Gesetz zu Holzheizungen: Wütende Kritik aus dem Landkreis Neumarkt an Berlin

Es ist kein Schrei von den Männern zu hören, die sich in einem Waldstück bei Kruppach (Gemeinde Mühlhausen im Landkreis Neumark) treffen. Aber es bräuchte einen Aufschrei, sagt Bürgermeister Martin Hundsdorfer, der auch als Waldbauer und Holzheizer spricht. Denn darum geht es: Heizen mit Holz. Die Runde sieht es durch das geplante Gebäudeenergiegesetz des Bundes bedroht.
„Das trifft einen Lebensnerv der ländlichen Bevölkerung“, sagt Hundsdorfer, der sich in der Kritik einig ist mit den gekommenen Waldbesitzern, deren Verbandsvertretern und den Energietechnikbauern der Firma Burkhardt. Die Botschaft der Runde: Der Gesetzentwurf schießt weit am Ziel vorbei, die Wärmewende anzuschieben.
„Der Gesetzentwurf betrifft viel mehr Menschen als nur die Waldbauern“, sagt Hundsdorfer. Wie viele Haushalte im Landkreis mit Holz heizen, dazu gibt es keine aktuellen Zahlen. Auf Anfrage erklärt die Kaminkehrer-Innung Oberpfalz, dass man dazu keine Angaben machen dürfe. Aus 2015 stammt die Zahl, dass rund die Hälfte aller 45.000 Haushalte mit Holz heizten, wobei viele Kaminöfen darunter fielen.
Was das Gebäudeenergiegesetz für Heizungen ab 2024 regelt
Betroffen wären aber nur jene, die sich eine neue Heizung anschaffen wollen. Ab 2024 müssen diese ihre Energie zu 65 Prozent aus erneuerbaren Quellen beziehen. Holz zählt für das Wirtschaftsministerium nicht zu diesen Quellen. Wer also eine neue Holzheizung haben möchte, muss sie mit Techniken wie einer Wärmepumpe kombinieren, die dann jene 65 Prozent beisteuern.
Rechtlich würde damit der Einbau von neuen Holzheizungen zwar nicht verboten und teils sogar auch noch gefördert, faktisch aber wohl sehr aufwendig und damit unattraktiv. Kaminöfen sollen überhaupt nicht mehr gefördert werden.
Ist Heizen mit Holz klimaneutral?
Denn für das Ministerium steht fest: „Heizen mit Holz ist nicht klimaneutral“. Verbranntes Holz stoße neben Feinstaub und Methan auch CO2 aus. Die Vorstellung, dass nachwachsendes Holz dies ausgleiche, nennt das Ministerium „vereinfachend“. Was nachwachsende Bäume an CO2 binden, sollte nicht die Holzverbrennung ausgleichen, sondern andere, nicht vermeidbare CO2-Emissionen ausgleichen.
Überhaupt scheint das Ministerium nicht an eine nachhaltige Waldbewirtschaftung in Deutschland zu glauben. Es fürchtet offenbar, dass künftig mehr Holz verbrannt wird als nachwächst. Die Bundeswaldinventur kommt hingegen auf einen Zuwachs von 11,2 Kubikmeter Holz pro Hektar im Jahr. Allerdings stammen die Daten aus 2012. Neue Daten gibt es 2024. Aber auch die bayerischen Staatsforsten werden nicht müde zu betonen, dass in den Staatswäldern mehr Holz wachse als entnommen werde.
Ähnlich schildert Daniel Rübens die Lage in den Wäldern der rund 2100 Mitglieder der Waldbauernvereinigung Berching-Neumarkt. Rund zwei Hektar habe ein Mitglied im Durchschnitt, sagt der Geschäftsführer. Die überschaubare Größe bedinge, dass damit keine großen Gewinne zu machen seien. Rübens: „Ich sehe hier vor allem Ökologie weniger Ökonomie“. Dennoch, etwas wollen die Waldbauern auch von ihrem Wald haben. Unter anderem Brennholz – und davon gebe es genügend.
Kritik an Entwurf für Gebäudeenergiegesetz: Gefahr für Waldumbau
Schuld daran ist der Klimawandel. Vor allem die im Landkreis verbreitete Fichte kommt mit ihm nicht gut klar. Der Borkenkäfer hingegen schon, was zweierlei nach sich zieht, wie Bastian Emmerling erklärt. Erstens: Als Besitzer des vom Borkenkäfer befallenen Waldstücks nahe Kruppach sei er verpflichtet, Käferbäume zu entfernen. Es als Todholz liegen zu lassen, sei keine Option. Der Käfer dürfe sich nicht verbreiten. Nicht alles von diesem Holz sei als Bauholz geeignet.
Zweitens: Aufgrund des Klimawandels brauche es den Waldumbau hin zu angepassten Baumarten. Damit die wachsen könnten, müsse Platz und Licht geschaffen werden, sagt Rübens. Auch hierbei werde Holz anfallen.
Hans Ludwig Körner, Geschäftsführer Bayerischer Waldbesitzerverband, sieht das geplante Gesetz daher als einen Tiefschlag für den Waldumbau. Brennholz sei ein Motiv für Menschen, sich um ihre Wälder zu kümmern. Wenn dies wegfällt, fürchtet er, dass viele Waldbesitzer sich nicht mehr so einbringen.
Mühlhausen betreibt Heizkraftwerk mit Hackschnitzeln
Bürgermeister Hundsdorfer kritisiert das geplante Gesetz zudem, weil es plötzlich an einem Pfeiler regionaler Energierzeugung rüttle, den er und andere noch bis vor Kurzem für zukunftsfähig gehalten hätten. Mühlhausen hat mit Hilfe der Technik der ortsansässigen Firma Burkhardt ein Heizkraftwerk, das Wärme für die gemeindlichen Liegenschaften produziert – aus Hackschnitzeln von Holz aus Gemeinde eigenen Wäldern. Ähnliches macht die Familie Emmerling in Sulzbürg.
Hundsdorfer sagt, das Verhalten in Berlin verunsichere. Man frage sich: „Was kommt als nächstes?“ Was er und die ganze Runde aber vor allem nicht verstehen: Woher soll der klimaschonende Strom kommen, den Heizformen wie Wärmepumpen brauchen, die Holzheizungen ersetzen sollen? Tatsache sei, dass aktuell wieder die wesentlich klimaschädlichere Braunkohle verstromt werde, sagt Hundsdorfer und schüttelt den Kopf.
Das Bundeswirtschaftsministerium argumentiert, dass es angesichts der Nutzungsdauer von 20 bis 30 Jahren bei Heizungen bald eine Weichenstellung brauche, um die Wärmewende voranzubringen.
Zunächst wird es aber darum gehen, ob der Gesetzentwurf überhaupt durch Bundestag und Bundesrat kommt. Aus Teilen von SPD und Grünen ist zu hören, dass man Nachholbedarf sehe. Der Aufschrei scheint etwas zu bewirken.
