Aus für den Musikclub KISH in Postbauer-Heng

Von Josef Wittmann · 5. Mai 2023 um 12:01

Andy „Huddl“ Hutzler (2.v.l.) und seine Freunde haben seit dem Neuanfang beim Henger SV viel Engagement und Geld in Ambiente und Einrichtung des KISH gesteckt. Zuletzt wurde in der Coronazeit die Lüftung erneuert. Foto: Andreas Hutzler

„Das KISH ist tot!!!“, schrieb Arnd Willmann am Mittwochabend in seinen Facebook-Account. Der Umweltbeauftragte des Marktes Postbauer-Heng (Landkreis Neumarkt) ist auch ein großer Freund der Livemusik und ihrer Bühne im Centrum. Und dieser scheint nun das Ende zu drohen.

Die schlimmsten Befürchtungen aus dem Wechsel in der Vorstandschaft des Henger SV seien nun Gewissheit geworden. Andreas Hutzler, der Kopf des Vereins KISH, habe eben von Günther Nagl, dem neuen Vorsitzenden des Henger Sportvereins, die Kündigung der Räume im Souterrain des Sportheims bekommen.

„Günther Nagl stand gestern unangemeldet mit der Kündigung bei mir vor der Haustür“, bestätigt Andreas Hutzler. „Ich hab‘ dann die ganze Nacht nicht geschlafen.“ Günter Nagl nennt die Gründe. Zwar habe man bei Gesprächen im Januar den Verantwortlichen des KISH noch signalisiert, sie könnten die Räume wieder beziehen, wenn die großen Umbauarbeiten – sie dauern voraussichtlich von September 2023 bis Mitte 2024 – abgeschlossen sind.

Günter Nagl: Vorstand des Henger SC hat gemeinsam entschieden

„Jetzt haben wir aber in der Vorstandschaft nach ausführlicher Diskussion fast einstimmig beschlossen, dass wir den Platz für ein Geschäftszimmer und einen Besprechungsraum brauchen, weil wir den Kraft-Fitness-Bereich vergrößern“, erklärt Nagl. Die künftige Schreibtischarbeit könne man nicht mehr wie der frühere Vorsitzende des SV Heng, Josef Bauer, vom heimischen Schreibtisch aus stemmen.

Das Mietverhältnis zwischen dem Henger SV und dem KISH müsse deshalb wegen Eigenbedarfs nach zwölf Jahren zum Ende des Jahres 2024 beendet werden.

„Wir können zu unseren Sportlern nicht sagen, sie sollen zusammenrutschen und dafür weiter einen Mieter in unseren Räumlichkeiten haben“, sagt Günter Nagl. „Ich bedauere wirklich, dass es so gekommen ist. Aber ich bin halt der, der den Verein nach außen vertritt.“

Andreas Hutzler: Bürozimmer gibt es schon jetzt

Andreas Hutzler, nimmt ihm dieses Bedauern nicht ab. „Bei der Besprechung mit den Vorständen des Henger SV im Januar hat sich jeder von ihnen eindeutig gegen eine Kündigung ausgesprochen." Den Bürobedarf lässt er nicht gelten. Ein Geschäftszimmer gebe es schon heute, das müsse man halt aufräumen und Besprechungen habe der Sportverein auch in der Vergangenheit schon in den Räumen und an den Tischen des KISH durchführen können.

Nun habe der Sportverein mit Günther Nagl aber einen neuen Vorsitzenden, der das KISH „mit fadenscheinigen Ausreden" loswerden wolle und weder das große Ansehen der Kleinkunstbühne noch das Engagement der KISHler verstehe oder würdige.

Günter Nagl will diese Vorwürfe nicht weiter kommentieren. „Das ist sehr persönlich, als ob ich allein verantwortlich wäre. Ich kann und will das nicht zur Schlammschlacht werden lassen.“

Andreas Hutzler will nicht mehr weitermachen

„Das ist, wie wenn einem das Herz herausgerissen wird“, sagt Hutzler. Er werde nun seine persönlichen Konsequenzen ziehen. „Ich habe für mich entschieden. Bei der Jahreshauptversammlung von KISH am Mittwoch werde ich für eine Wiederwahl nicht mehr zur Verfügung stehen. Das 25-jährige Jubiläum feiern wir nicht mehr mit mir an der Spitze.“

Als er vor drei Jahren schon einmal aufhören wollte, habe er seine Freunde nicht in der Coronakrise im Stich lassen wollen, aber „jetzt liegt alles am Boden“. Er habe nicht mehr die Kraft, KISH ein drittes Mal aufzubauen. Der Verein sei nach der ersten 13 Jahre währenden Ära aus dem alten Sportheim beim SV Postbauer ausgezogen, weil es rein regnete und der Brandschutz im Argen lag. Während damals die Kommunikation mit dem Vermieter offen und ehrlich gewesen sei, „ist das jetzt überhaupt nicht sauber gelaufen“, kritisiert Hutzler.

Der neue Vorsitzende habe schon im Januar angekündigt, „früher oder später werden wir die Räume sowieso wieder brauchen“. Seit damals bis zur Kündigung sei „kein Mensch auch nur einmal mit einer Silbe auf mich zugekommen“.

Der 58-jährige Andreas Hutzler hätte die Kulturarbeit in Postbauer-Heng gerne noch 15 Jahre fortgeführt, „aber jetzt mache ich sie mit meiner eigenen Band (Anmerkung der Redaktion: der ,Franggn Mafia‘) woanders“. Momentan bekomme er sogar aus Nordfriesland virale Beileidsbekundungen, denn „das KISH ist ja deutschlandweit bekannt. Das fühlt sich an, wie wenn’st ein Kind verloren hast.“

Auch Bürgermeister Horst Kratzer ist von der Entwicklung völlig überrascht worden. „Das KISH ist ein Teil unserer Musikkultur – genauso wie unsere Blaskapellen oder die Musikschule“. Er will sich bemühen, „eine neue räumliche Perspektive zu finden. Weil es uns allen wichtig ist“. Und auch Arnd Willmann hofft, „eventuell gibt es ja doch eine Lösung. Jedenfalls wollen die KISHler weiter machen“.