Was Radler in Regensburg stört: 67 Prozent fühlen sich unsicher

Von Juliana Ried · 2. Mai 2023 um 05:00

Regensburg. Seit Jahren nennt sich Regensburg fahrradfreundlich, 2019 war ein Bürgerbegehren für ein Hauptradroutennetz erfolgreich. Dass eine Kluft zwischen Anspruch und Realität klafft, zeigt der aktuelle Fahrradklimatest des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC).

Regensburg schneidet mit 3,9 genauso „unbefriedigend“ ab wie bereits 2020. Aufholbedarf sieht der Regensburger ADFC-Chef vor allem beim Routennetz, aber auch beim Fahrradparken.

Am Fahrradklimatest, der größten Umfrage zur Zufriedenheit von Radler weltweit, beteiligten sich 2022 deutschlandweit 245000 Radler. In Regensburg beantworteten 820 Menschen die Fragen des ADFC. 76 Prozent geben an, dass es auch häufig zu Konflikten mit Autofahrern komme, 75 Prozent sind der Meinung, dass Radfahrer auf der Fahrbahn von Autos bedrängt und behindert würden, 74 Prozent wünschen sich bessere Abstellanlagen für ihre Fahrräder und ebenfalls . 67 Prozent der Radler fühlen sich auf dem Fahrrad in Regensburg gefährdet.

Regensburg landet im Fahrradklimatest auf Platz 13 von 40

Mit einer Gesamtbewertung von 3,92 belegt Regensburg deutschlandweit Platz 13 von 40 in der Kategorie 100000 bis 200000 Einwohner. Damit schneidet es etwas besser ab als der Durchschnitt aller Orte der Größenklasse (4,1) und übertrifft knapp den bundesweiten Durchschnittswert von 3,96. Im Bayern-Vergleich liegt Regensburg in seiner Kategorie knapp hinter Ingolstadt auf Platz 4 von 5.

Der Regensburger ADFC-Vorsitzende Klaus Wörle sagt: „In Regensburg hat sich erfreulicherweise der Radverkehrsanteil deutlich erhöht in den letzten Jahren. Bei der Bewertung merkt man jedoch, dass die Infrastruktur mit diesem Zuwachs nicht Schritt halten kann.“ Daher bleibe Regensburg mit der Note 3,9 auf dem Niveau der vergangenen Umfragen, obwohl es in den vergangenen Jahren einzelne Verbesserungen gegeben habe – so sei die tatsächliche Unfallwahrscheinlichkeit wohl eher zurückgegangen. Genau lasse sich das nicht feststellen, da es keine aktuellen Zahlen zum Anteil des Radverkehrs gebe.

Positiv fällt Regensburg auf, was die Einbahnstraßen angeht: 77 Prozent geben an, dass die meisten in beide Richtungen für Radfahrer freigegeben seien. 70 Prozent der Umfrageteilnehmer finden, dass sie mit dem Rad zügig und direkt ihr Ziel erreichen. Und 84 Prozent sind der Meinung, das Stadtzentrum sei mit dem Rad gut zu erreichen.

81 Prozent bemängeln die Führung des Radverkehrs an Baustellen. 83 Prozent geben an, dass die Ampelschaltungen nicht gut auf Radler abgestimmt seien und 85 Prozent empfinden die Radwege als zu schmal.

Etwa die Hälfte der Teilnehmer kommentierte das Regensburger Fahrradklima im Freitext-Feld – das ist laut Wörle ungewöhnlich viel. So wird deutlich, was die Regensburger besonders stört: etwa die zähe Umsetzung des Hauptradroutennetzes. „Es wurden viele Erwartungen geweckt“, sagt Wörle. „Die Leute wollen etwas sehen in ihrem Viertel.“ Das Hauptradroutennetz, das der Stadtrat vor einem Jahr beschloss, soll einmal 170 Kilometer umfassen. Tatsächlich umgesetzt habe die Stadt zwei Fahrradstraßen im Osten, die zusammen etwa zwei Kilometer lang sind, was Wörle zu den spöttischen Fragen veranlasst: „Wird’s was im 22. Jahrhundert? Oder wird’s was in dem Jahrhundert?“ Viel Luft nach oben sieht er auch beim Fahrradparken, etwa für Altstadtbewohner – hier lasse sich in Parkhäusern Platz schaffen. Etwas tun müsse sich auch bei Brücken, etwa in Form eines Holzgartenstegs über die Donau oder einer Verlängerung der Universitätsstraße über die Bahngleise.

Regensburg: Radverbindungen am Stadtrand werden besser

Die Stadt bewertet die Fortschritte beim Radroutennetz deutlich anders. Ab 2023 würden „sehr wichtige Lücken“ geschlossen, sagt Sprecherin Juliane von Roenne-Styra – nennt dann konkret aber nur Anschlüsse in den Landkreis, etwa die Donaubrücke nach Sinzing, den Lückenschluss in Schwabelweis nach Tegernheim, den Radweg nach Scharmassing und die neue Verbindung nach Neutraubling.

Auch bei den Brücken stünden Fortschritte an, etwa durch den Neubau der Frankenbrücke und des Grieser Stegs. Das Fahrradparken am Hauptbahnhof verbessere sich durch den neuen Parkplatz schon bald deutlich. Auch an acht weiteren wichtigen Umsteigepunkten im öffentlichen Nahverkehr entstünden Radboxen oder Sammelgaragen. Außerdem gelte: „Es ist geplant, dem Stadtrat noch vor der Sommerpause einen Vorschlag zu unterbreiten, welche weiteren Radprojekte ab 2026 umgesetzt werden könnten.“

Weitere Ergebnisse

Landkreis: Neutraubling und Regenstauf erreichten die für eine Auswertung nötige Mindestteilnehmerzahl. Gegenüber der letzten Umfrage sank die Bewertung für Neutraubling geringfügig auf 4,3. Regenstauf kam erstmals in die Wertung, ebenfalls mit 4,3.

Spitzenreiter: Straubing liegt mit 3,4 in seiner Größenklasse ganz vorn.