Baustelle an der Uni Regensburg: 53 Millionen Euro mehr – mindestens

Regensburg. Auf den ersten Blick scheint sich auf dem Biologie-Areal der Universität Regensburg zuletzt nicht viel verändert zu haben. Seit Monaten ist dort eine mehr oder minder brach liegende Fläche zu sehen. Die Kosten schießen aber weiter gewaltig in die Höhe.
Nach wie vor wird in dem Bereich abgerissen und aufgeräumt. Insgesamt laufen die Vorarbeiten für den Neubau des Vorklinikums sogar schon seit fünf Jahren. Dem bayerischen Bauministerium zufolge soll es nun aber wirklich bald richtig losgehen, womöglich schon ab kommenden Juli. Genug Geld dafür dürfte jetzt vorhanden sein, die Kostenplanung wurde nämlich exorbitant aufgestockt.
Vor sechs Jahren war der Neubau des Vorklinikums beschlossen worden. 114 Millionen Euro wurden angesetzt. Der Zeitplan sah so aus: Bis Mitte 2019 wird abgerissen, dann beginnt der Neubau. Dieser sollte 2024 fertig sein. Das wird aber nicht klappen.
Weitere 55 Millionen drauf?
Bereits mehrmals wurden die Zeitpläne verändert. Die Ausführung der Schadstoffsanierung und der Rückbau der alten Biologie hätten sich verzögert, teilte das Ministerium dazu mit. Das Budget musste 2020 bereits um 17 Millionen Euro erhöht werden. Der richtig große Aufschlag folgte nun aber vor wenigen Wochen.
Der Haushaltsausschuss des Bayerischen Landtags hat im März weitere 53 Millionen Euro genehmigt. Die Mehrkosten hätten „vor allem konjunkturbedingte“ Ursachen, sagt ein Sprecher des Bauministeriums auf Anfrage. Auf eine weitere Nachfrage konkretisiert das Ministerium, dass „vor allem“ etwa 60 Prozent bedeute. Die restlichen 40Prozent der Mehrkosten – also mehr als 20Millionen Euro – würden sich in „baulich bedingte Massen- und Ausführungsänderungen bei Abbrucharbeiten und Planungsfortschreibungen beim Neubau“ aufteilen.
Darüber hinaus führende Kostenprognosen gibt es vom Ministerium nicht. Die Pressestelle des Landtags teilt auf Anfrage dagegen mit, dass der Ausschuss bereits auch die Möglichkeit weiterer Kostensteigerungen besprochen hat. In der Sitzung hieß es, dass zu dem neuen Gesamtbudget von 184 Millionen Euro weitere 20Millionen an Risikokosten und 35,7 Millionen für mögliche Kostensteigerungen bis zum Bauabschluss hinzu kommen könnten. Damit würde sich das Budget auf knapp 240Millionen Euro erhöhen.
Doch warum wurden diese Beträge nicht gleich offiziell mit einbezogen? Im Ausschuss soll dies damit begründet worden sein, dass die Baumaßnahme einst schließlich noch auf der Basis früherer Richtlinien für die Durchführung von Hochbauaufgaben des Freistaates Bayern auf den Weg gebracht wurde. Aber warum sollte dies eine komplette Auflistung der möglichen Kosten ausschließen. Der zuständige Berichterstatter im Ausschuss, der CSU-Abgeordnete Johannes Hintersberger aus Augsburg, sagt dazu, dass der Risikopuffer ein „Standardprozedere bei jeder großen Baumaßnahme des Freistaats ist“. Er sei allerdings nicht Bestandteil des durch den Ausschuss genehmigten Finanznachtrags, deswegen tauche er auch nicht in der neuen Gesamtkosten-Berechnung auf.
Die bewilligten Mehrkosten sind Hintersberger zufolge insgesamt „für mich auf jeden Fall nachvollziehbar, der größte Posten dabei sind Lohn- und Materialpreissteigerungen“. Er weist auch darauf hin, dass der Beschluss einstimmig quer durch alle alle Fraktionen gefasst worden sei.
Nur Aktenzeichen auf der Tagesordnung
Ebenfalls überraschend ist, dass die Angelegenheit – bei der es nun um insgesamt mehr als 100 Millionen Euro Mehrkosten geht – nur als Aktenzeichen ohne weitere Infos oder Ortsangaben auf der öffentlich einzusehenden Tagesordnung der Sitzung aufgeführt wurde. „Die Tagesordnung wird vom bayerischen Landtagsamt gemacht“, sagt Hintersberger dazu, „es ist Standard, dass hier inhaltlich ganz wenig enthalten ist“.
Der Bund der Steuerzahler in Bayern wollte sich diese Woche noch nicht zu den neuen Mehrkosten äußern. Wie Vizepräsidentin Maria Ritch der Mittelbayerischen sagte, habe der Bund zunächst eine eigene Anfrage zu den neuen Entwicklungen an das Staatliche Bauamt gestellt: „Bevor uns von dort keine Äußerung vorliegt, möchten wir die Angelegenheit nicht bewerten.“
Der Bund der Steuerzahler hatte allerdings schon die erste Budgeterhöhung beim Neubau des Vorklinikums kritisiert. Ritch hatte sich damals auch zu „konjunkturbedingten Preissteigerungen“ im Bausektor geäußert: „Dieses Argument gibt es seit Jahrzehnten. Bei einem ordnungsgemäßen Risikomanagement sollte das jedoch eigentlich keine Rolle spielen. Aber in Regensburg hat man das eventuell wesentlich zu niedrig angesetzt oder ganz übersehen.“
Dach ist weiter nicht dicht
Weiter ungewiss scheint auch der Fortgang bei einer anderen Großbaustelle an der Uni: die Sanierung der Tiefgarage. Diese hat ebenfalls mit extremen Kostensteigungen für Schlagzeilen gesorgt. Ursprünglich waren 49 Millionen Euro angesetzt. Mittlerweile geht das Bauministerium von mehr als 80 Millionen aus. Und das, obwohl im Ursprungsetat enthaltene Teile des Projekts – wie etwa die Sanierung der Tiefgarage Ost – nachträglich gestrichen wurden.
Ende des vergangenen Jahres gab es dann noch die Hiobsbotschaft, dass die Decke der eigentlich nahezu fertig sanierten Tiefgarage, über der das ebenfalls frisch sanierte Forum der Uni liegt, nicht dicht ist. Das Problem besteht mehrere Monate danach immer noch. „Die vereinzelten Undichtigkeiten konnten noch nicht behoben werden“, teilt ein Ministeriumssprecher mit: „Derzeit erfolgt eine Begutachtung und vereinzelte Bauteilöffnung zur Klärung der Mängelursache.“ Im Anschluss sollen die Mängel dann behoben werden. Die Inbetriebnahme der Tiefgarage sei nach wie vor im Laufe des Jahres geplant.