhöfen?
Nach dem Treffen wurde eine gemeinsame Erklärung verschickt. Darin heißt es, dass im Hinblick auf die Sanierung des Pfaffensteiner Tunnels und des Neubaus der Pfaffensteiner Donaubrücke ein besonderer Fokus auf der Schiene liege, „um die voraussichtlich hohen Verkehrsbelastungen während der mehrjährigen Bauzeit zumindest abschwächen zu können“. Zwar sei ohnehin angedacht, die Kapazitäten auf der Strecke Regensburg-Marktredwitz zu erhöhen, „jedoch sind für eine attraktive Verbindung auch ein dichterer Takt und kurze Wege zu den Bahnhöfen erforderlich“.
Landrätin Tanja Schweiger und Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer fordern in der Erklärung, dass die „seit langem von der Region angestrebten Maßnahmen“ zur Weiterentwicklung der Schieneninfrastruktur – etwa die neuen Haltepunkte in Regensburg-Walhallastraße, Regensburg-Wutzlhofen sowie Regenstauf-Diesenbach – angegangen werden. „Die Angebotsverbesserungen auf der Schiene müssen umgesetzt sein, bevor die Bauarbeiten in Pfaffenstein beginnen“, sagt Schweiger.
„Sehenden Auges in einen Verkehrskollaps“
Der CSU-Bundestagsabgeordnete Peter Aumer reagierte nun auf die Aussagen der Teilnehmer des Treffens. Er teilt mit, dass die Region seiner Meinung nach „sehenden Auges in einen Verkehrskollaps hineinläuft“. Dass die Ausbaumaßnahmen der Bahn, wie von Schweiger und Maltz-Schwarzfischer gefordert, vor Beginn der Tunnelsanierung fertig werden, bezeichnet Aumer dabei als „Wunschdenken“.
„Alleine auf die Schiene als Ausweichmöglichkeit für die Pendler während der Sanierung zu setzen, bringt uns nicht weiter“, sagt Aumer. Seine eigenen Anfragen bei der Deutschen Bahn und der Bayerische Eisenbahngesellschaft hätten ergeben, dass etwa die Umsetzung des gewünschten 20-Minuten-Takts explizit von der Fertigstellung neuer Haltepunkte in Wutzlhofen, Diesenbach und Ponholz, sowie der Reaktivierung der Bahnstrecke Maxhütte-Haidhof-Burglengenfeld abhängig sei. Und hier müsse unter anderem erst noch die Finanzierung durch den Bund geklärt werden.
Etwas besser scheint die Lage beim Haltepunkt an der Walhallastraße zu sein. Aumer zufolge soll aber auch dieser „nach optimistischen Planungen frühestens 2027 eröffnet werden“. Und bisher gebe es auch hier nur Planungen.
„Ich finde, es ist unverantwortlich, den Menschen vorzumachen, dass wir die Verkehrsbehinderungen durch die Tunnelsanierung mit dem Ausbau des Schienenangebots abfangen können“ sagt Aumer. Stand jetzt gebe es dem Abgeordneten zufolge schlicht noch keine Konzepte, „wie die für 2030 täglich prognostizierten 105.000 Fahrzeuge im Bereich des Pfaffensteiner Tunnels und der Donaubrücken während der Bauphase auf je einem Fahrstreifen pro Richtung abgewickelt werden sollen“.
Haltepunkte sind „bestellt“
Dass es bei den gewünschten neuen Haltepunkten in und um Regensburg zeitlich in der Tat eng werden dürfte, ergibt sich aus einer Rückfrage der Mittelbayerischen Zeitung bei der Deutschen Bahn. Zur Walhallstraße teilt ein Sprecher mit, dass hier von Seiten der Bahn die Vorentwurfsplanung abgeschlossen sei: „Der Stadt Regensburg liegen derzeit die Varianten vor und wir warten auf einen Stadtratsbeschluss zur Festlegung einer Vorzugsvariante.“ Nach aktuellem Stand werde mit einem Baubeginn im Jahr 2026 geplant. Als Kosten seien derzeit neun Millionen Euro angesetzt.
Zu den erwünschten Haltepunkten in Wutzlhofen und Regenstauf-Diesenbach liegen der Bahn dem Sprecher zufolge entsprechende Bestellungen der Bayerischen Eisenbahngesellschaft vor. Auf dieser Basis werde nun ein Planungsvertrag mit dem Freistaat Bayern erstellt und verhandelt: „Sobald dieser zum Abschluss gebracht ist, wird in die Ausschreibung eingetreten.“ Mit konkreten Planungen könnte deswegen voraussichtlich frühestens Anfang bis Mitte nächsten Jahres begonnen werden.