Klimaneutrale Holzöfen? Ministerium verweist auf Denkfehler beim Heizen mit Holz

Von Christoph Eberle · 3. Mai 2023 um 11:55

Wer einen Holzofen zuhause hat, tut der Natur etwas Gutes. Schließlich gibt Holz bei der Verbrennung nur so viel CO2 ab, wie es beim Wachsen gebunden hat. Und Wald wächst nach – im Gegensatz zu Kohle oder Gas. Nachhaltiger geht es nicht. Oder etwa doch?

Das Bundesumweltministerium verweist hier auf einen Denkfehler: Denn Heizen mit Holz sei entgegen der weit verbreiteten Meinung nicht klimaneutral. „Die Holzverbrennung produziert neben Feinstaubemissionen auch CO2- und andere klimarelevante Emissionen wie Methan“, heißt es auf der Website des Ministeriums. Pro produzierter Wärmeeinheit seien die CO2-Emissionen sogar höher als bei fossilen Energieträgern wie Kohle oder Gas.

Der Idee einer klimaneutralen Energie, die aus Holz gewonnen wird, liege der Gedanke einer nachhaltigen Waldnutzung zugrunde: Die Vorstellung sei, dass die CO2-Emissionen aus der Verbrennung durch die jährlichen Einbindungen von Kohlenstoff in Waldholz insgesamt ausgeglichen werden. „Hierbei wird die vereinfachende Annahme getroffen, dass die durch den Wald erfolgenden Kohlenstoff-Einbindungen zum Ausgleich der CO2-Emissionen der Holzverbrennung zur Verfügung stehen“, heißt es weiter.

Nutzung in langlebigen Produkten ist besser, als das Holz zu verbrennen

Die Kohlenstoff-Einbindungen ins Holz finden aber unabhängig von der Verbrennung statt und sollten nach Ansicht des Ministeriums besser zum Ausgleich anderer, nicht vermeidbarer CO2-Emissionen genutzt werden. Oder anders formuliert: Umweltverträglicher als das Holz zu verbrennen, ist die Nutzung in langlebigen Holzprodukten. So bleibt der zunächst im Baum gespeicherte Kohlenstoff auch im Holzprodukt erhalten. Ein aus Holz gebautes Haus oder Möbelstück sei so gewissermaßen ein langlebiger CO2-Speicher.

Auch der Wald an sich dient als CO2-Speicher, wenn er nicht abgeholzt wird. Eine gewisse Holzentnahme sei zwar möglich. Um das Ziel der Klimaneutralität zu erreichen, wird aber „der Wald dringend als Senke benötigt, um andere, nicht vermeidbare CO2-Emissionen in anderen Sektoren auszugleichen“.

Ausmaß der Holzverbrennung laut Naturschützern zu groß

Privathaushalte sind in Deutschland schon jetzt die größten Verbraucher von Waldholz für die Gewinnung von Energie. Mehr als eine Million Haushalte in Deutschland nutzen Scheitholz, Holzpellets oder Holzhackschnitzel als primäre Energiequelle zum Heizen des kompletten Wohnraums, wie das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) angibt. Zusätzlich gebe es über elf Millionen sogenannte Einzelraumfeuerstätten, wie etwa Kaminöfen (Stand: März 2022).

Der Pelletverbrauch in Deutschland liege bei rund drei Millionen Tonnen Pellets sowie mehr als 20 Millionen Tonnen Scheitholz pro Jahr, Tendenz steigend. Zudem hätten auch Industrie und große Kraftwerksbetreiber die Holzverbrennung für sich entdeckt. Die Menge an Holz für die energetische Nutzung hat sich laut Naturschutzbund Deutschland (NABU) in den letzten 30 Jahren mehr als verdreifacht und bereits jetzt werde ein Drittel des in Deutschland geernteten Holzes verbrannt.

Dabei seien Wälder mehr als nur Holzlieferanten: Sie sind laut den Naturschützern auch wichtig als Lebensräume für Insekten, Vögel und andere Arten, halten die Luft rein und kühlen die Umgebung - was in den immer heißeren Sommern besonders wichtig sei.

Holz erzeugt beim Verheizen nicht nur CO2, sondern auch Feinstaub und andere Abgase

„Um alle Treibhausgasemissionen zu erfassen, die mit der energetischen Holznutzung verbunden sind, müssen neben CO2 auch andere, weit wirksamere Treibhausgase wie Methan und Lachgas berücksichtigt werden“, heißt es beim Bundesumweltministerium. Neben den Emissionen klimaschädlicher Gase hätten auch die gesundheitsschädlichen Ruß-Emissionen, die bei der energetischen Nutzung freigesetzt werden, eine negative Klimawirkung.

Darüber hinaus kämen in einer Lebenszyklusbetrachtung noch weitere CO2-Emissionen hinzu, unter anderem bei der Ernte von Holz, seiner Aufbereitung, der Herstellung und des Transports des Brennstoffs sowie durch Hilfsenergie (Strom) für die Wärmeerzeugungsanlagen.

Pellets sind nachhaltiger als Scheitholz

Sägespäne, die bei der Verarbeitung von Holz für die stoffliche Nutzung anfallen und dann zu Holzpellets verarbeitet werden, können laut Bundesumweltministerium in Sachen Nachhaltigkeit anders bewertet werden, als Scheitholz. „Holzstämme kommen eben nicht eckig ins Sägewerk, sondern rund. Um sie eckig zu machen, fallen 40 Prozent als Späne und Hackschnitzel an“, sagte Martin Bentele, Chef des Deutschen Pellet-Verbands jüngst im Interview mit der Mediengruppe Bayern.

Auch in Sachen Feinstaub hätten Pellets die Nase vorn: Am gesamten Feinstaubaufkommen in Deutschland hätten Pelletheizungen einen Anteil von einem Prozent. „Holz macht generell 20 Prozent aus, aber da sind die Kaminöfen der Auslöser“, so Bentele.

Waldeigentümer äußern Kritik am geplanten Verbot von Holzheizungen in Neubauten

Nicht nur Öl- und Gasheizungen sollen ab 2024 nur noch in Ausnahmefällen eingebaut werden: Der entsprechende Gesetzesentwurf des Bundeskabinetts sieht auch ein Verbot von Holzheizungen in Neubauten vor. Der Verband der Waldeigentümer hat das als „Angriff auf die Holzenergie“ kritisiert.

„Mit der Diskriminierung der erneuerbaren Holzenergie gefährdet die Bundesregierung die nachhaltige Waldpflege in Deutschland“, erklärte Verbandschefin Irene Seling Ende April. Holzenergie sei klimafreundlich, bezahlbar und könne fossile Energieträger wie Erdöl oder Gas ersetzen.

Brennholz helfe auch bei der Finanzierung des „klimaresilienten Waldumbaus“ - durch die Vermarktung von Restholz, das nicht höherwertiger verwendet werden kann und somit als Brennholz verkauft wird.