Hausärzte dringend gesucht: Bodenwöhr will medizinisches Versorgungszentrum gründen

Noch gibt es in Bodenwöhr (Landkreis Schwandorf) eine Hausarztpraxis – doch wie lange noch? Gesichert ist ihr Betrieb nur bis Ende 2023. Was dann? Die Gemeinde arbeitet gerade fieberhaft an einer Lösung – doch das ist eine große Herausforderung.
Bis vor rund zehn Jahren war die medizinische Versorgung in Bodenwöhr recht komfortabel. Doch seitdem hat sich das Angebot immer mehr ausgedünnt: Ende 2014 wurde die Praxis von Harald Koegler aufgelöst, ein Jahr später verabschiedeten sich die Brucker Ärzte Michael Pollinger, Gerald Michl und Georg Dirrigl in Richtung ihres Heimatortes, um sich dort im neu errichteten Ärztehaus anzusiedeln.
Damit blieb in Bodenwöhr nur nur noch Allgemeinmediziner Heinrich Dickert übrig, der dort seit 1984 praktizierte. Als dieser sich in den Ruhestand verabschiedete, übernahm im Januar 2019 das Ärztepaar Windisch die Praxis. Doch nun droht diesem Standort ebenfalls das Aus. Bürgermeister Georg Hoffmann (CSU) ist äußerst besorgt aufgrund einer Nachricht, die ihn kürzlich erreichte: Das Ärzteehepaar habe angekündigt, die Praxis aufgrund der immer weiter steigenden Arbeitsbelastung nicht mehr weiterführen zu können.
Mietvertrag für Praxisräume bereits zum 31. Dezember 2023 gekündig
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Laut Hoffmann hat das Paar den Mietvertrag für die Praxisräume zum 31. Dezember 2023 bereits gekündigt. Mittlerweile hätten auch Gespräche zwischen Gemeinde und Ärztepaar stattgefunden, konkrete Ergebnisse gebe es aber noch nicht. Das Ärzteehepaar war für unsere Zeitung bis Redaktionsschluss nicht erreichbar.
Inzwischen ist die Gemeinde auch anderweitig aktiv geworden und sucht nach Lösungen für die drohende Versorgungslücke. „Wir brauchen in Bodenwöhr einen Arzt. Das ist ein Standortvorteil und wir scheuen deshalb keinen Aufwand“, sagt der Rathauschef. Das sieht auch der Gemeinderat so und hat der Verwaltung den Auftrag erteilt, die Planungen für ein Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ) in Bodenwöhr durchzuführen. Dabei handelt es sich um eine Einrichtung, in der Ärzte im Angestelltenverhältnis tätig sind. In der Regel müssen sich die Mediziner nicht mit der betriebswirtschaftlichen Organisation befassen und können sich somit stark auf die Behandlung der Patienten fokussieren.
Bürgermeister Hoffmann hat sich in den vergangenen Wochen ausführlich mit der Problematik beschäftigt und sich beispielsweise bei seinem Neunburger Amtskollegen Martin Birner (CSU) Informationen eingeholt. Hier gibt es bereits seit 2020 das erste kommunale MVZ Bayerns. Innerhalb kurzer Zeit wurden am Standort sieben Arztsitze zusammengeschlossen. Mittlerweile gibt es hier 40 Mitarbeiter samt Azubis.
Ein Mediziner reicht für MVZ nicht aus
Solche Dimensionen strebt man im 4500 Einwohner zählenden Bodenwöhr derzeit nicht an. Momentan suche man ein aus zwei Personen bestehendes Ärzteteam. Um ein MVZ gründen zu können, reiche ein einzelner Mediziner nämlich nicht aus, weil es für diesen dann keine Vertretung gebe, sagt Hoffmann.
Um Ärzte auf Bodenwöhr aufmerksam zu machen, hat der Bürgermeister derzeit einen sehr vollen Terminkalender. Er führe viele Gespräche mit Medizinern in der Region – auch mit Chefärzten an den Krankenhäusern. Denn gerade für deren Assistenzärzte könne ein neu gegründetes MVZ eine interessante Perspektive sein, sagt Hoffmann. Dabei will er sich nicht nur auf den Landkreis Schwandorf beschränken, um interessierte Kandidaten zu finden. „Wenn es nötig ist, fahre ich überall hin“, sagt Hoffmann. Die Personalfrage für das MVZ wird ihn wohl noch länger beschäftigen. Aber immerhin muss sich die Gemeinde nicht um neue Praxisräume kümmern: Heinrich Dickert, der Vermieter der aktuellen Räume, sei bereit, sie auch an das neue MVZ zu vermieten. Der Platz dort reiche möglicherweise auch für einen dritten Arzt.
Höhe der Kosten für ein Medizinisches Versorgungszentrum ist unklar
Welche Kosten auf die Gemeinde durch die Gründung eines MVZ zukommen könnten, ist derzeit noch unklar. „Da sind wir noch blank. Diese Zahlen müssen wir erst noch zusammentragen“, sagt Hoffmann. Bis es soweit ist, müssten noch viele rechtliche und organisatorische Fragen geklärt werden. Denn grundsätzlich komme nicht nur die Gemeinde als Betreiberin des MVZ in Frage, sagt Hoffmann. Denkbar sei auch die Gründung eines kommunalen Zweckverbands, an dem sich andere Gemeinden mit demselben Problem beteiligen könnten.